Rezension: Jenna Strack – Splitterleben

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Wenn ich mich an einen speziellen Moment erinnern soll, in dem mein bisheriges Leben einen Riss bekam und die ersten Splitter meine Wahrnehmung streiften, dann war es wohl der Abend, an dem ich nieste und hoffte, es wäre nichts Schlimmes. Doch irgendetwas in mir wusste es bereits: dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.

Die Welt der siebzehnjährigen Mia scheint zu zersplittern, als sie kurz nach einem Sportwettkampf erfährt, dass sie unter einer unheilbaren Krankheit leidet. Von einem Moment auf den anderen scheinen ihre jungen Träume unerreichbar; die so hart erkämpfte Sportlerkarriere, das Wunschstudium und auch ihre erste große Liebe rücken in weite Ferne. Doch während sie sich Tag für Tag erneut dem Kampf gegen ihren eigenen Körper stellt, erkennt sie, was wirklich zählt im Leben: jeden schönen Moment zu genießen und aus den vorhandenen Splittern etwas neues zusammenzusetzen. (Quelle)

Als Jenna Strack neulich Blogger für ihre besondere Blogtour gesucht hat, war ich neugierig. Das Cover fand ich interessant, doch der Klappentext sorgte dann schlussendlich dafür, dass ich zusagte.

◊◊◊

Die optische Gestaltung fand ich sehr gelungen. Das Cover ist eher unbunt, aber trotzdem nicht wirklich schlicht. Es wirkte durch das Mädchen und dessen Pose träumerisch schön, durch die Splitter aber auch unruhig, zerstörerisch. Jetzt, wo ich die Geschichte kenne, kann ich sagen, dass es hervorragend passt. Denn sie ist, ähnlich wie das Cover, traurig schön, zerbrechlich, voller Splitter. Auch die Kapitelgestaltung mit Liedzeilen aus der zu Beginn dargestellten Playlist und der kleinen Traumfängergrafik fand ich wirklich schön.

Die Protagonistin Mia war mir im Verlauf sehr sympathisch. Zu Beginn hätte ich sie gerne geschüttelt. Sie war so verbissen, so unreflektiert. Aber auch stark und einsam. Mia nahm nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sie der Hauptcharakter in der Geschichte war, eine wahnsinnig große Rolle ein. Ihr Verhalten, ihre Monologe sorgten dafür, dass ich auch außerhalb des Lesens über sie nachgedacht habe. Über sie, ihr Leben, ihre Entwicklung. Auch jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, ist ihre Geschichte weiterhin sehr präsent. Zwischendurch tat sie mir ob ihrer Einsamkeit und ihrer inneren Wut sehr leid.

„Plötzlich habe ich das Gefühl, dass ich nirgends mehr sicher bin. Nicht mal in meinem eigenen Körper.“

Jenna Strack hat eine hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich erfuhr auf eine verständliche Art und Weise viele Details über Mias Krankheit, selbst dann, wo gar nicht klar war, dass sie dazugehörten. Auch sorgten die Thematik und Stracks sehr gelungener und spannender Schreibstil dafür, dass ich mich selber über die beschriebene Krankheit informierte.

Die anderen Charaktere fand ich größtenteils unsympathisch. Ihre „Freunde“ waren unfassbar engstirnig und unempathisch. Wer solche Freunde hat braucht definitiv keine Feinde mehr. Auch ihre Familie zeigte sich eher distanziert, die Beziehung wirkte sehr kühl, nahezu nicht vorhanden. Die emotionale Ebene fehlte gänzlich. Auch war die Familie wenig präsent, es gab insgesamt 3-4 knappe Auftritte innerhalb der ganzen Geschichte, was ich sehr traurig und bezeichnend fand. Für mich wirkte es besonders in der ersten Hälfte wie ein konstruiertes Horrorumfeld mit zahlreichen Negativklischees. Punktuell empfand ich dies als zu überladen. Umso schöner fand ich dann den Moment, als Samu und Anh in Mias Leben traten, wenn auch durch eher negative Umstände. Ich atmete regelrecht auf. Anh war meine Heldin in der Geschichte. Trotz Krankheit war sie wahnsinnig lebensfroh und positiv, aber auch ironisch und sarkastisch. Schön fand ich, dass sie Mia den Kopf waschen und sie langfristig beeinflussen und prägen konnte. Samu fand ich toll. Er ist natürlich kein Badboy, aber auch kein Wischiwaschi-Weichling. Er ist einfach freundlich, hilfsbereit und ehrlich. Und das ist auch gut so.

