Rezension: Sarah Ricchizzi – Einmal im Jahr für immer

Einmal im Jahr für immer1

Sarah Ricchizzi | Einmal im Jahr für immer | Selfpublishing | 29.08.2017 | 342 Seiten | TB: 9,99€ / eBook: 1,99€ | Amazon**

Amelie Red hat kürzlich ihren Mann Math verloren und fragt sich, wie sie ohne ihn weiterleben soll. Sie verliert sich in ihren negativen Gedanken, doch plötzlich steht ein Clown bei ihr im Bad, der sie von einem Abenteuer in das nächste stürzt. 

Nach wie vor habe ich eine Gänsehaut, wenn ich an diese Geschichte zurückdenke. Sie ist emotional, sie ist authentisch, sie ist traurig, sie ist humorvoll, sie ist echt. Zwar gehört Sarah zu meinen engsten Buchfreundinnen, dennoch könnt ihr davon ausgehen, dass diese Rezension ehrlich ist.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgte über einen traurigen Brief von Math, der dafür sorgte, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. So hatte ich das Buch in kurzer Zeit durch, obwohl meine anfängliche Intention darin bestand, nur mal kurz reinzulesen. Daraufhin lernte ich die verzweifelte Amelie kennen, die ihr Dasein fristete und in negativen Gedankenspiralen gefangen war. Das Auftreten des Clowns fand ich super cool, auch wenn ich dem Ganzen zunächst kritisch gegenüberstand, Clowns gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfiguren. Doch hier handelte es sich keinesfalls um einen gewöhnlichen Clown. Er besaß in der Geschichte eine immense Rolle, denn er half Amelie dabei, zurück ins Leben zu finden. Die näheren Gründe dafür werde ich an dieser Stelle nicht benennen. Dass er auf einer Hüpfburg schläft und Amelies Leben total durcheinanderwirbelt geht ja bereits aus dem Klappentext hervor, den ich euch unten kopiert habe.

Einmal im Jahr für immer

Die Geschichte ist aus Amelies Sicht verfasst, dennoch erfährt man auch Dinge über andere wichtige Personen, beispielsweise ihre Eltern, die natürlich sehr unter der Situation und Amelies durchaus nachvollziehbaren Verhalten gelitten haben. Zwischendurch gab es Briefe, in denen die Protagonistin vieles reflektierte, sodass man immer auch mal Ängste und Sorgen erfuhr.

Die Charaktere fand ich allesamt sehr authentisch und toll. Amelie war aufgrund des Verlustes wahnsinnig traurig und verzweifelt, sie litt Höllenqualen und doch wirkte dies nie übertrieben oder unangenehm, aber wer darf so etwas schon beurteilen? Der Clown war mein wahrliches Highlight in der Geschichte. Trotz seiner eigenen Geschichte schaffte er es, stark zu sein und Amelie zurück ins Leben zu katapultieren. Ich musste super oft lachen, auch brachten mich seine Aussagen zum Nachdenken. Er war fordernd und oft ein bisschen gemein, seine Absichten waren aber immerzu sehr gutmütig und dementsprechend erfolgreich, wenn auch nicht direkt. Er beanspruchte Amelie, sorgte aber letztendlich dafür, dass sie Kraft aufbringen und aktiv werden musste. Das Zusammenspiel der Charaktere, das sich hinterher aufgelöst hat, war sehr gelungen umgesetzt, am Ende kamen alle Fäden zusammen und die Geschichte beinhaltete zahlreiche Überraschungen.

Den Schreibstil empfand ich trotz kleiner Fehler, die sich eingeschlichen haben, als sehr angenehm, insbesondere auch durch die kurzen, aber aussagekräftigen Sätze. Vieles stand zwischen den Zeilen, vieles wurde nicht gesagt, vieles musste aber auch nicht gesagt werden. Die Emotionen kamen hervorragend rüber. Umgehauen hat mich dann das emotionale Ende und die noch emotionaleren Briefe, die als Nachtrag hinzugefügt wurden und etwas über das „danach“ erzählten. Besonders der letzte Brief hat dann dafür gesorgt, dass ich weinen musste. Keine Sorge – es gibt keine schnulzige neue Liebesgeschichte zur Bewältigung, keine Dreieckssache oder sonst etwas in der Art. Es geht wirklich nur um den Aspekt der Trauerbewältigung, der in der Geschichte angemessen und klug aufgegriffen und integriert wurde.

