Blogtour: Wofür kämpfst du?

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Hallo Büchermenschen.

In den letzten Tagen konntet ihr bereits einige Beiträge zum Thema Wofür kämpfst du? im Rahmen der Blogtour zu Jenna Stracks neuem Buch Splitterleben lesen. Und heute bin ich an der Reihe, meine Gedanken dazu zu thematisieren.

◊◊◊

Wofür habe ich gekämpft?

Tagelang habe ich überlegt, welch bahnbrechende und höchst dramatische Ereignisse ich euch aus meinem Leben präsentieren könnte. Da mir kein Hauptaspekt eingefallen ist, habe ich mich dazu entschieden, es eher ein wenig allgemein zu halten. Ich habe bewusst die Form des Erzählers in der dritten Person gewählt, um Distanz zu schaffen und allgemein bleiben zu können.

Den Anfang machte eine 12 jährige Nicci, die aufgrund eines familiären Ereignisses in eine andere Stadt ziehen musste. Der Umzug in ein neues Umfeld ging einher mit einer neuen Schule, neuen Menschen, neuen Umständen. Und das in einer recht kritischen Phase im Leben – die Pubertät (denkt euch an dieser Stelle eine musikalische Untermalung wie in einem Horrorfilm, wenn der Axtmörder in der dunklen Zimmerecke auftaucht).

Darauf folgte eine 17 jährige Nicci, die die Idee hatte, bereits groß zu sein und demnach ganz alleine klarkommen zu können. Doch sie kämpfte nicht gegen Eltern, Lehrer und Co., wie sie damals annahm. Sondern in erster Linie gegen sich selbst. Schnell wurde deutlich, dass ihr Kampf gegen das soziale und gesellschaftliche System primär Folgen für ihr eigenes Leben hatte. Die Lehrer würden sich eh nicht mehr lange an sie erinnern, und die Eltern können heute vermutlich nur noch müde darüber lächeln.

Mit 20 kämpfte sie dann gegen pädagogische Erziehungsstile & Maßnahmen, ebenso gegen Nervensysteme und Ökosysteme. Zum Glück nur auf dem Papier. Und entgegen zahlreicher vorhergegangener Stimmen schaffte sie ihr Abitur mit einer recht ansehnlichen Note. Doch was jetzt?

Noch immer 20 Jahre alt kämpfte Nicci mit (mal wieder) gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Wünschen. Und auch (mal wieder) mit sich selbst. Sie wollte Soziale Arbeit studieren, bewarb sich an mehreren Fachhochschulen, doch sie bekam nur Absagen. Dafür hatte sie doch aber schließlich ihr Abitur gemacht? Gut, dann halt erstmal Jobben.

Mit 21 Jahren begann sie dann ein dreimonatiges Praktikum in einer Psychiatrie. Für das Studium, natürlich. Als Vorbereitung. Und um Punkte zu sammeln. Dort kämpfte sie mit den ersten beruflichen Anforderungen ihres Lebens. Schichtdienst, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. Auch war das Team sehr speziell. Wie sollte sie das nur überstehen? Aber das machte nichts, denn die Zeit war absehbar.

Nach 1-2 Monaten wurde sie gefragt, wieso sie nicht einfach ein Freiwilliges Soziales Jahr mache. Da würde sie wenigstens ein bisschen Geld verdienen und hätte schon ein Jahr Berufserfahrung gesammelt. Sie wog Vor- und Nachteile ab und bewarb sich beim Deutschen Roten Kreuz für ein FSJ. Sehr schnell bekam sie eine Zusage und konnte somit einfach in der Klinik weiterarbeiten, ebenfalls auf der gleichen Station. Nach einiger Zeit hatte sie sich gut integriert, hatte gelernt sich durchzusetzen und weitestgehend zu einer Respektperson für die Patienten zu werden. Das war gar nicht so einfach, da diese nur wenige Jahre jünger waren als Nicci damals.

Immerzu dachte sie daran, bald studieren zu können. Schließlich habe sie gekämpft und sicherlich viele Punkte für die Zulassung sammeln können. Nach einigen Monaten merkte sie, dass ihr die Arbeit richtig gut gefiel. Sie interessierte sich für verschiedene Krankheitsbilder, informierte sich. Sie fragte sich immer mehr, was sie denn als Sozialarbeiterin machen könnte… Denn in der Klinik würde sie nicht als diese eingestellt. Doch genau das wollte sie. Sie wollte mit Menschen arbeiten, mit ihnen den Alltag bestreiten, sie betreuen, versorgen und sich aktiv auseinandersetzen. Sie wollte ein Teil des Prozesses sein.

„Wieso machst du nicht einfach die Ausbildung zur Erzieherin? Auf dem Gelände gibt’s doch das LWL Berufskolleg. Man arbeitet sogar währenddessen und hat nur alle zwei Wochen Schulunterricht.“

sagte jemand zu ihr. Und somit öffnete sich eine ganz andere Tür, durch die Nicci schlussendlich ging.

◊◊◊

Ich glaube, jeder Mensch fechtet im Laufe seines Lebens kleine oder große Kämpfe aus. In den jeweiligen Situationen mögen sie riesengroß vorkommen, später kann man vielleicht drüber lachen. Andere Kämpfe sind klein, aber nicht unbedeutend. Und sie haben alle etwas gemeinsam: hat man sie erst bewältigt, ist man stolz. Und irgendwie führen sie uns alle dahin, wo wir heute sind. Vielleicht wären wir gar nicht zu dem geworden, worauf wir heute stolz sind. Vielleicht hätten wir die Menschen, die heute Teil unseres Lebens sind, erst gar nicht kennengelernt. Vielleicht sind wir sogar froh, dass manche Menschen aus dem Leben gestrichen wurden.

