In Tell me Lies geht es um Lucy, die am College neu anfangen will. Sie schließt neue Freundschaften, fühlt sich frei, bis sie auf Stephen trifft. Und der könnte im Wörterbuch quasi direkt neben „toxisch“ und „manipulativ“ stehen.
Der Beitrag ist aufgrund von Links und Kaufempfehlungen als Werbung gekennzeichnet. Das Buch ist ein eBook-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via NetGalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.
Tell me Lies bei pola (Bastei Lübbe) | Tell me Lies bei Amazon
Autor*in: Carola Lovering, Übersetzer*in: Svantje Volkens
Seitenzahl: 561, Preis: 6,99 € (E-Book)
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr in ein Buch reinspringen wollt, um die Protagonistin gleichzeitig zu schütteln und fest in den Arm zu nehmen und ihr zu sagen, dass sie GENUG ist? Genauso ging es mir hier quasi durchgehend.
Intrigen, Drama und emotionale Gewalt stehen hier im Fokus. Der Protagonist Stephen ist unfassbar toxisch und manipulativ. Ich war beim Lesen oft einfach nur wütend. Gleichzeitig ist die Protagonistin Lucy eben auch noch sehr jung, unsicher und geprägt von falschen Vorstellungen davon, wie Liebe aussehen sollte.
Das Miteinander war sehr schwierig auszuhalten, weil es so extrem toxisch ist. Für mein heutiges Ich war das absolut nicht relatable, für mein 20-jähriges Ich vermutlich leider schon eher.
In Tell me Lies beschreibt Stephen den Anfang einer seiner Beziehungen als „cremig und süß“, sodass man den toxischen, bitteren Nachgeschmack kaum bemerkt. Und genau das fand ich extrem passend für seine Art, Beziehungen zu gestalten. Von außen ist allerdings klar, wie toxisch und bitter das Ganze eigentlich ist.
Der Typ hat mich wirklich rasend gemacht. Er baut nur Scheiße, geht fremd, ist respektlos, belügt quasi jede Frau, der er begegnet, will alle nur flachlegen, und ist dann auch noch genervt und angepisst, wenn etwas nicht exakt so läuft, wie er es will. Das Buch hat mir stellenweise lowkey YOU-Vibes gegeben. Und es hatte genau diese Sogwirkung und diesen Reiz, den auch die erste Staffel der Serie (für mich) hatte.
Ich hätte sie davon überzeugen können, dass Charlotte sich bei dem Händchenhalten geirrt hatte. Aber auf einmal hatte ich es so satt, mich zu verteidigen – ich tat gefühlt seit Jahren nichts anderes. Von Jenna über Diana und Lucy, dann wieder zu Diana, über Alice und zurück zu Lucy – es war ein einziges, verworrenes Netz, in dem die Probleme von einer Beziehung immer irgendwie die nächste infiltrierten, ein ewiger, toxischer Knoten. Auf einmal war ich zu müde, um ständig zu versuchen, ihn zu entwirren.
Carola Lovering. TELL ME LIES (Kindle-Positionen 6112-6116). Kindle-Version.
Stephen ist manipulativ, während Lucy ständig versucht, Konflikte zu schlichten, nur um wieder „sein Mädchen“ zu sein, obwohl sie oft selbst weiß, dass sie im Recht ist. Er will, dass sie die Pille nimmt, weil er „keinen Bock auf Kondome hat“. Sie hatte das eigentlich nicht vor, sagt aber trotzdem „okay“ und bewegt sich ständig wie auf Eierschalen.
Lucy hat in ihrem Alter ein sehr fragwürdiges Bild von Beziehungen und Nähe und ist geprägt von einem mangelnden Selbstwert und viel Unsicherheit.
Ich wollte den ganzen Abend lang an seiner Seite bleiben, aber das konnte ich nicht. So funktionierte es nicht mit ihm. Anders als mit Parker war mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit nicht garantiert. Aber das war gut – es ist echt langweilig, die ungeteilte Aufmerksamkeit von einem Typen zu bekommen, rief ich mir wieder in Erinnerung.
Carola Lovering, TELL ME LIES (Kindle-Positionen 2042-2044)
Es gibt eine Szene mit einem Hund, die mich unfassbar wütend gemacht hat, holy shit. Lucy sollte eigentlich wegen eines Vorfalls mit dem Tier zu ihrer Familie fahren, aber sie sagt ab, um Zeit mit dieser A*schgeige zu verbringen. Man weiß beim Lesen einfach: Girl, that’s not it. Du wirst es später bereuen.
Wenn man selbst in einer gesunden Beziehung ist, wird einem hier einmal mehr bewusst, was man (oder auch andere) teilweise bereit war (sind), auszuhalten, um eine toxische Beziehung aufrechtzuerhalten. Man läuft wie auf Eierschalen, hat ständig Angst, dass er sauer wird, wieder Schluss macht oder fremdgeht. Man fühlt sich nie sicher, ist permanent angespannt und klammert sich an jeden noch so kleinen Strohhalm.
Das Ende hat mir richtig gut gefallen und ich konnte aufatmen. Gleichzeitig war ich aber auch ziemlich überrascht, da ich mit manchen Hintergründen und Details so gar nicht gerechnet hatte. Mehr will ich aber an dieser Stelle nicht sagen, um nichts vorwegzunehmen.
Anmerkung: Ich weiß nicht mehr genau, ob das als TW benannt wird, aber in dem Buch geht es zusätzlich um eine Essstörung.
Fazit: Tell me Lies zeigt einen schonungslosen Blick auf toxische Beziehungen und emotionale Abhängigkeit. Solche Typen machen einem in derartigen Geschichten vor allem klar, was man ganz sicher nicht will. Tell me Lies macht unglaublich wütend, sodass man die Protagonistin am liebsten schütteln und dann umarmen würde. Gleichzeitig hat es eine enorme Sogwirkung, sodass man zwar wütend ist, aber natürlich auch erfahren will, wie es mit Lucy weitergeht. Und ich will jetzt unbedingt die gleichnamige Serie schauen.
Inhalt zum Aufklappen
Am College kann Lucy endlich ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Sie schließt neue Freundschaften, feiert wilde Partys, fühlt sich frei – bis sie auf Stephen trifft. Er ist so charmant wie undurchschaubar, und auch wenn Lucy spürt, dass sie ihm nicht trauen kann, lässt sie sich auf eine Beziehung mit ihm ein, die sie immer weiter hinunterzieht in einen Strudel aus Leidenschaft, Geheimnissen und zerstörerischen Entscheidungen. Ein fesselnder Roman über die Frage, wie weit wir gehen, um das zu bekommen, was wir nicht haben können.
Quelle: NetGalley













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