Rezension: Kein Bock Club von Maria Popov

In „Kein Bock Club“ hinterfragt Maria Popov den gesellschaftlichen Leistungsdruck rund um sexuelle Lust und beleuchtet das Thema Asexualität, inklusive persönlicher Anekdoten und viel Humor.

Werbung: Das Buch ist ein E-Book-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via NetGalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

Kein Bock Club bei Amazon
Autor*in: Maria Popov, Übersetzer*in: –
Seitenzahl: 321, Preis: 16,99 € (E-Book)

Sexuelle Lust gilt in unserer Gesellschaft fast schon als Pflichtprogramm für eine glückliche Beziehung und persönliche Erfüllung. Aber was ist, wenn man dieses Verlangen schlichtweg nicht spürt, obwohl angeblich alles stimmt?

Maria Popov bricht das Tabu rund um die Asexualität und hinterfragt kritisch, warum sexuelle Unlust eigentlich ständig therapiert oder wegdiskutiert werden soll. Mit einer Mischung aus persönlichen Anekdoten und gesellschaftskritischem Scharfsinn lädt das Buch dazu ein, Intimität ganz ohne den üblichen Leistungsdruck völlig neu zu denken.

Keinen Bock zu haben, ist kein Zustand, den man ändern muss, nichts, das geheilt werden muss oder zu bedauern ist. Der Kein Bock Club schuldet weder Partner*innen noch der Gesellschaft Sex. Noch mal langsam, weil das sehr wichtig ist: Der Kein Bock Club schuldet weder Partner*innen noch der Gesellschaft Sex.

Maria Popov, Kein Bock Club (Kindle-Positionen 202-204)

Als ich die Ankündigung von „Kein Bock Club“ zum ersten Mal auf Social Media gesehen habe, war ich allein wegen des Titels super neugierig.

Sexuelle Lust ist irgendwie oft der Maßstab für alles, was romantische – vor allem hetero – Beziehungen betrifft. Sie hat nie Bock und oft Kopfschmerzen, er „kommt nicht auf seine Kosten“ und das bedeutet gleichzeitig, dass die Beziehung kriselt. Denn wenn es im Bett nicht läuft, läuft quasi generell alles schlecht. Classic.

Dass die Probleme oft woanders liegen und sexuelle Lust weder der Grund noch die Voraussetzung für eine funktionierende, gesunde Beziehung ist, wird gesellschaftlich generell außen vor gelassen. Vor allem junge Erwachsene sehen sich oft mit diesen Vorgaben konfrontiert und werden dadurch verunsichert. Besonders jene, die vielleicht gar keinen Bock haben oder deren sexuelle Lust an gewisse Bedingungen geknüpft ist.

Alle hatten Hunger, aber ich hatte nicht mal Appetit.

Maria Popov, Kein Bock Club (Kindle-Position 1569). Kindle-Version.

Ich habe selbst lange gedacht, dass meine Lust irgendwie mit meinen Werten und Vorstellungen verbunden ist. Wenn andere Frauen erzählt haben, welche Sänger oder Schauspieler sie hot finden, dachte ich mir immer nur: Keine Ahnung, ich kenne den Mann ja gar nicht. Irgendwann habe ich dann von Asexualität und im Zuge dessen von Demisexualität erfahren.

Eine Definition davon lautet: „Demisexualität ist eine sexuelle Orientierung. Wer sich als demisexuell identifiziert, empfindet nur sexuelles Hingezogensein zu Menschen, mit welchen sie bereits eine emotionale Beziehung haben.“ (Quelle: demisexuality.org)

Und plötzlich machte es Klick. Das erklärte, wieso ich nicht irgendwelche random Typen hot fand, nicht einfach mit dem süßen Boy auf einer Party rummachen wollte (geschweige denn konnte) oder mir Intimitäten mit Männern vorstellen konnte, die ich quasi eben erst kennengelernt hatte. Ich brauche eine emotionale Verbindung.

