Liebe Leser. In Beiträgen wie Sätze, die ich nicht mehr hören kann Teil 1 und Teil 2 habe ich darüber geplaudert, welche Kommentare und Fragen mich nerven. Neben diesen Sätzen ist mir und meiner großartigen Buchnachbarin Sarah in den letzten Wochen jedoch noch ein ganz anderer Fakt aufgefallen: Menschen sind scheinbar nicht mehr grundsätzlich dazu fähig, sich einfach für andere zu freuen, ohne die Tatsache gleich zu (be)werten, womit natürlich nicht jeder einzelne gemeint ist. Gleichzeitig haben scheinbar viele Personen das Bedürfnis, ihren Senf zu Dingen abzugeben, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt erwünscht, gar angebracht ist – oder ob es eventuell sogar verletzend wirkt.
Wie immer möchte ich mit diesem Artikel niemanden persönlich angehen, auch nehme ich mir auch nicht heraus, zu sagen, wie es gefälligst laufen soll, was man darf oder was man nicht darf. Eine kleine Doppelmoral an dieser Stelle also: Jetzt gebe ich meinen Senf ab, aber jedem steht natürlich frei, ihn zu lesen, oder das Fenster wieder zu schließen. Achtung: Dieser Beitrag könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten, aber immerhin muss ich ihn nicht als Werbung kennzeichnen. Im Übrigen sind mir oder Freunden alle genannten Beispiele so oder so ähnlich tatsächlich begegnet.
Du hast mein Buch nicht richtig gelesen
Klingt komisch? Ja, finde ich auch. Ich frage mich generell, wie man ein Buch nicht richtig lesen kann. Überfliegt man es dann? Okay. Kann man machen. Aber dann würde ich persönlich keine Rezension verfassen. Eine derartige Form der Aussage ist mir aber genau so begegnet. Ich werde an dieser Stelle keine Namen nennen, weil ich keinen Shitstorm o.Ä. auslösen möchte. Grundsätzlich freue ich mich über jeden Kommentar zu meinen Rezensionen, auch, oder besonders von den jeweiligen Autoren. Was mich jedoch immens stört ist ein Vorwurf bezüglich meiner Sorgfalt oder sogar des mangelnden Wahrheitsgehaltes meiner Aussagen innerhalb der Rezension, denn mein Leseeindruck ist und bleibt nun mal mein Leseeindruck, egal ob du, lieber Autor/liebe Autorin, einen bestimmten Aspekt vielleicht ganz anders gemeint hast oder deiner Meinung nach klar und deutlich dargestellt hast, er für mich aber nicht sichtbar war.
Es handelt sich um eine subjektive Wahrnehmung einer Geschichte, an der nicht zu rütteln ist. Würde ich das auf alltägliche Situationen übertragen könnte man also eine dortige Wahrnehmung ebenfalls als falsch bezeichnen – ich treffe auf eine Person und empfinde ihr Auftreten mir gegenüber als aggressiv, genervt, schüchtern. Ist mein Empfinden falsch? Oder passen Sender und Empfänger einfach nicht zueinander? Weiß der Sender vielleicht gar nicht, wie er wirkt? Kann alles sein. Aber ein subjektives Empfinden ist nicht falsch.
Eine Rezension ist eine persönliche und begründete Stellungnahme zu (in meinem Fall) einem Buch, nicht aber eine professionelle Facharbeit oder ähnliches. Ich bin sehr darauf bedacht, meine Bewertungen stets angemessen und weitestgehend wertschätzend zu formulieren, ohne ein Buch, den Autoren, das Lektorat oder den Verlag zu „verreißen“. Liebe Autoren/Autorinnen, äußert euch gerne dazu, aber bitte rechtfertigt euch nicht für einzelne Kritikpunkte, oder bezichtigt den Blogger sogar des Lügens, oder der mangelnden Sorgfalt im Rahmen dieser kostenlosen Arbeit, die er in dem Fall tätigt, für den er „nur“ das Buch erhält – was uns natürlich immer sehr freut und ein großes Privileg ist, aber dennoch an dieser Stelle erwähnt werden wollte.
(außer es werden tatsächlich falsche Tatsachen geschildert, wie beispielsweise falsch angegebene Zitate, ein fehlerhafte Name, Alter, etc.)