Ich bin froh, bisherige kleine und große Kämpfe gut bestritten zu haben. Mir ist es wichtig, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass jeder Tag wertvoll ist und man auf sich Acht geben sollte. Ich habe nur das eine Leben und ich möchte irgendwann sagen können, dass es so wie ich es gelebt habe, gut & zufriedenstellend war. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob es in Ordnung war, das Stück Schokolade gegessen zu haben. Ob es okay war, den Tag faul auf der Couch verbracht zu haben. Ob ich mir die Schuhe, die Bücher oder die Tasche wirklich einfach mal so gönnen durfte. Why not?

„Es kommt vor, dass man zielstrebig auf eine Tür zu rennt und einem erst klar wird, dass es die falsche ist, wenn man den Türknauf herunterdrückt und sie verschlossen ist. Man darf eine Tür nicht gewaltsam aufbrechen, nur weil man ursprünglich geplant hatte, hindurch zu gehen. Stattdessen sollte man sich einfach eine neue Tür suchen. Meistens verbirgt sich dahinter etwas noch viel Besseres.“ (Jenna Strack – Splitterleben)

◊◊◊

Zum Buch

Prolog

Tag 44
meines zersplitterten Lebens

Kennst du das, wenn die Welt sich nicht mehr dreht und wenn sie
Kennst du das, wenn sie einfach plötzlich steht und wenn sie
Kennst du das und du läufst und läufst und läufst und kommst nicht an
Aus Mias Playlist:

LEA – Kennst du das

Wenn man nicht weiß, was einen erwarten wird, wenn man das nächste Mal wieder zu sich kommt, dann geht einem so einiges durch den Kopf; bei mir fühlt es sich ein bisschen an wie ein Abschied von meinem alten Leben.
Ein kleiner Tod, den ich nicht zu sterben bereit bin.
Noch nicht.

Meine Rezension findet ihr HIER.

Hier geht’s zum Buch.

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Tourdaten

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Gewinnspiel

Um für ein eBook von Splitterleben und ein Goodieset in den Lostopf zu hüpfen beantwortet bitte folgende Frage in den Kommentaren:

Wofür hast Du gekämpft?

Die Antwort muss natürlich weder super ausführlich noch total persönlich sein. Es ist außerdem egal, ob es ein kleiner oder großer Kampf war, woran misst man das schon? Zumal er in der jeweiligen Situation womöglich groß genug war, als dass er in irgendeiner Form Einfluss auf ein Leben nahm.

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Teilnahmebedingungen:
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb von Deutschland, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen. Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich. Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an den Autor im Gewinnfall übersendet werden und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf. Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen. Das Gewinnspiel endet am 01.04.2017 um 23:59 Uhr.

◊◊◊

Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Jenna Strack.

Autorenseite || Infos zur Tour ||  Amazonlink zum Buch

Ich hoffe, ihr seid neugierig auf das Buch geworden. Allen potentiellen Lesern wünsche ich schöne Lesestunden und natürlich weiterhin auf dieser besonderen Blogtour!

Eure
schrift

25 Kommentare zu „Blogtour: Wofür kämpfst du?

  1. Ein schöner Beitrag und ich freu mich für dich,dass du das erreicht hast,wofür du auch gekämpft hast.🤗

    Wofür ich Kämpfe?Einfach dafür das ich mein Leben so gestalte,dass wenn ich alt und grau bin, ich darauf zurückblicken kann ohne etwas  bereuen zu müssen nicht getan zu haben.

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist wirklich ein schön geschriebener und sehr ehrlicher Beitrag! 🙂
    Momentan kämpfe ich mit den letzten Teilen meines Studiums. Die begeistern mich leider so gar nicht und den Sinn dahinter sehe ich leider auch schon länger nicht mehr, aber da ich für meinen Berufswunsch (Lehrerin) nunmal unbedingt studieren muss, werde ich das auch noch überstehen 🙂 Die Arbeit mit den Jugendlichen und das Unterrichten macht mit einfach zu viel Freude, da werden die letzten Prüfungen auch noch irgendwie klappen 😀 Augen zu und durch 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Nicci, vielen Dank für deinen tollen Beitrag! Ich glaube, dass viele Menschen einem Beruf nur nachgehen, weil sie es sich irgendwann mal vorgenommen hatten – und dabei nicht auf ihr Herz hören, das ihnen etwas anderes sagt. Deshalb finde ich es schön, dass du von deinem Plan abgewichen bist, gekämpft hast und statt des Studiums die Ausbildung gewählt hast, die dir jetzt einen tollen Job beschert hat 🙂

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  4. Ach Liebes…das liest sich so schön!

    Mir ging es ähnlich, ich habe 2012 angefangen dafür zu kämpfen, dass ich meine Erzieherin Ausbildung machen kann! 12 Jahre war ich davor in einem Beruf der mir keinen Spaß gemacht hat.

    Jetzt bin ich im Anerkennungsjahr und auch wenn es teilweise echt schwer war, bin ich froh nie aufgegeben zu haben. 💗

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  5. Das ist ein unglaublich schön geschriebener und bewegender Beitrag. Er bringt zum Nachdenken und hat mich wirklich berührt. Ich hoffe für dich, dass der Weg den du jetzt eingeschlafen hast ein erfolgreicher wird und vor allem viel Spaß dabei hast. ❤ ich möchte heute auch mal mein Glück versuchen. Wofür ich kämpfe? Aktuell für einen Umzug in den Norden Deutschlands. 🙃

    Gefällt 2 Personen

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