
Jean Webster | Lieber Daddy Long Legs | Verlag: Königskinder (Carlsen)** | übersetzt von: Ingo Herzke | empfohlen ab: 14 Jahren | 29.09.2017 | Erstveröffentlichung: 1912 | 256 Seiten | HC: 18,99€ | Amazon** | Buchhandlung
Die Heldin des Romans Lieber Daddy Long Legs ist die zu Beginn 18-jährige Jerusha (Spitzname: Judy) Abbott, die im Waisenhaus lebt. Sie wird aufgrund ihrer Begabung von einem Wohltäter aufs College geschickt, wo sie ihre Liebe zur Literatur auslebt, Freunde findet und diverse Ereignisse bestreitet. Die Bedingung ihres Wohltäters ist, dass sie ihm jeden Monat einen Brief schreibt, um ihn über ihre Fortschritte zu informieren.
Zu Beginn war die Geschichte in Textform geschrieben, wie man sie aus anderen Romanen kennt. Dort erfuhr ich etwas über Judys Lebenssituation im Heim und erlebte die aktuelle Entwicklung und die Chance, aufs College zu gehen, mit ihr mit. Daraufhin wechselt die Erzählform zu einem Briefroman, inklusive kleiner Zeichnungen, was ich richtig gelungen fand. So war gewährleistet, dass ich viel über Judys Gedanken- und Gefühlswelt erfahren kann und einen hautnahen Einblick bekomme. Über die anderen Charaktere bekam ich somit nur das mit, was Judy aus ihren Wahrnehmungen berichtete.
Die Protagonistin war mir sehr sympathisch, sie war genügsam, selbstbewusst, ehrgeizig, humorvoll und vielseitig interessiert. Sie fand in der Geschichte nach und nach zu sich selbst und reifte in der Zeit durch diverse Ereignisse, die sie bestreiten musste und Einflüsse, die sie nachhaltig prägten, heran. Sie besaß eine erfrischende, authentische Art, was insbesondere durch ihre oft recht impulsiven Briefe deutlich wurde.

Interessant fand ich vor allem den Aspekt, dass das Buch 1912 erstmals veröffentlicht wurde, die Thematik und der Stil dennoch nicht altbacken wirkte, sondern nach wie vor präsent ist, denn es geht um eine junge Frau, die ihre Rolle in der Gesellschaft finden will und sich dabei aktiv mit Aspekten wie Rollenklischees, Bildung, Berufen, Freundschaft, Familie, Konflikten mit Gleichaltrigen und Autoritätspersonen auseinandersetzt und sich selbst dabei nicht aus den Augen verliert.
Der Handlungsverlauf war spannend und gleichzeitig etwas vorhersehbar, was ich aber nicht tragisch fand. Für mich persönlich war es sehr angenehm, Judy auf ihrem Weg begleiten und ihre immense Entwicklung hautnah miterleben zu dürfen. Besonders schön war es, bei nahezu jedem Brief zu sehen, wie Judy auf Situationen reagierte und was sie daraus für sich lernte, womit ihr Prozess des Erkennens, des Hinterfragens und der Reflexion für den Leser transparent wurde. Viele Passagen waren sehr humorvoll, andere nahezu poetisch – was eine angenehme Abwechslung bot. Interessant fand ich, auf welche Art und Weise letztendlich alle Stränge gekonnt zusammenliefen und Konstellationen der Charaktere aufgeklärt wurden.
Lieber Daddy Long Legs besitzt zurecht Klassikerstatus, wirkt aber keinesfalls altmodisch – die Thematik ist nach wie vor wichtig und lesenswert. Die authentische Protagonistin, die ich auf ihrem Weg begleiten durfte, konnte mich mit ihrer erfrischenden Art und ihren impulsiven, lustigen, reflektierten und klugen Briefen beeindrucken. Eine Geschichte, zu der ich sicherlich noch mehrmals greifen werde und somit ein Buch der Kategorie Liebling.
Die meisten Menschen leben nicht, sie rennen bloß. […] Ich habe beschlossen, mich am Wegesrand niederzulassen und einen großen Berg kleiner Glücksmomente anzuhäufen
[Lieber Daddy Long Legs, Jean Webster, S. 186]
Weitere Meinungen
„Gefühlvoll und voller Humor erzählt die Waise Judy Abott von ihrem Schicksal und ihrer aufregenden Zeit auf dem College. Ein Klassiker der glücklich macht!“ – Bella’s Wonderworld
„Jean Webster hat mit Lieber Daddy-Long-Legs eine einmalige Geschichte geschaffen, die trotz Briefform unglaublich umfangreich war und mit einer starken und temepramentvollen Protagonistin überzeugen konnte.“ – Letterheart
„Besonders angetan hat es mir jedoch vor allem die Protagonistin Judy, die ihrer Zeit weit voraus ist und sich innerhalb der Geschichte enorm weiterentwickelt.“ – Miss Foxy reads
„Eine sehr sympathische Protagonistin mit einem ausgesprochenen Sinn für bildhafte und wunderschöne Beschreibungen. Dieses Werk hat mir Lust gemacht, wieder selber Briefe zu schreiben.“ – Bücherschmöker
„Dieses Büchlein ist wahrhaftig ein Klassiker. Eine ganz besondere Geschichte in Briefform, lebt untersetzt mit zauberhaften Zeichnungen, in neuem Glanz auf.“ – Nightingale’s Blog
„Die Geschichte von Judy und ihrem Daddy Long Legs ist in jeglicher Hinsicht zeitlos. Die amüsanten Briefe – die übrigens immer nur von Judy ausgehen – sind voller kluger Gedanken über das Leben, was man braucht um glücklich zu sein und über die Literatur. Es ist auch eine Liebesgeschichte, die dabei aber nie ins Kitschige abrutscht.“ – Studierenichtdeinleben
“ „Lieber Daddy-Long-Legs“ ist durch und durch, von der Optik, über den Inhalt bis hin zur Protagonistin, ein bezauberndes Werk, das trotz seines Alters von über 100 Jahren absolut modern und zeitgemäß ist“ – Ina’s Little Bakery
„Ein absolut fantastischer Klassiker in einer atemberaubend schönen Aufmachung durch den Königskinder Verlag. Wer mal einen entspannten, etwas anderen Lesenachmittag verbringen möchte, der nehme bitte dieses Buch zur Hand. Aus purer Freude am Lesen.“ – Wiebi Peters

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton. [Quelle]
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Weiterführende Links
Wer bist du überhaupt, lieber Daddy Long Legs?
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar*.













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