„Ach, dann bist du auch krank?“, fragte Nele unnötigerweise.
„Nein, ich wohne nur hier, weil meine Eltern sich die Studiengebühren für Hogwarts nicht leisten können“

Ob es ein Happy End gab möchte ich an dieser Stelle nicht sagen. Eigentlich kann ich es sogar gar nicht sagen, ich denke es liegt im Auge des Betrachters. Für mich war es traurig schön, aber vor allem passend. Beim Epilog habe ich ein paar Tränchen verdrückt.

Die Geschichte gefiel mir mit seiner besonderen Thematik insgesamt ziemlich gut. Der gelungene und spannende Schreibstil sorgte dafür, dass ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, mit dem Gedanken nur mal kurz rein zu lesen und es erst nach 60% wieder zur Seite legte, um eine kleine Pause zu machen. Die Protagonistin punktete durch jugendliche Authentizität. Teilweise war die Handlung jedoch recht vorhersehbar. Besonders schön fand ich den emotionalen Epilog, der reflektierende und poetische Thesen des Lebens beinhaltete.  Splitterleben gehört für mich in die Kategorie Buchtipp.

Vielen Dank an Jenna Strack für das Rezensionsexemplar!

Weitere Rezensenten

Lovelyceska || Umivankebookie || Stellette Reads || Plentylife || Sarah Ricchizzi

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Hier geht’s zum Buch.

13 Kommentare zu „Rezension: Jenna Strack – Splitterleben

  1. Hey Nicci,
    nun habe ich Splitterleben auch zu Ende gelesen und kann deine Meinung vollkommen teilen 🙂
    Ich liebe das Hogwarts-Zitat, es ist so cool!
    Obwohl ich selbst einige Zeit im Krankenhaus gearbeitet habe, wurde ich zuvor mit dieser Krankheit nicht konfrontiert. Es schockiert mich, wie intensiv sie sich schließlich doch auf die Erkrankten auswirkt. Es verdeutlicht nur noch mehr, wie sehr wir auf unser Umfeld achten müssen. Der Roman hat mich wirklich sehr berührt, vor allem durch die authentische Darstellung: Nichts wurde beschönigt.

    Alles Liebe,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Sarah,
      jaaa, das fand ich auch mega cool 🙂 ❤ Ich liebe es generell, wenn so tolle Bücher in anderen Büchern vorkommen.
      Ich habe auch noch nie etwas von dieser Krankheit gehört vorher. Aber für mich war es nochmal wichtig zu erfahren, dass es noch mehr gibt als Krankheiten, die man auch optisch sieht. Dieses "Was hast du denn? Du siehst doch gesund aus?" finde ich total nervig und anmaßend.
      So ist es, das fand ich auch sehr gelungen.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Ouh ja, anmaßend ist es allemal. Überhaupt jemandem weismachen zu wollen, dass man besser wisse, wie es demjenigen geht… das liegt jetzt nicht nur an körperlichen, sondern auch seelischen Krankheiten. Depressionen etc. sieht man einem schließlich auch nicht (immer) unbedingt an und trotzdem sind sie überall zu Häuf vorhanden.
        Super interessant auf jeden Fall in diesem Krankheitsbild einen Einblick bekommen zu haben.

        Gefällt 1 Person

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