Rezension: Alle glücklich von Kira Mohn

In ihrem Roman „Alle glücklich“ wirft Kira Mohn einen scharfen Blick auf die Dynamik und Psychologie einer scheinbar perfekten vierköpfigen Familie. Denn hinter der liebevollen Fassade brodelt es gewaltig.

Werbung: Das Buch ist ein E-Book-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via NetGalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

Alle glücklich bei Amazon
Autor*in: Kira Mohn, Übersetzer*in: –
Seitenzahl: 327, Preis: 19,99 € (E-Book)

„Alle glücklich“ hat einen verdammt interessanten Start, der mich sofort total eingesaugt und neugierig gemacht hat. Ein paar Aussagen über Gaming und das „Zuhause-Hocken“ haben mich anfangs zwar genervt, und es macht mich bis jetzt fertig, dass das Spiel, das Ben zockt, „Helldiver“ genannt wird, aber die Story hat mich schnell gepackt.

(Falls es Absicht war, um nicht den originalen Titel zu wählen, alles cool. Falls nicht: Das Spiel heißt Helldivers.)

Im Grunde ist es eine berührende und einfühlsame Familiengeschichte über Selbstfindung und das Erwachsenwerden. Es geht um Nina und Alexander, die in ihrer Ehe brav die Rollen erfüllen, die die Gesellschaft ihnen nun mal vorschreibt. Beide merken aber insgeheim, dass sie eigentlich überhaupt nicht glücklich sind.

Nina hat nebenbei Tätigkeiten, von denen sie niemandem etwas erzählt, und Alexander ist irgendwie doch nicht so der tolle Vorzeige-Ehemann, wie er immer tut.

Die beiden haben zwei Kinder, Ben und Emilia. Ben studiert und gibt nach außen hin vor, dass es ihm blendend geht. Der Schein trügt aber gewaltig, denn er struggelt ziemlich mit sich selbst und verliert sich dabei in fragwürdigen Foren und Kontakten.

Emilia geht noch aufs Gymnasium und ist frisch verliebt, stellt sich dabei aber komplett zurück. Ihr ist wichtiger, wie es ihrem Freund geht und was er will, wodurch sie in ein ziemliches Drama gerät und sich immer mehr verrennt.

Alle Charaktere bringen ihre eigenen Wünsche und Träume mit, und alle kämpfen mit ihren Problemen und dem gesellschaftlichen Druck. Über allem steht die große Frage: Führe ich überhaupt genau das Leben, das ich wirklich will? Oder wollen es nur die anderen, während ich selbst damit unglücklich bin?

Kira Mohn beleuchtet hier eine scheinbar glückliche Familie, die im Inneren bröckelt. Jeder macht sein eigenes Ding, es gibt kaum ein Miteinander und die Fronten verhärten sich immer mehr, bis es am Ende ordentlich knallt.

Ich habe die Charaktere echt gerne auf ihrem Weg begleitet, auch wenn mich vor allem Alexander mit seiner toxischen Männlichkeit total genervt hat. Ich hätte ihn am liebsten aus seinem Bürostuhl geschubst, um ihm mal ordentlich die Meinung zu geigen.

Die beiden Kids hätte ich dagegen am liebsten einfach mal in den Arm genommen. Am meisten relatable war für mich aber Nina. Zwischen Ehe, Haushalt, Kindern und Job geht sie fast verloren auf dem Weg, zurück zu sich selbst zu finden. Umso mehr habe ich übrigens Anastasia geliebt und die Fragen, die sie Nina stellt.

Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen gelesen und es bewusst eine Weile nachwirken lassen. Zuerst war es für mich nur ein solider Buchtipp, zumal mich das Ende irgendwie nicht so ganz befriedigt hat. Mittlerweile fällt es für mich aber tatsächlich eher in die Kategorie Lieblingsbuch.

Ich muss regelmäßig an diese Familie zurückdenken. Generell bin ich ein großer Fan von Kira Mohns Schreibstil. Wer also eine starke Familiengeschichte sucht, dem kann ich „Alle glücklich“ absolut empfehlen. Und wer danach noch mehr von ihr lesen will, sollte sich auch unbedingt „Die Nacht der Bärin“ anschauen (Triggerwarnungen beachten).

Fazit: „Alle glücklich“ ist eine bewegende und authentische Familiengeschichte, die noch lange nachwirkt und trotz eines etwas unbefriedigenden Endes für mich zum Lieblingsbuch geworden ist. Kira Mohn seziert hier meisterhaft das Bröckeln einer perfekten Fassade und beleuchtet die unbequeme Frage, wie viel von unserem vermeintlichen Glück eigentlich nur den Erwartungen der Gesellschaft geschuldet ist.

Bewertung: 5 von 5.

Kategorie: Liebling

Inhalt zum Aufklappen

Nina: Mutter, Ehefrau, MTA. Erfüllt alle Rollen, doch daneben gibt es eine, von der niemand etwas weiß.

Alexander: Oberarzt, Ehemann, Vater. Tut alles für seine Familie, opfert sich auf als Arzt – und wer dankt es ihm?

Emilia: Gymnasiastin. Zum ersten Mal richtig verliebt. Sucht ihren eigenen Weg, geht aber den des Freundes.

Ben: Student. Es geht ihm gut. Es geht ihm wirklich gut. Verdammt noch mal, es geht ihm gut!

Nina, Alexander, Emilia und Ben. Eine liebevolle Mutter, ein beruflich erfolgreicher Vater, zwei wohlgeratende Kinder. Doch wenn der Druck steigt, reißt die Fassade auf.

Quelle: NetGalley


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Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

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