Das ist aber gemein
Wir kennen es alle. Ein Buch erscheint demnächst, ein paar Buchblogger dürfen es schon in den Händen halten. Nach und nach erscheinen Fotos auf den sozialen Medien, inklusive freudiger Texte. Gemein? Unfair? Ungerecht? Habe ich alles schon gehört bzw. gelesen. Was genau ist denn gemein daran? Dass ich ein Buch vorher lesen darf, damit ich es rezensieren kann? Damit ich also Arbeit, Zeit und Mühe investiere? Was sind schon eine, zwei oder vier Wochen in Relation gesehen zu der ganzen Zeit, die man seit Erwähnung eines neuen Titels im Verlag auf eine Veröffentlichung wartet? Liebe Menschen, sagt gerne eure Meinung dazu, freut euch mit den Glücklichen, die das jeweilige Buch schon in den Händen halten dürfen. Dagegen spricht überhaupt nichts. Aber ein „Boa, wie gemein“ ist jedes Mal ein kleiner Dämpfer und man gerät automatisch in die Position der Rechtfertigung.
So verhält es sich übrigens auch mit dieser „Wie gemein, so viel Zeit wie du hätte ich auch gerne„-Sache. Auch hier ein kleiner Hinweis am Rande. Ich weiß, das kommt jetzt überraschend, aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden. 24 Stunden, die ich mit meinem Job, dem Haushalt, der Familie, den Freunden, Krimskrams, Lesen und dem Blog füllen „muss“. Nein, ich bin keine Superheldin – oder vielleicht doch, wer weiß das schon? Jeder verteilt seine Prioritäten anders, und das ist auch völlig in Ordnung. Aber mit einem „Ich hätte auch gerne so viel Zeit zum Lesen, wie du“ kann ich leider nichts anfangen. Es ist weder nett, noch wertschätzend, noch hilfreich, noch bemitleidenswert.
Dann nimm dir die Zeit. Ändere etwas an deinen Gewohnheiten. Binde das Lesen fest in den Alltag ein. Und hör auf, dir selber Druck damit zu machen. Wie ich das mit dem Zeitmanagement so mache könnt ihr übrigens HIER nachlesen. Und gute Tipps für mehr Lese-Motivation gibt es bei Ramona.
Gemein zu sein ist tatsächlich selten meine (bewusste und gewollte) Absicht. Wenn ich jemandem jemals ernsthaft damit geschadet habe, dass ich in einem Monat 5, 8 oder 12 Bücher gelesen habe, dann tut es mir sehr leid. Oder dass ich Rezensionsexemplare von Büchern bekommen habe, die erst in 4 Wochen erscheinen. Ändern werde ich daran trotzdem nichts. Weil ich tagtäglich viele Stunden in dieses ganze Blog-Ding investiere, Zeit aufbringe, mir Mühe gebe, richtig viel erreicht habe und schweine-stolz darauf bin. #sorrynotsorry
Gefällt mir nicht
Kennt ihr diesen Moment? Ihr habt einen neuen Artikel, beispielsweise ein Poster mit einem Harry Potter Zitat, hängt es freudestrahlend auf und postet ein Foto in einer Büchergruppe, einfach weil ihr euch freut und dies mit Gleichgesinnten teilen möchtet. Kurz danach folgen Kommentare, ihr seid etwas aufgeregt und dann… der Dämpfer. „Wieso hängst du es bitte an die Tür?„, „Hätte ich anders gemacht„, „Gefällt mir absolut nicht„. Ich weiß nicht, wann das passiert ist, aber scheinbar haben (viele, nicht alle) Menschen mittlerweile das Gefühl, dass sie immerzu ihren wertenden Senf abgeben müssen und glauben anscheinend, dass es absolut angebracht ist. Aber ich verrate euch mal was. Es ist in solchen Fällen weder angebracht noch angemessen, ihr Miesepeter. Schließlich geht ihr ja auch nicht durch die Innenstadt und reibt jedem eure Meinung über die Hose, die Schuhe, das Handy, die Mimik, die Stimme oder die Gangart des jeweiligen Gegenüber unter die Nase. Kuriose Vorstellung, oder? Im Netz leider alltäglich. Und außerdem werdet ihr durch das Anklicken eines Facebook-Posts nicht dazu gezwungen, den Artikel automatisch in euren eigenen Warenkorb zu schieben. Also, ganz ruhig bleiben.