Ich finde es super wichtig, dass sexuelle Lust nicht der Maßstab für alles ist, nur weil es bisher so war und immer davon ausgegangen wird, dass jede Person so empfinden muss, weil es ja als „normal“ gilt. Es ist verdammt wichtig, dass alle Personen repräsentiert werden, egal ob in Literatur, Games, Filmen oder Serien.

Hätte ich Bücher wie „Kein Bock Club“ früher lesen können, hätte es bei mir nicht erst mit Anfang 30 Klick gemacht, sondern vielleicht schon viel eher. Das hätte sicherlich einiges für mich erleichtert und mir das Gefühl genommen, irgendwie nicht normal zu sein.

Dabei könnte die Friendzone ein ganz anderer Ort sein: einer, an dem Menschen auf eine Weise zueinanderfinden, die frei von Druck oder Erwartungen ist. Ein Ort, an dem Freundschaft gefeiert wird, nicht als Trostpreis, sondern als gleichwertige – manchmal sogar überlegene Form der Beziehung.
[…]
Für mich ist die Friendzone nicht das Ende von etwas, sondern der Anfang einer Beziehung, die auf echter Nähe und gegenseitigem Respekt basiert.

Maria Popov, Kein Bock Club (Kindle-Positionen 2741-2747). Kindle-Version.

Fazit: „Kein Bock Club“ ist absolut nicht nur für asexuelle Personen geeignet, sondern für alle, die sich mit sexueller Lust beschäftigen wollen, mehr erfahren möchten und eine Stütze brauchen, um mal über den eigenen Tellerrand aufzublicken, zu lernen und toleranter zu sein. Das Buch bricht mit festgefahrenen, heteronormativen Beziehungsmustern und zeigt, wie befreiend es ist, abseits dieser starren Vorgaben zu denken.

Bewertung: 5 von 5.

Kategorie: Buchtipp

Inhalt zum Aufklappen

Sexuelle Lust gilt als Maßstab für Intimität, Beziehungsqualität und persönliche Erfüllung. Doch was passiert, wenn sie ausbleibt? Wenn wir keinen Bock auf Sex haben, obwohl »eigentlich alles stimmt«? Wenn »Ich bin müde« nur eine Umschreibung für etwas ist, das wir selbst kaum benennen können?

Schon in ihrer Jugend hatte Maria Popov nie richtig Bock auf Sex mit Männern und stößt auf ein Wort, das ihr Gefühl zum ersten Mal beschreibt: Asexualität. Aber was heißt das eigentlich genau? In »Kein Bock Club« erzählt die Moderatorin von ihrer ersten Periode, missglückten Flirtversuchen, aufregenden Ohrmassagen – und von der Erleichterung, wenn man merkt: Ich bin mit all diesen Gefühlen nicht allein.

Dieses Buch ist für dich, wenn du dich fragst:

Warum wird sexuelle Unlust oft als Problem gesehen?
Wie beeinflussen gesellschaftliche Erwartungen unser Sexleben?
Wieso fühlen sich viele Menschen gezwungen, bestimmten Normen zu entsprechen?
Müssen wir wirklich alle feministische Sexgöttinnen sein?

Mit Scharfsinn und Humor deckt Maria Popov Mythen rund um Libido, Beziehungen und Sexualität auf. Sie erklärt, wie Lust funktioniert, warum sexuelle Vielfalt mehr ist als nur eine Identitätsfrage ist und was passiert, wenn wir aufhören, Lustlosigkeit als Defizit zu betrachten.

Quelle: NetGalley


Ich bin Nicci und arbeite als Freelancerin & Bloggerin. Wenn ihr meinen Content mögt, könnt ihr mich gerne über Ko-fi mit einem kleinen Geldbetrag unterstützen. Darüber freue ich mich sehr. Danke

Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin Nicci

nicci

Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

Weitere Infos zu meiner Person & Kooperationsmöglichkeiten gibt es hier.

Kontakt

bewertungskategorien

Mein Blog zum Hören:

Falls du mich mit einer kleinen Spende finanziell unterstützen möchtest:

Unser Podcast über Gaming, Bücher & Popkultur auf Spotify: