Neulich kam mir spät abends die Idee für diesen Beitrag, der natürlich humorvoll und keinesfalls bierernst gemeint ist. Ich saß so auf meinem Lesesessel, in bequemen Klamotten, schaute mich in meiner Wohnung um und lauschte einer Playlist. Dabei kam mir der Gedanke, was ich noch vor zehn Jahren zu dieser Uhrzeit gemacht hätte. Was mir damals wichtig gewesen wäre.
Ich lese, seit dem ich denken kann. Bei uns war es schon immer total normal zu lesen, sich darüber auszutauschen und überall Bücher liegen zu haben. Schon als ich klein war neigte ich dazu, mir einen SuB (Stapel ungelesener Bücher) aufzubauen, zum Glück wirkte meine Mutter dem jedoch entgegen, indem sie mich zu dem Buch, das sie mir als letztes gekauft hatte, befragte. So merkten wir beide natürlich recht schnell, dass ich es noch nicht gelesen hatte und somit eigentlich keine neuen Bücher brauchte. Eigentlich. Kaum aus dem Haushalt der Eltern raus, das erste echte Gehalt auf dem Konto, gab es dann kein Halten mehr.
Seit dem ich blogge und mich noch aktiver mit Büchern beschäftige, lese ich automatisch auch viel mehr, obwohl ich so gesehen weniger Zeit dafür habe. Vor einigen Jahren waren mir jedoch punktuell andere Dinge wichtiger, sodass ich nicht immer so viel gelesen habe wie jetzt. Gelesen schon, aber nicht täglich und nicht stundenlang. Nicht ein ganzes Wochenende, nicht einen ganzen Abend. Doch seit dem genau das der Fall ist, ist mir mal klar geworden, wie sich meine Prioritäten geändert haben. Wochenenden habe ich früher hauptsächlich damit verbracht, in Diskotheken zu tanzen, bis das Licht in den Clubhallen anging – ohne zu trinken, denn das war noch nie meins. Die freien Abende habe ich mit Freunden verbracht, oder vor der Glotze. Beim Shoppen wanderten primär Klamotten und Schuhe in die Einkaufstasche, die ich dann meistens nicht ein Mal angezogen hatte.
Kommen wir also zu den Dingen, die ich mittlerweile nicht mehr brauche. Nicht vergessen: nichts davon sollte unendlich ernst genommen werden.
1.Kabelfernsehen
Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal das TV angeschaltet habe, um durch die Sender zu zappen. Der letzte Sender, der mein Interesse wecken konnte, war damals Deluxe Music. Anders als bei MTV und Viva liefen dort tatsächlich nur Musik und Sendungen, die sich mit Musik beschäftigten. Eine davon moderierte die Frontfrau der Band Jennifer Rostock, leider habe ich den Namen des Formats vergessen. Mittlerweile habe ich das Kabelfernsehen gekündigt und bereue nichts – außer, dass ich das nicht schon viel eher gemacht habe. In Zeiten von Netflix und Co. wüsste ich nicht mal, wofür ich das normale Fernsehangebot nutzen sollte, denn letztendlich läuft dort meiner Meinung nach nichts sehenswertes, was nicht als Zeitverschwendung bezeichnet werden könnte. In der Zeit, die ich sonst vor der Glotze verbracht habe, lese ich jetzt lieber ein Buch nach dem anderen. Und davon habe ich langfristig mehr, als von einer Folge „Bauer sucht Frau“.
2. Unbequeme Kleidung
Früher dachte ich immer, man muss Jeanshosen tragen, das gehört sich so. Ebenso sollte man als Frau ein paar Schuhe mit Absatz im Schrank stehen haben, für die feierlichen Anlässe. Röcke stehen mir sowieso nicht, also müssen Kleider her. Shirts mit Band-Logos oder Aufdrucken von Superhelden sind nur für Männer. Und Kurven sollte man sehen, denn man ist ja eine Frau.
Mittlerweile habe ich zum Glück kapiert, dass ich weder als Frau, noch als fast 30-jährige, noch als Mitglied der Gesellschaft überhaupt irgendetwas muss, was meine Kleidung betrifft – so lange ich denn welche trage. Vor allem seit dem ich die meiste freie Zeit lesend verbringe, schätze ich meine bequemen Haremshosen, Leggins und Männer-Shirts mit Band-Logos, Superhelden-Drucken und Co. Darf man als Frau denn überhaupt Männer-Shirts tragen? Ja, darf man. Man darf sie sogar online bestellen und öffentlich zur Schau tragen, ohne dass die Modepolizei kommt. Was ich außerdem (endlich!) verstanden habe ist, dass auch ich Röcke tragen kann. Früher wurde mir scheinbar durch die Gesellschaft in den Kopf gesetzt, dass das mit meiner Figur doof aussehen würde. Irgendwann habe ich einfach einen Rock bei EMP bestellt, ihn angezogen und mich wohl gefühlt. Ich fragte mich: darf ich mich so wohlfühlen? Mit einem Rock? Ja, darf ich. Und ich liebe es.
Und vor allem darf man auch mit (fast) 30, aber auch mit 40, 50 oder 60 Shirts tragen, auf denen seine Helden abgedruckt sind, egal ob aus Büchern, Filmen, Serien oder dem Musikbereich. Und wie cool ist es, wenn man ein Harry Potter- oder Wonder Woman-Shirt trägt und darauf angesprochen wird, woraus oftmals ein angenehmer Austausch, ein gemeinsames Schwärmen entsteht?

