Rezension: Mick Herron – Slow Horses

Abservierte M15-Agenten werden in das Slough House versetzt, um dort Müllsäcke zu durchsuchen und Telefonate zu überwachen. Doch River Cartwright ist es leid, denn eigentlich kann er mehr. Er hat einen Fehler gemacht, doch jeder hat eine zweite Chance verdient. Oder?


Meine Meinung

Als das Buch auf der Leipziger Buchmesse vom Verlag angekündigt wurde, war ich neugierig. Alleine die Tatsache, dass ausgemusterte Agenten als Slow Horses bezeichnet werden und sie unbedeutende Aufgaben erledigen müssen, fand ich spannend, sodass ich mehr über sie erfahren wollte.

Sie sind schlau.
Sie sind ehrgeizig.
Und sie haben versagt.
(Buchrückseite)

Das beschreibt den Inhalt der Geschichte gut, denn bei den Protagonisten handelt es sich größtenteils um Agenten, die einen Fehler begangen haben, der dazu geführt hat, dass sie aussortiert und ins so genannte Slough House versetzt werden, damit man sie nicht kündigen muss. Manch einer hat ein wichtiges Dokument in der Bahn liegen lassen, ein anderer hat eine Zielperson verwechselt. Alle haben eine Gemeinsamkeit: sie durften nicht bleiben, wo sie waren. So sammelt sich also eine Gruppe verschiedenster Charaktere, teils skurril, teils unsicher, teils überzeugt, teils zweifelnd.

Die zahlreichen Charaktere werden zunächst nach und nach ins Geschehen eingebracht, sodass man sie kennenlernen kann. Für mich war es im Mittelteil dann aber punktuell schwer, sie auseinander zu halten. Interessant war aber, wie die einzelnen Stränge später alle zusammenliefen. Zu erfahren, was die einzelnen Personen ausmacht, was sie miteinander zu tun haben bzw. hatten und eventuell haben werden. Die Handlung verläuft zunächst relativ ruhig, gespickt mit witzigen Dialogen. Es gibt zahlreiche Krimi-Elemente, sodass nicht immer klar ist, was genau geschehen ist, wer böse, wer gute Absichten hat. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist eine Entführung, die die Grundlage für alle Charaktere und deren Handlungen bildet. Anhand dessen stellen sich einzelne Rollen und Aufgaben heraus. Es gibt Charaktere, die mir suspekt waren, aber auch welche, die mich überraschen konnten, allen voran Catherine. Aber auch Protagonist River konnte mich für sich gewinnen. Am interessantesten und coolsten fand ich persönlich jedoch Jackson Lamb als Chef der Slow Horses. Mit seiner direkten, unangepassten, sarkastischen Art konnte er mich begeistern, denn er zog sein Ding durch und es war ihm egal, was andere davon hielten. Auch Sid Baker gefiel mir richtig gut, vor allem ihre scharfzüngigen Reaktionen.

„Klar, natürlich. Ich habe mich nur … konzentriert.“
„Alles klar. Den Computer einzuschalten ist ganz schön komplex. Ich verstehe, dass das deine volle Aufmerksamkeit erfordert.“
(Slow Horses, S. 144)

Ein Highlight waren für mich die Anspielungen auf die Harry Potter Romane. Generell bin ich immer Feuer & Flamme, wenn einzelne Aspekte aus bekannten Büchern, Filmen etc. in anderen Medien genannt werden. Gelungen fand ich, dass in diesem Buch deutlich wird, dass es in solchen Fällen nicht ohne Zusammenarbeit geht. Alles steht und fällt mit dem Team – denn einer alleine kann nicht viel erwirken, aber zusammen ist man fast unschlagbar. So verschieden man auch ist, jeder besitzt seine Stärken – die sich bei einigen erst später herausstellen – auch wenn man ein lahmer Gaul ist. Von der Gesellschaft und den Vorgesetzten ausgemustert, vom neuen Team geschätzt.

Im Mittelteil der Geschichte gab es für mich ein paar Längen, in denen nicht viel passiert ist. Dort wurden die korrupten Systeme in der Stadt geschildert, was dennoch recht interessant zu erfahren und sicherlich wichtig für die Handlung war. Zum Ende hin nahm das Ganze nochmal ordentlich an Fahrt auf und ich war wieder so richtig drin – und kam auch nicht mehr weg. Die letzten Kapitel rasten nur an mir vorbei, es machte unfassbar viel Spaß, mit zu rätseln und die Charaktere auf ihrer Mission zu begleiten. Das Ende stimmte mich mehr als zufrieden und es fiel mir fast ein bisschen schwer, diese faszinierenden Personen gehen zu lassen.

Fazit

Slow Horses ist ein gelungener Auftakt, der mit großartigem Humor, Sarkasmus und scharfzüngigen Dialogen überzeugt. Trotz mancher Längen konnte mich der spannende Handlungsverlauf mitreißen, was vor allem an den faszinierenden Charakteren lag.

Kategorie: Buchtipp

Slow Horses Am Seil Diogenes

Weitere Meinungen

Slow Horses ist ein ausgesprochen unterhaltsamer Roman, der viel Spannung, typisch britischen Humor und einen interessanten Einblick in Verschwörungstheorien und das Agentenleben bietet.Sarah Ricchizzi

Insgesamt lebt der Roman hauptsächlich von den eigenwilligen Figuren, die Herron interessant und überzeugend geschaffen hat und die mit viel Cleverness, aber ohne Zufälle, die Verschwörung aufdecken. Ein überzeugender Auftakt, der auch in den weitern Bänden viel Spannung verspricht.Miss Mesmerized


Infos zum Buch

Inhalt„River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef. – Quelle

Mick Herron | Slow Horses | übersetzt von: Stefanie Schäfer | 480 Seiten | 24€ | 29.08.2018 |  Diogenes Verlag | Rezensionsexemplar* | Amazon**

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar*. Der Beitrag enthält Werbung durch Links, ohne Auftrag.

2 Antworten auf „Rezension: Mick Herron – Slow Horses

  1. Pingback: Rezension: Slow Horses. Ein Fall für Jackson Lamb / Mick Herron – Letterheart

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