Natürlich darf man Dinge doof finden. Natürlich darf man Dinge anders machen. Aber was genau soll der Kommentar bewirken, außer, dass der Ersteller des Posts zweifelt, sich angegriffen fühlt, genervt oder sogar traurig ist wohingegen er lediglich seine Freude (mit)teilen wollte? Ich würde behaupten, dass sich nahezu jeder Gedanken dazu macht, wo er ein Poster aufhängen, eine Kerze hinstellen, ein Buch hinlegen wird, bevor er ein Foto aufnimmt, um es dann zu teilen. Und was ist so schwer und so falsch daran, sich einfach mit den Leuten zu freuen? Vergesst bitte nicht, dass hinter jedem Post, hinter jedem Artikel, hinter jedem Kommentar ein echter, wahrer Mensch mit Gefühlen sitzt. Und letztendlich postet man – ich zumindest – nichts, damit es in erster Linie anderen Menschen gefällt.
Das fehlt aber in deinem Beitrag
Manchmal schreibe ich Beiträge, ohne vorher Fachliteratur zum Thema zu wälzen. Ohne spezifische Fortbildungen zu besuchen. Ohne jede Meinung der Welt zum Thema zu kennen und verinnerlicht zu haben. Darf man das überhaupt? Ja, darf man. Weil das hier ein Blog ist. Mein Blog, meine Texte, meine Regeln. Niemand ist bei der Blog-Polizei und darf sich anmaßen dem Blogger vorzuschreiben, was in einen Artikel gehört und was nicht. Letztendlich handelt es sich bei einem Blog um ein Online-Tagebuch, und ich wüsste nicht, dass es gesetzlich geregelt ist, was ich in mein Tagebuch schreibe. Lesen muss es hingegen niemand, das steht also jedem frei.
Tipps und Verbesserungsvorschläge sind natürlich erwünscht, aber wenn ich einen sehr persönlichen Artikel über ein Erlebnis oder meine eigene Meinung, meine Erfahrungen zu einem Thema schreibe ist das meistens unsinnig, finde ich. Beispiel: eine Bloggerin schreibt einen Nachruf über einen kürzlich verstorbenen Musiker. Im Kommentar schreibt jemand, man hätte ruhig mal eine Statistik einbringen können, oder fachliche Informationen und Belege. Nein, hätte man nicht. Man hätte den Artikel dann nicht lesen müssen, sondern sich auf die Suche nach Fachliteratur begeben können.
(ausgenommen gewaltverherrlichende, rassistische etc. Inhalte, die sind kacke und gehören auf keinen Blog)
Das oder auch der Blog […] ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.
(Quelle)
Fazit?
Es gibt vieles, was ich mir bezüglich der Interaktionen zwischen Menschen wünschen würde. Und es gibt vieles, was vermutlich nie eintreffen wird, weil das utopisch wäre. Und vermutlich auf Dauer auch langweilig, denn pure Harmonie ist weder möglich noch erstrebenswert, meiner Meinung nach. Zumal angemessene Diskussionen sehr bereichernd sein können und dazu beitragen, dass man seine eigene Einstellung hinterfragt, reflektiert und eventuell evaluiert.
Dennoch würde ich mir wünschen, dass man sich immer mal wieder ins Gedächtnis ruft, dass hinter jedem Post, jeder Rezension, jedem Buch, jedem Foto, jedem Kommentar ein echter, wahrer Mensch sitzt. Ich spreche mich nicht für Narrenfreiheit aus, aber manchmal ist es einfacher, Dinge zu ignorieren, vor allem, wenn man nichts bewirken kann, vielleicht nicht mal möchte*.
Natürlich denke ich mir oft meinen Teil. Natürlich nervt mich vieles. Natürlich könnte ich immer mal wieder Tipps geben. Aber ist das überhaupt erwünscht? Was ist die Intention meines Kommentars? Und was die Konsequenz? Bringt es irgendjemanden weiter? Oder möchte ich nur meine Meinung sagen? MUSS ich das überhaupt? Nein, vermutlich nicht. Vielleicht gehe ich in dem Moment weg vom persönlichen Bewerten und hin zum „Ich freue mich für dich“. Und meistens ist das genau das Richtige.
*ausgenommen sind gewaltverherrlichende, rassistische etc. Inhalte, ich spreche wirklich und wahrlich von oben genannten Situationen und teils Banalitäten, an denen sich viele Menschen aufziehen können.













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