Rezension: Jennifer Alice Jager – Prinzessin Fantaghiro

Prinzessin Fantaghiro

Jennifer Alice Jager | Prinzessin Fantaghiro | Verlag: Carlsen | Leseprobe | 07.12.2017 | 313 Seiten | eBook: 3,99€ | Amazon**

Hier handelt es sich um eine Adaption des italienischen Volksmärchens Prinzessin Fantaghiro (Fantaghirò Persona Bella). Fantaghiro ist die jüngste von drei Königstöchtern und dazu ein richtiger Wildfang. Sie reitet, liest viele Bücher und hält sich an kaum eine der vorgegebenen Regeln, womit sie ihren Vater in den Wahnsinn treibt. Nach einem Ereignis schneidet sie sich die Haare ab und gibt sich als Stallbursche aus, was verheerende Folgen hat.


Da ich noch nie etwas von dem Volksmärchen gehört habe bin ich gänzlich unvoreingenommen an die Sache herangegangen. Der Inhalt klang für mich neu und total spannend, da ich ein großer Fan starker Heldinnen bin, die nicht gerettet werden müssen.

„Wenn der Krieg kommt, greife ich lieber zum Schwert, als zum Rosenkranz.“
[Prinzessin Fantaghiro, Jennifer Alice Jager]

Und auch Fantaghiro war eine super coole, starke und vor allem eigensinnige Protagonistin, die sich nicht die Butter vom Brot klauen lässt. Sie wusste was sie will und ließ sich durch das System nichts vorschreiben, zum Leidwesen ihres Vaters, dem König. Ihre beiden Schwestern waren das komplette Gegenteil von ihr und genau das, was man sich unter Prinzessinnen vorstellt – regelkonform, mädchenhaft, höflich. Dennoch konnten mich die beiden überraschen, zumal ich sie zu Beginn als die braven und naiven Schwestern eingeschätzt habe, die sich Fantaghiro gegenüber wenig tolerant zeigten.

Fantaghiro machte ebenfalls eine Entwicklung durch, leider nicht immer zu meiner Freude. Auch wenn mir natürlich klar war, dass sich eine Liebesgeschichte anbahnen wird, war mir die persönlich später ein wenig zu einflussnehmend, zu präsent, im Anbetracht der Tatsache, dass die Protagonistin zu Beginn weder was auf die Prinzen, noch auf Romantik als solches gibt. Trotzdem konnte ich mich gut darauf einlassen, schließlich handelte es sich hier um ein Märchen, in dem Prinzessinnen und ein Schloss eine große Rolle spielen würden. Darüber hinaus hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht, da auch dort eher die Liebe im Mittelpunkt stand und nicht wie zu Beginn die Stärke und die wilde, eigensinnige und authentische Art Fantaghiros, die stets einen taffen Spruch auf Lager hatte und die Botschaft transportierte, dass es nicht schlimm oder weniger wert ist, eine Frau zu sein, dass man alles erreichen kann, wenn man bereit ist, dafür zu kämpfen. Sie sah in allen Dingen stets das Gute und zeigte allen, dass es nicht wichtig ist, wie man aussieht, ob man Mann oder Frau, adelig oder gewöhnlich ist, so lange man Leidenschaft in sich trägt.

„Du siehst wirklich in allem das Gute, nicht wahr?“, fragte er.
„Aber nur, weil in allem auch etwas Gutes steckt“, erklärte sie.
„Man muss die Augen nach dem Licht offen halten, auch wenn man sich durch Schatten bewegt. Es ist da und es strahlt in Finsternis umso heller.“
[Prinzessin Fantaghiro, Jennifer Alice Jager]

Die Thematik fand ich somit sehr spannend, ich war völlig angetan von Fantaghiros starker, mutiger Art. Der Verlauf der Geschichte konnte mich total fesseln, woran die wechselnden Erzählweisen nicht unschuldig waren, denn so konnte ich auch einiges aus der Sicht des attraktiven Schwertkämpfers Alessio erfahren. Auch er war mir sehr sympathisch, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass seine Herkunft zunächst im Verborgenen blieb. Zunächst konnte ich nicht einschätzen, ob er vertrauenswürdig ist oder nicht.