3. Ständig bespaßt werden
Es gibt ja so Menschen, die den ganzen Tag bespaßt werden müssen. Die vor oder während der Arbeitszeit schon Termine für danach ausmachen. Wenn ein Freund dann allerdings nur für 1-2 Stunden Zeit hat, sucht man sich halt noch eine zweite Möglichkeit. Und am Wochenende sind diese Menschen 24/7 unterwegs. Sie können nicht gut alleine (Zuhause) sein, langweilen sich schnell und halten sich selbst scheinbar nicht gut aus. Auch könnten sie sich niemals vorstellen, alleine in die Stadt oder ins Kino zu fahren.
Auch ich gehörte zumindest zu denjenigen, die gerne oft und viel unterwegs waren. Auf Zack, auf Trallafitti also – so ist damals mein „Spitzname“ entstanden, by the way. Seit dem ich viel arbeite, und das auch an Feiertagen und an den Wochenenden, schätze ich jeden freien Tag, der mir bleibt. Ich liebe es, alleine Zuhause zu sein, Musik zu hören, zu lesen, zu bloggen, einfach die Ruhe zu genießen. Natürlich verbringe ich nach wie vor gerne Zeit mit guten Freunden, aber das muss nicht jeden Tag sein. Das Gute daran? Meine besten Freunde sind ebenfalls Büchermenschen und sehen das genauso, sodass es absolut normal ist zu sagen „Heute möchte ich lesen, also habe ich keine Zeit“, ohne, dass man irritierte Blicke erntet. Und durch die vielseitigen Bücherwelten erlebt man so einiges, bestreitet zahlreiche Abenteuer, hat zusätzlich einen Ausgleich zum Alltag und kann gut zur Ruhe kommen. Bespaßungslevel 3000!

4. Diskotheken
Früher völlig normal, heute eher eine Qual. Noch vor 4-5 Jahren habe ich nahezu jedes Wochenende auf einer Party oder in einer Disco verbracht. Meistens blieb ich bis früh Morgens, schlief dann natürlich bis nachmittags, und das Wochenende war vorbei. Wie eben erwähnt sind mir freie Wochenenden jedoch viel zu wichtig und zu wertvoll, als dass ich so verschwenderisch mit der Zeit umgehen würde. Ich bevorzuge es also, meine eigene kleine Party zu feiern – auf dem Sessel, mit Buch, Kaffee (oder Energy Drinks, wenn ich mal richtig auf den Putz hauen will) und Musik. An manchen Abenden zelebriere ich derartige Partys mit meinen liebsten Bücherfreunden, die da zum Glück ähnlich gestrickt sind. Das eskaliert dann jedes Mal zu einem wahrlichen Fest aus Energy Drinks, knoblauchreicher Kost und unendlichen Gesprächen über Bücher, Filme und Co.
5. Unnötiges Mobiliar & Dekoration
Ich denke, wir Büchermenschen kennen es alle. Die Wohnung wird zunehmend zur Bibliothek, überall sammeln sich Bücherregale und einzelne Stapel mit Büchern, überwiegend aus Titeln, die man noch nicht gelesen hat. An manchen Tagen sitze ich so rum und überlege, welches unnötige Möbelstück als nächstes aus der Bude fliegt, um Platz für Bücherregale zu machen. Zuletzt war das bei mir in der Küche der Fall, wo mittlerweile also auch Bücherregale stehen, an der Wand, an der vorher der Tisch dran stand. Ich habe sogar kurzzeitig darüber nachgedacht, ob ich überhaupt ein Bett brauche, oder einfach auf der Couch im Wohnzimmer schlafe. Und andere Möbel werden einfach als Ablage für Bücher verwendet. Wer braucht schon Deko? Und diejenigen, die Buchboxen wie FairyLoot oder Illumicrate abonniert haben, erhalten automatisch regelmäßig buchbezogene Deko zusätzlich zu neuen Büchern dazu – super praktisch!

6. Wartezeiten
Lästige Wartezeiten gehören der Vergangenheit an, denn nun sind sie Lesezeiten. Ich habe in der Regel mindestens meinen Kindle Reader dabei, ansonsten habe ich die App aber auch auf dem Handy, sodass ich auch in spontanen Situationen, in denen ich auf irgendetwas oder irgendjemanden warten muss, lesen kann. Somit besteht in Wartezeiten keine Langeweile mehr und manchmal bin ich sogar ein wenig genervt, wenn ich beim Arzt so schnell dran komme, dass ich bei einer spannenden Stelle mitten im Kapitel das Buch oder den Reader zuklappen muss.
Wie lästig zu denken, dass man all diese Dinge wirklich braucht, oder?* Ich bin sehr froh darüber, dass ich mittlerweile auf vieles davon verzichten kann. Von der Gesellschaft lasse ich mir nichts mehr – oder kaum etwas – vorschreiben. Ich bin wie ich bin und habe heute, mit fast 30, das schöne, beruhigende Gefühl, endlich angekommen zu sein. Und das wünsche ich wirklich jedem.
*(Anmerkung: Menschen die wirklich Spaß daran haben sollen auch bitte dabei bleiben, keine Frage)













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