Rezension: Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

Palast der Finsternis (2)

Stefan Bachmann | Palast der Finsternis | übersetzt von: Stefanie Schäfer | Originaltitel: A Drop of Night | Verlag: Diogenes | 23.08.2017 | 400 Seiten | Broschiert: 18€ / eBook: 14,99€ | Amazon**

Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können. [Quelle]


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Wie ihr meinem Twitter-Post entnehmen könnt, hat mir bereits der Einstieg in das Buch richtig gut gefallen, was hauptsächlich an der sarkastischen Protagonistin lag, aber auch an dem angenehmen Schreibstil, der jugendlich, gehaltvoll und eloquent zugleich wirkte. Anouk wurde mit vier anderen Jugendlichen auf eine Expedition in Paris geschickt, wo schnell klar wurde, dass es mit mysteriösen Dingen zugeht und der Schein, der am Anfang bestand, trügt.

Dabei stellte sich bald heraus, dass Anouk eine Art Anführerposition übernommen hat, was ich ziemlich cool fand, aber vor allem mochte ich den Aspekt, dass sie zum Ende hin auch mal Schwäche zeigen durfte und endlich etwas mehr über sich erzählte. Auch die anderen Charaktere fand ich interessant, wobei ich sie punktuell wenig zu fassen bekam und sie als auswechselbar empfunden habe. Besonders bei zwei Jungs wusste ich nie genau wer wer war und was ihre jeweilige Rolle war. Lilly fand ich hingegen ziemlich cool, da sie des Öfteren Mut bewiesen hat. Identifikationsfigur war für mich persönlich jedoch die ganze Zeit über Anouk, die mich durch Ehrlichkeit, Sarkasmus und Humor, aber auch durch ihre Stärke und ihren Mut mitreißen konnte, zumal ich ihre Motivation, die gefährlichen Umstände, in die sie hineingeraten war, zu bewältigen, interessant fand.

Angeblich lässt sich Intelligenz daran messen, wie sensibel man auf Humor reagiert. Keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht, aber ich tröste mich damit, dass die Leute, die mich nicht lustig finden, einfach nur dämlich sind.
[Palast der Finsternis, Stefan Bachman, S. 35]

Was mir bei den Figuren fehlte war die Tatsache, dass ich nicht sehr viel über ihre Hintergründe erfahren konnte. Ausschließlich bei Anouk hatte ich das Gefühl, ein wenig Informationen zu ihren Familienverhältnissen und den Hintergründen erfassen zu können, jedoch hätte ich mir auch da mehr Tiefe gewünscht.

Das Setting des Palasts fand ich wirklich gelungen, es gab zahlreiche Räume und Säle, die detailliert beschrieben wurden. Auch die Idee der Geschichte gefiel mir richtig gut, sie stellte einen interessanten Mix aus geschichtlichen Aspekten und abgedrehten Fantasy-Anteilen dar. Die Atmosphäre war düster und besaß eine Sogwirkung. Jedoch hätte ich mir auch hier gewünscht, viel mehr darüber zu erfahren, wie es überhaupt zu den Umständen im Palast gekommen ist, aber vor allem würde ich gerne noch mehr über den Schmetterlingsmann wissen.

Auf in etwa 300 Seiten wurde eine enorme Spannung aufgebaut, leider wurde nach meinem Empfinden auf den letzten 100 Seiten alles recht flott abgehandelt. In Relation zu dem Spannungsaufbau habe ich das Finale als relativ platt empfunden, auch blieben für mich sehr viele Fragen offen. Es gab wahnsinnig viele Aspekte, die meiner Meinung nach viel differenzierter hätten ausgebaut werden können, das immense Potential wurde nicht gänzlich ausgeschöpft. Trotz allem gefiel mir die Botschaft der Geschichte total gut, besonders die Bedeutung von Freundschaft für den Verlauf und die Entwicklung.

Gut integriert fand ich übrigens die geschichtlichen Rückblicke in das Jahr 1789/90, also zu dem Beginn der Französischen Revolution, sowie die Einladung auf der Vorderseite der Klappenbroschur zur Erkundung des Palasts durch die Sapani Corporation.

Palast der Finsternis stellt für mich eine spannungsgeladene Geschichte über fünf Jugendliche dar, die durch eine sarkastische, starke Protagonistin, eine ziemlich abgedrehte Idee und ein interessantes Setting begeistern konnte, was jedoch durch das flache Finale abgeschwächt wurde. 

Kategorie: Zwischendurchlektüre


Weitere Meinungen

„Auch, wenn ich mir gut vorstellen kann, dass diese Geschichte nicht für jeden geeignet ist, stellenweise brutal, abgedreht und dann doch wieder von einer mysteriösen Ruhe umgeben, so konnte sie mich umso mehr mit ihrer einzigartigen Atmosphäre und den abwechslungsreichen Charakteren überzeugen.“ – Letterheart

„Stefan Bachmann hat mit dem Fantasy-Jugendroman eine unglaublich sprachgewandte Geschichte niedergeschrieben, die sich hinsichtlich der Spannung und Originalität sehen lassen kann. Leider endete das Finale eher ernüchternd“ – Sarah Ricchizzi

„Mit “Palast der Finsternis” hat man einen spannenden Roman, der ideal für regnerische Herbstabende ist. Rückblenden in die Vergangenheit machen den Roman abwechslungsreich und waren für mich ein großer Pluspunkt.“ – I am Jane

„Stefan Bachmann ist mit „Palast der Finsternis“ eine besondere und fast schon liebeswerte Fantasy-Geschichte gelungen mit jeder Menge angenehmen Charakteren und actionreichen Handlungssträngen.“ – Buchmagie

Blatt-Trenner

Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können. [Quelle]


Buch beim Diogenes Verlag | Buch bei Amazon**

 

 

Großen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar*.

13 thoughts

  1. Hey Nicci!
    Das Buch ist mir jetzt schon ein paar Mal wegen des Covers aufgefallen. Irgendwie macht es mich total neugierig. Nach deiner (wirklich guten) Rezension lese ich mir vllt lieber erst einmal die Leseprobe durch. Ich mag sarkastische Protagonisten und das Zitat hat mich schon zum Schmunzeln gebracht. Schade, dass das Finale dann alles so schnell abhandelt. Mal sehen. Ich werde es mir bei Gelegenheit mal ansehen. 🙂

    Liebe Grüße, Anna (LifeofAnna)

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nicci,

    Eine sehr schöne und ausführliche Rezension. Zu der Zeit als das Buch so extrem gehyped würde war ich auch noch am überlegen, ob ich das Buch lesen möchte. Ich war mir aber bisher sehr unsicher und glaube auch immer noch nicht ganz, dass es mich komplett packen könnte.
    Schwarzen Humor und Sarkasmus liebe ich aber auch und das ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt!

    Liebste Grüße
    Jenny

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Nicci,

    Eine wirklich tolle Rezension! Ich finde, dass du die Kritikpunkt sehr interessant angegangen bist, und kann dir in den meisten Punkten nur zustimmen. Das Setting war wirklich cool und gerade Anouk konnte mich mit ihrer Art begeistern.

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

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