Rezension: Kerstin Ruhkieck – Without Worlds

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Die 21-jährige Clara ist eine der wenigen Überlebenden einer untergegangenen Welt. Zusammen mit dem letzten Rest der Bevölkerung lebt sie im einzigen Gebäude, das nach der großen Erderschütterung stehen blieb: ein ehemaliges Luxushotel, das einsam in den Himmel hinaufragt und von todbringenden Kreaturen umzingelt ist. Als »roter Engel« ist es ihre trostlose Aufgabe, regelmäßig das Bett mit einem ihr zugewiesenen Mann zu teilen und dessen Nachkommen auszutragen. Bis eines Tages ein neuer Überlebender zum Teil der Gemeinschaft wird und ihr Leben eine Kehrtwendung nimmt… [Quelle]

Als Kerstin in der Bloggergruppe davon berichtete, dass eine Dystopie zum Rezensieren anstünde, war ich Feuer und Flamme. Da ich Geschichten, die in postapokalyptischen Settings spielen, super gerne lese sagte ich ihr natürlich zu. Und ich wurde total überrascht, im positiven Sinne!

◊◊◊

Bereits zu Beginn war mir schnell klar, dass die dort beschriebene idyllische und ruhige Atmosphäre nicht lange verweilen würde.. und so war es auch. Recht abrupt erfolgte der Wechsel von Früher zu Heute, neun Jahre später. Das erste Kapitel empfand ich als verstörend und krass, aber auch als notwendig. Ich erhielt einen sehr detaillierten Einblick in Claras Lebenssituation und in ihren Job als Roter Engel. Bereits dort merkte ich, wie stark sie doch war, und gleichzeitig so hoffnungslos und emotional abgestumpft. Sie besitzt wenig Lebensmut und es stellte sich die Frage, wo sie ihre Kraft her nimmt.

„Das Schicksal konfrontiert einen nur mit Situationen, die man auch zu bewältigen in der Lage ist, heißt es. Man wachse an seinen Aufgaben. Ich wachse nicht. Ich schrumpfe, falle immer mehr in mich zusammen, bis ich gänzlich verschwunden bin.“

Kerstin Ruhkieck gelang es durch einen wirklich hervorragenden Schreibstil Spannung in den passenden Momenten zu erzeugen, sodass mir der Mund offen stand und ich fassungslos, schockiert oder bangend war. Auch die Beschreibungen des Settings innerhalb des Turms, sowie außerhalb in der postapokalyptischen Welt mit deren hervorgebrachten Kreaturen empfand ich als sehr gelungen.

Clara war eine sympathische, authentische Protagonistin. Sie war punktuell ziemlich naiv, aber das wusste sie. Somit empfand ich sie als sehr reflektiert. Sie meisterte zahlreiche Schicksalsschläge und dramatische Erlebnisse und wirkte dabei sehr stark, auch wenn sie sich teilweise gedanklich in die Vergangenheit und zu einer bestimmten Person flüchtete, darin schwelgte und scheinbar zunächst nicht damit abschließen konnte, oder wollte. Ihre Rolle in dem System fand ich interessant, ebenso ihre Entwicklung innerhalb dessen. Dies zeigte vor allem auf, dass es ungemütlich wird, sobald man beginnt das System zu hinterfragen. Aber gleichzeitig, dass es so wichtig ist, das zu tun und nicht auf ewig mit den aufgezwungenen Scheuklappen durch die Welt zu laufen, nur weil es erwünscht ist.

„Menschen sind eben Menschen, sie werden niemals klüger, niemals menschlicher, wenn sie es nicht wollen.“

Kian war unnahbar, distanziert aber auch traurig. Ich spürte seine innere Zerrissenheit. Auch er durchlebte im großen und ganzen eine positive, wenn auch dramatische Entwicklung.

Die Handlung war für mich nachvollziehbar. Ich habe mich sogar recht häufig dabei erwischt, wie ich auch im Alltag über die Thematik der Geschichte nachgedacht habe. Manchmal gab es Gedankensprünge, denen ich aber gut folgen konnte. Interessant fand ich die dargestellten gesellschaftlichen Krisen, ebenso den Einfluss auf die einzelnen Charaktere. Die Folgen Clara betreffend waren für mich schlüssig, auch wenn ihre Motivation punktuell ihrer Rosa-Roten-Brille entsprang. Von dem Handeln mancher Personen war ich fasziniert und gleichzeitig schockiert. Ich ekelte mich, ich hoffte, ich trauerte.

Das Ende und insbesondere der Epilog machen die Sache rund, auch wenn es für mich ein wenig zu rasant erfolgte.

Die dystopische Geschichte von Clara war nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen thematisierten Aspekte ein wahrliches Highlight. Die Beschreibungen des postapokalyptischen Settings fand ich gelungen, der Schreibstil konnte Spannung und Emotionen hervorragend projizieren. Die Charaktere waren allesamt interessant, die Identifikation mit der Protagonistin fand meinerseits problemlos statt. Insbesondere die dargestellten gesellschaftlichen Krisen mit einhergehenden menschlichen Abgründen und ausgenutzten Machtpositionen fand ich sehr interessant, ebenso gelungen integriert. Es gibt wenig Bücher, bei denen ich mir bereits zu Beginn so viele Zitate markiert habe, wie bei diesem. Without Worlds gehört für mich somit in die Kategorie Liebling.

Vielen Dank an Carlsen und NetGalley für das eBook-Rezensionsexemplar!

WEITERE REZENSENTEN

Line’s Bücherwelt || Die Buchmaid || Manjas Buchregal || Bücher Bunny

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Hier geht’s zum Buch.* Leseprobe

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12 thoughts on “Rezension: Kerstin Ruhkieck – Without Worlds

  1. Ahoy Nicci,

    mich konnte dieses Buch leider überhaupt nicht begeistern :/
    Ich fand die Protagonistin einfach nur nervig und verstörend, besonders ihre Obsession für Kian o.O

    Auch das Ende war nicht meins…Aber so unterschiedlich sind die Meinungen und Geschmäcker – und das ist gut so! 🙂

    Ich lass´ dann mal frech meinen Link und liebste Sonntagsgrüße da, Mary ❤
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2017/04/without-worlds.html

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Mary,
      ich kann deine Kritikpunkte verstehen, sehe sie aber nicht so eng 🙂 Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Die Obsession für Kian fand ich punktuell auch seltsam, aber irgendwie hat es ins Buch gepasst.
      Deine Rezension wird verlinkt. 🙂

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. Ich glaube, das wird auf meine Wunschliste wandern …
    Von Kerstin hab ich schon sehr viel gehört, aber noch nichts gelesen.
    Das mit dem roten Engel erinnert mich sehr an „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood, eine dystopische Geschichte, die ich sehr mag.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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