Rezension: Ruta Sepetys – Salz für die See

15781127_1818914265039758_7544667187649472561_n

Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt.
Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstrek den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Westen zu bringen. Doch auch dort sind sie noch lange nicht in Sicherheit.
(Quelle)

Im Rahmen der Aktion Das Jahr der Königskinder (Die Aktion findet ihr auch auf Instagram unter #JdKöKi) von Brösels Bücherregal habe ich Ende Januar mit Salz für die See begonnen. Aufgrund der bedrückenden Thematik konnte ich es jedoch nicht in einem Rutsch lesen, sodass ich es erst Anfang Februar beendete.

◊◊◊

Lange habe ich überlegt, wann und wie ich meine Gefühle und Gedanken zu diesem Buch ausdrücken soll. Ich habe auf den Zeitpunkt gewartet, der mir als geeignet erscheint. Somit werde ich nun versuchen, eine angemessene Rezension zu verfassen, zu einer Geschichte, die meiner Meinung nach jeder lesen sollte.

„Die Mutter war ein Anker. Die Mutter bedeutete Trost. Die Mutter war das Zuhause. Ein Mädchen , das die Mutter verloren hatte, glich einem winzigen Boot auf einem zornigen Ozean.“ (S. 167)

Es ging um vier Personen, die ihre dramatische Situation während des zweiten Weltkrieges schilderten. Diese wurden jeweils in der Ich-Perspektive erzählt, aber keine Sorge, man kommt nicht durcheinander. Die Kapitel sind mit den Namen gekennzeichnet, auch erfährt man direkt zu Beginn die aktuellen Umstände der einzelnen Protagonisten inklusive persönliche „Jäger“.

Bei den Protagonisten handelte es sich um die litauische Krankenschwester Joana, den deutschen Deserteur Florian, der jungen Polin Emilia und den Soldaten Alfred. Alle verfügten über verschiedene Abstammungen, und doch besaßen sie alle einen gemeinsamen Nenner: Ungewissheit. Auch trugen alle ein Geheimnis mit sich. Vor allem aber hatten Joana und Florian viel mehr gemeinsam, als man zunächst annehmen würde. Sie kämpften und hofften beide für ihre Familie und zeigten sich dabei unerschöpflich. Außer der genannten Personen gab es ein paar wichtige Nebencharaktere, allen voran der Schuh-Poet. Er gehörte zu meinen Favoriten der Geschichte, er war wahrlich ein Poet. Durch seine passenden, teilweise sehr erfrischenden Äußerungen und seine interessante Weltsicht war er mir auf Anhieb sehr sympathisch. Der kleine Klaus war hingegen der kindliche Lichtblick für mich. Auch Eva mochte ich sehr gerne. Sie war unfassbar ehrlich, direkt und schlagfertig. Sie fand immer die richtigen Worte. Schlussendlich war aber Emilia meine Heldin. Sie war unglaublich stark und reflektiert. Alfred fand ich sehr unsympathisch. Seine Erzählweise trat hauptsächlich in Briefform an seine Hannelore auf. Er verfügte über keinerlei Empathievermögen und Situationsüberblick. Das Brett vor seinem Kopf war gebaut aus Egoismus und Arroganz, anteilig aus dümmlicher Naivität.

Es gab einige Wendungen, die meistens für Dynamik innerhalb der Gruppe sorgten (wer mit wem inwiefern zu tun hatte möchte ich an dieser Stelle nicht verraten) und oftmals gravierende Auswirkungen hatten. Ein zentraler Aspekt, der gleichzeitig Angst aber auch Hoffnung machte, war die Liebe, auf verschiedenen Ebenen – freundschaftlich, partnerschaftlich, familiär.
Je rasanter die Handlung, desto kürzer wurden die Kapitel, die übrigens grundsätzlich schon nur aus 1-4 Seiten bestanden. Zum Ende hin erfuhr man teilweise nur einen Satz pro Seite, pro Erzähler.

„Immer, wenn man glaubt, der Krieg hätte einem alles genommen, was man liebt, begegnet man jemandem, der einem zeigt, dass man doch noch etwas zu geben hat.“ (S. 333)

Gelungen fand ich insbesondere den Vergleich der betroffenen Gebiete durch zwei dargestellte Karten auf der Innenseite des Einbands von 1945 und Heute.
Beeindruckt haben mich vor allem auch das Nachwort sowie das Recherche- und Quellenverzeichnis. Dort wird nochmal deutlich, was dazu führte, dass Sepetys dieses Buch schrieb und wie vielfältig und aufwendig ihre Recherche ausfiel.

Bereits zu Beginn äußerte ich, dass ich die literarisch wirklich gelungene Darstellung der Thematik als bedrückend empfand. Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, diesen Buchschatz entdeckt zu haben. Meiner Meinung nach ist das Thema auch heute noch präsent und die Auseinandersetzung damit sehr wichtig. Die beschriebene punktuelle Grausamkeit einzelner Personen, die nahezu kontinuierlich bestehende Tragik und die thematisierten fanatischen Ideen führten dazu, dass ich das Buch zwischendurch zur Seite legen musste. Der emotionale und schonungslos ehrliche Schreibstil, der oftmals nicht viele Worte brauchte, sorgte dafür, dass ich völlig gefesselt war. Salz für die See gehört definitiv zu meinen Lieblingen.

 

Weitere Rezensenten

Die Liebe zu den Büchern || Who is Kafka? || AstroLibrium

◊◊◊

Hier geht’s zum Buch.*  |  Leseprobe

*Hier handelt es sich um einen Affiliate-Link: wenn du etwas auf der Carlsen-Website anhand meines hinterlegten Links kaufst, unterstützt du meine Arbeit, ohne dass es dich mehr kostet. Dafür danke ich dir.

11 Gedanken zu “Rezension: Ruta Sepetys – Salz für die See

  1. Jill von Letterheart schreibt:

    Eine sehr schöne und mitreißende Rezension!
    Ich warte ja schon lange gespannt auf deine Meinung dazu, weil ich bei deinen Beiträgen immer verfolgen konnte, wie „lange“ dich dieses Buch schon beschäftigt- begeistert, aber auch inhaltlich zu schwer ist, um es in einem Schwung zu lesen.
    Mich hat es auf jeden Fall sehr neugierig gemacht, so dass ich es mir auch mal auf meine Wunschliste packen werde 😉

    PS: deine neue Bloggestaltung gefällt mir unglaublich gut und auch auf deiner Seite „Zitatetrallafitti“ schmöker ich sehr gerne❤

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s