Der Clown ließ sie einfach machen. Ohne wenn und aber. Ohne Fragen zu stellen. Ohne ihr das Gefühl zu geben sich nicht richtig zu benehmen. Ohne, dass sie für ihre Trauer verurteilt wurde.
[Einmal im Jahr für immer, Sarah Ricchizzi, S. 134]

Auch Depressionen und Suizid waren Themen, die behandelt wurden, was der Autorin meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Die Mischung von traurigen, bedrückenden und humorvollen Situationen, die alles etwas auflockerten, empfand ich als sehr angenehm. Es wurde nichts beschönigt, einzelne Aspekte und Gedanken wurden schonungslos vermittelt.

Einmal im Jahr für immer bringt mich nach wie vor zum Lächeln und Nachdenken. Eine Geschichte mitten aus dem Leben, die schonungslos ehrlich und zugleich hoffnungsvoll ist, die ich vermutlich noch des Öfteren zur Hand nehmen und tief im Herzen behalten werde. Für mich ein wahrliches Highlight und damit ein Buch der Kategorie Liebling.

Übrigens könnt ihr das hübsche Büchlein direkt bei Sarah bestellen – signiert und mit passendem Lesezeichen. 


Weitere Meinungen

„Die Charaktere muss man einfach ins Herz schließen und dort für immer aufbewahren, […]. Eine Geschichte, die einem tief unter die Haut geht, einen Punkt im Leben zeigt, an dem sich wirklich keiner befinden möchte, aber auch, wie wertvoll es ist, sich seinen Weg daraus zu suchen und den eigenen Platz im Leben wiederzufinden.“ – Letterheart

„Sarah Ricchizzi hat mit „Einmal im Jahr für immer“ eine sehr emotionale und tiefgründige Geschichte über das Sterben, Verlust, Trauer und Depression geschrieben. Voller Intensität und wundersamen und bisweilen kuriosen Begegnungen, Erlebnissen und Wendungen, doch immer mit starkem Bezug zur Realität.“ – Buchstabenträumerei

„Das Ende hat mich vor allem umgehauen. Ich habe mich nach mehrmaligem Lesen total hineingesteigert, da dieses Ende so schön und so traurig zugleich war.“ – Beccas Leselichtung

„Das Ende hat mich schließlich vollkommen zerstört und ich habe einem Häufchen Elend ähnlich auf meiner Couch gesessen und hemmungslos geheult.“ – Yvonnes Bücherecke

Blatt-Trenner

Was bedeutet eigentlich Leben?

Math ist tot.
Und Amelie Red fragt sich, weshalb sie noch weiterleben soll.
Wozu den Schein wahren, wenn der Tod so schwer auf ihr lastet?

In ihrer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann, vergisst Amelie Red, wer sie einst gewesen ist und verliert sich in ihrer eigenen Gedankenwelt.
Dann klopft ein Clown unerwartet an ihre Badezimmertür und sprengt ihr Leben mit Abenteuern, die sie nicht erleben will.
Ein Clown lässt sich allerdings nicht so einfach ignorieren, schon gar nicht, wenn im eigenen Treppenhaus ein Regenbogen erscheint, eine Hüpfburg im Wohnzimmer thront und sie das Haus nicht mehr durch die Haustür, sondern durch ein Fenster betreten muss. [Quelle]


Buch bei Amazon**

7 Kommentare zu „Rezension: Sarah Ricchizzi – Einmal im Jahr für immer

  1. Oh Nicci – dieses Bild! *.*
    Nach wie vor finde ich es super lustig, dass die Clownsnasen immer gar nicht so echt aussehen, sondern eher wie reingeschnitten 😀
    Ich finde es toll, wie du deine Meinung und Gefühle zum Buch in Worte fassen konntest!
    Mich hat es auch unglaublich dolle bewegt, einfach eine fantastische Geschichte.

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

  2. Meine liebe Buchnachbarin,
    ich muss ein bisschen mit den Tränen kämpfen – und das meine ich auch so. Ich bin jedes mal total gerührt, wenn jemand eine Rezension schreibt. Über mein Buch. Das ist so unendlich eigenartig, immer noch. Doch wenn auch noch jemand eine Rezension schreibt, den ich kenne und furchtbar gern habe, das ist noch einmal eine ganz andere Liga. Ein anderes Hoffen und Bangen. Und es ist so furchtbar schön geworden! DANKESCHÖN! Du glaubst gar nicht, wie sehr es mich freut, deine Worte zu lesen. Bin jetzt grad das zweite Mal durch, hehe.

    Das Foto mit dir sieht total cool aus! Gefällt mir total ^_^ DIE NASE!

    Noch einmal: Vielen lieben Dank! Es ist richtig toll geworden und gleich werde ich auch einmal direkt ein Zitat aus deinen Worten in meine Sparte packen, hihi.

    Alles Liebe,
    deine Buchnachbarin

    Gefällt 1 Person

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