Rezension: Philip Reeve – Mortal Engines 1

In einer postapokalyptischen Zukunft gibt es fahrende Städte, die Jagd aufeinander machen, denn sie wollen überleben. Eine Geschichte voller Kopfgeldjäger, verschiedener Kulturen, die aufeinander treffen, Luftschiffe, Aeronauten und mitten drin ein paar Jugendliche, die völlig verschieden sind, aber grundsätzlich ähnliche Absichten haben.


Meine Meinung

Schon als der Titel vom Verlag per Mail angekündigt wurde, war ich super neugierig auf die Geschichte und ließ mich für ein Rezensionsexemplar vormerken, welches ich dann auch erhalten habe – vielen Dank dafür. Gemeinsam mit Jill habe ich den Auftakt der Sci-Fi Reihe gelesen, die übrigens verfilmt wird und im Dezember in die Kinos kommt.

Es war ein dunkler, böiger Nachmittag im Frühling, und im ausgetrockneten Bett der Nordsee eröffnete London die Jagd auf die Schürferstadt.
(Mortal Engines, S. 9)

Die ersten Sätze zogen mich automatisch in den Bann – ausgetrocknete Nordsee? Jagd auf eine Stadt? Ich musste unbedingt erfahren, was es damit auf sich hat. Und ich kann euch sagen, dass ich die Idee unfassbar gelungen finde. Die Städte in der postapokalyptischen Zukunft müssen durch das Ödland, hier Außenlande genannt, fahren, um Nahrung zu suchen – Nahrung bedeutet in diesem Fall Teile anderer Städte. Das Setting ist zu Beginn London, eine der größeren Städte die in verschiedene Schichten geteilt ist, oben an der Spitze die wohlhabenden, danach die Mittelschicht, unten die Unterschicht, die Kriminellen im Gefängnis und die Arbeiter für die eher minderen Aufgaben. Die Idee der räumlichen Klasseneinteilung fand ich gut umgesetzt, so wurde der Unterschied erst recht deutlich und sorgte für ein beklemmendes, unangenehmes Gefühl. Neben fahrenden Städten gibt es auch Luftschiffe, inklusive Luftpiraten, und einzelne Städte, die sich im Außenland eingerichtet haben und hoffen, dass sie dort überleben können, ohne weiter zu ziehen. Besonders cool fand ich die Antitraktionsfront, eine Rebellengruppe, die gegen die Traktion, also gegen das Umherfahren und Bekämpfen der Städte ist. Einzelne Aspekte erinnerten mich an Star Wars, was ich ziemlich cool fand.

Die Charaktere waren vielseitig und sehr unterschiedlich, alleine bezüglich ihres gesellschaftlichen Standes. Sie hatten alle ihr Päckchen zu tragen und waren alles andere als heldenhaft. Sie trafen falsche Entscheidungen, wurden von Emotionen geleitet und scheiterten. Zu viel möchte ich nicht verraten, schließlich ist es am interessantesten, die einzelnen Figuren und ihre Eigenschaften selbst kennenzulernen. Der Protagonist Tom besaß seiner Stadt London gegenüber ein großes Maß an Loyalität, welches er nur schwer ablegen konnte, selbst als er erfahren musste, dass der Schein trügt. Katharine, als Mitglied der oberen Schicht, besaß eine wichtige Rolle in dem ganzen Geschehen, vor allem aber war sie ein wichtiges Bindeglied zwischen reich und arm. Sie war unglaublich mutig, neugierig und selbstlos, sie hinterfragte, reflektiere und traf Entscheidungen, I love her. Mein Liebling war Hester, die aufgrund eines dramatischen Ereignisses in der Vergangenheit auf Rache aus war und eigentlich eine Gegenspielerin von Tom war. Wieso eigentlich? Das müsst ihr natürlich selbst herausfinden – es lohnt sich. Auch die böswilligen Charaktere waren meiner Meinung nach toll dargestellt, da sie in mir viele negative Emotionen auslösten. Interessant war, dass nich jeder davon ausschließlich böse war, manch einer machte eine wichtige Entwicklung durch. Charaktere, die mir zu Beginn suspekt waren, konnten mich wiederum zum Schluss positiv überraschen.

Die Integration gesellschaftlicher Themen und Probleme fand ich gelungen, ebenso die Darstellung von angepasster Gesellschaft gegen die Rebellion und die Entwicklung davon, die Einfluss auf einzelne Charaktere und Handlungen hatte. Es war spannend zu erfahren, was bestimmte Entscheidungen des (oberen) Systems für Auswirkungen auf die Einstellung einzelner Bewohner hatten sowie zu sehen, welche Konsequenzen dies für alle hatte – obere wie untere Schicht, niemand blieb davon verschont, niemand konnte sich zurück nehmen, jeder musste irgendwie handeln, Entscheidungen treffen, Gewohntes aufgehoben, Neues dazu gewinnen. Zentrale Aspekte davon waren demnach natürlich Zusammenhalt, Freundschaft und Selbstlosigkeit.