Dramatische Szenen wurden leider recht knapp beschrieben, sodass ich wegen des flotten Tempos teilweise nicht hinterher kam. Dort hätte ich mir einen differenzierteren Ausbau und ein paar Seiten mehr gewünscht. Dahingegen gefielen mir die detaillierten Beschreibungen der Umgebung richtig gut, vor allem die verbotenen weißen Wälder.

Prinzessin Fantaghiro stellt für mich eine gelungene Märchenadaption dar, auch wenn ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten besitze. Ich fühlte mich richtig gut unterhalten, auch passt die Geschichte atmosphärisch sehr gut in die kalte Jahreszeit. Ein Highlight waren die verbotenen weißen Wälder und die taffe Art der Protagonistin, die mich oft zum Schmunzeln brachte. Gefehlt hat mir ein differenzierter Ausbau dramatischer Szenen. Kategorie: BUCHTIPP


Weitere Meinungen

„Allerdings ist das Buch trotzdem wunderschön und herrlich winterlich – auch wenn es eigentlich nicht im Winter spielt – und ich kann es jedem empfehlen, der gern romantische Märchenadaptionen liest.“ – Ravens Bookish Paradise

Blatt-Trenner

Fantaghiro ist nicht nur die Jüngste von drei Königstöchtern, sondern auch die Wildeste. Tagtäglich setzt sie sich über alle Regeln des Hofs hinweg, reitet, liest Bücher und streift oft stundenlang in den verbotenen Weißen Wäldern umher. Das geht schließlich so weit, dass ihr Vater sie auf dem königlichen Ball des Nachbarlands nicht als seine Tochter vorstellen möchte. Für Fantaghiro kein Problem. Ohne zu zögern schneidet sie sich ihr schönes Haar ab und gibt sich als Stallbursche aus, um ihre Schwestern begleiten zu können. Als sie dann aber unterwegs angegriffen werden, steht sie plötzlich vollkommen alleine und nur mit einem Stock bewaffnet dem gut aussehenden Schwertkämpfer Alessio gegenüber – und der hält sie für einen Jungen…

»Prinzessin Fantaghiro. Im Bann der Weißen Wälder« ist eine Adaption des italienischen Volksmärchens »Fantaghirò Persona Bella« und ein in sich abgeschlossener Einzelband. [Quelle]


Buch beim Carlsen Verlag | Leseprobe | Buch bei Amazon**

 

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar*.

11 Antworten auf „Rezension: Jennifer Alice Jager – Prinzessin Fantaghiro

  1. Buchbahnhof

    Hallo Nicci,
    ich schleiche noch immer um das Buch herum. Ich kenne zwar nicht das Märchen, das dahinter steht, aber die TV-Serie und die liebe ich sehr. Ich habe ein bisschen Angst, dass durch das Buch mein Bild von Fantaghiro irgendwie kaputt gemacht wird. Ist ja immer so eine Krux mit solchen Adaptionen.
    Irgendwann werde ich mich da wohl mal rantrauen. Schön, dass es dir ganz gut gefallen hat.
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

    1. Nicci Trallafitti

      Hey!
      Das stimmt, das kann natürlich was mit dem vorhandenen Bild machen. Ich kenne die Serie nicht, war also komplett unvoreingenommen. Und das Buch hat mir richtig gut gefallen.
      Falls du es liest wünsche ich dir ganz viel Spaß!

      Liebe Grüße

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  6. Myriam

    Ohhhhhh, das muss ich unbedingt lesen! Als ich Kind war, lief eine Verfilmung mit Mario Adorf regelmäßig auf Sat , die habe ich wirklich unglaublich geliebt :) Danke also, dass du mich auf das Buch aufmerksam gemacht hast!

    Liebe Grüße & frohe (Rest)Weihnachten,
    Myriam

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