Der Verlauf der Geschichte war durchgehend spannend, aber nicht zu aufdringlich, zwischendurch gab es Momente, in denen man als Leser verschnaufen und das erlebte verarbeiten kann. Zwischendurch gab es ein paar sehr dramatische, schockierende Situationen, meiner Meinung nach wurden die meisten davon jedoch recht knapp und distanziert dargestellt, wenig emotional. Zwar sorgten sie dafür, dass ich mitfühlen konnte, aber manches wirkte dadurch ein wenig unauthentisch. Dies ist aufgrund der Tatsache, dass ich ansonsten total begeistert bin, aber nur ein kleiner Mini-Kritikpunkt.

Ich freue mich unendlich doll auf die Fortsetzung, die bereits Ende des Monats in der neuen Aufmachung im Fischer Verlag erscheint. Der Abschluss des ersten Bandes stimmte mich zufrieden, auch wenn einige Fragen offen geblieben sind. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit den Charakteren weiter geht, was die Städte erwarten wird und was in den Außenlanden passieren wird, denn die Reihe besteht aus vier Bänden. Auch auf den Film freue ich mich sehr, ich kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte ein großartiges Kinoerlebnis ist.

Traktion ist Leben.
(Mortal Engines, S. 307)

Fazit

Mortal Engines konnte mich vor allem mit dem interessanten Setting in einer postapokalyptischen Zukunft begeistern. Auch die vielseitigen, authentischen Charaktere gefielen mir gut, vor allem aber die Entwicklung einzelner, welche primär durch Entscheidungen des Systems und entstehende moralische Fragen angeregt wurde.

Kategorie: Liebling

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Weitere Meinungen

Mit Mortal Engines – Krieg der Städte schafft der britische Autor Philip Reeve einen überaus gelungenen Einstieg für sein in der fernen Zukunft angesiedeltes, postapokalyptisches Steampunk-Abenteuer, das gleichermaßen mit einer packenden, berührenden und überraschenden Geschichte zu punkten weiß sowie einem durchdachten wie einfallsreichen Worldbuilding.Medienjournal Blog

Insgesamt gibt es viel Abwechslung, interessante Kulissen, einen spannenden Hintergrund und eine treffende Entwicklung der Charaktere, aber alles nicht ganz so ausgereift, wie ich es erwartet hatte.Weltenwanderer

Diese Geschichte bietet ein atemberaubendes Setting und interessante, wenn auch teilweise sehr oberflächlich gestaltete Charaktere. An der einen oder anderen Stelle haben mir leider die Emotionen gefehlt, dennoch kann ich jedem nur raten, sich an diesem Buch zu versuchen!Letterheart


Infos zum Buch

Inhalt: „Niemand hatte mit einem Attentat gerechnet. Als das Mädchen mit dem Tuch vor dem Gesicht ein Messer zückt, um den Obersten Historiker Londons, Thaddeus Valentine, umzubringen, kann ihm der junge Gehilfe Tom in letzter Sekunde das Leben retten. Er verfolgt das Mädchen, das jedoch durch einen Entsorgungsschacht in die Außenlande entkommt. Dass Valentine, statt seinem Retter zu danken, den Jungen gleich mit hinausstößt, konnte ebenfalls beim besten Willen keiner ahnen …
Damit beginnt Toms abenteuerliche Odyssee durch die Großen Jagdgründe zurück nach London. Begleitet wird er von der unbeirrbaren Hester Shaw, die fest entschlossen ist, den Mord an ihren Eltern zu rächen. Sie treffen auf Sklavenhändler und Piraten, werden von einem halbmenschlichen Kopfgeldjäger verfolgt und von einer Aeronautin namens Anna Fang gerettet. Und all das, während Valentine plant, mittels einer Superwaffe aus dem Sechzig-Minuten-Krieg die Feinde der fahrenden Städte zu vernichten …“ – Quelle

Philip Reeve | Mortal Engines | übersetzt von: Gesine Schröder, Nadine Püschel | 336 Seiten | 12€ | 24.10.2018 |  Fischer Verlag | Rezensionsexemplar* | zum Buch

Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar*. Der Beitrag enthält Werbung durch Links, ohne Auftrag.

5 Antworten auf „Rezension: Philip Reeve – Mortal Engines 1

  1. Pingback: Monatstrallafitti November – Trallafittibooks

  2. annafuchsia

    Ach Nicci ♥
    Du schreibst mir aus der Seele. Ich habe das buch auch bereits gelesen und höre gerade das Hörbuch… ich bin ja eh Fan des Sprechers aber die Story ist echt immer wieder ein Erlebnis. Ich freue mich mega auf den zweiten Teil und bin wahnsinnig gespannt auf den Film im Dezember :o Der Trailer verspricht mega cool zu werden!

    xo Anna

    1. Nicci Trallafitti

      Hach ich freue mich sehr, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat <3
      Ich freue mich so so sehr auf den Film. Den Trailer schaue ich mir nicht an, ich will mich komplett überraschen lassen. Und ich hoffe ja sehr, dass ich es ins Kino schaffe.

      <3

  3. Barbara

    Danke für die Rezension. Seit ich irgendwo den Klappentext gelesen habe bin ich neugierig auf das Buch. Das Buch wird sicher eine meiner nächsten Anschaffungen!

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