Rezension: Natasha Friend – No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam

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Natasha Friend – No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam | Magellan | Einzelband | 13.07.2017 | Jugendbuch | empfohlen ab: 13 Jahren | 336 Seiten | HC 17€ | Amazon** | Buchhandel

Wer braucht schon einen Vater? Sie sicher nicht, davon ist Hollis fest überzeugt – bis ihr Halbbruder Milo in ihr Leben tritt. Denn er will ihren gemeinsamen Vater finden und braucht Hollis’ Hilfe. Aber warum sollte sie bei so einer Schnapsidee mitmachen? Immerhin kennt sie Milo kaum, mal ganz zu schweigen von dem „Vater“, der sie in einem Reagenzglas gezeugt hat. Einem Mann, dessen Namen sie nicht einmal weiß. Und das ist auch verdammt gut so.
Richtig abgefahren aber wird es, als Milo herausfindet, dass sie nicht die einzigen Kinder von Samenspender No. 9677 sind. Widerwillig lässt sich Hollis auf die Spurensuche ein – und stellt fest: Familie ist das, was man daraus macht. [Quelle]

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„Du siehst gar nicht jüdisch aus.“
„Wie sehe ich denn aus?“
„Als solltest du auf einem Footballfeld in Nebraska Mais schälen.“
[Natasha Friend, No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam, S. 74]

Dieses Buch habe ich gemeinsam mit der lieben Jule von Miss Foxy reads gelesen. Interessant war, dass wir in fast allen Punkten die gleiche Meinung hatten. Auch kann ich sagen, dass gemeinsames Lesen super viel Spaß macht. Gerne wieder!

Zu Beginn hatte ich ein paar kleine Schwierigkeiten, einen Einstieg zu bekommen. Ich kam aufgrund mehrerer genannter Namen durcheinander, ebenso wusste ich nicht genau, wer jetzt als Mutter bezeichnet wurde. Aber daraufhin flog ich nur so durch die spannende Geschichte, die zahlreiche besondere Themen aufgriff – Homosexualität, Krankheiten, Adoption, Samenspende, Mobbing. Auch die liebevolle optische Gestaltung gefiel mir richtig gut, was bei den Büchern aus dem Magellan Verlag meistens der Fall ist.

Die Darstellung des Schulalltags der Protagonistin Hollis fand ich gut gelungen und authentisch, ebenso ihr Verhalten und die jugendlichen Krisen die sie so durchlebte. Etwas überzogen und fragwürdig empfand ich allerdings den Umgang mit bestimmten Jungs aus ihrem Umfeld im Hinblick auf ihr Alter von 14 Jahren. Auch JJ kam fraglichen Freizeitbeschäftigungen nach, die Darstellung davon fand ich für Kids und insbesondere Leser in dem Alter etwas unangemessen, auch wenn Hollis und Milo sich klar abgrenzten.

Zunächst fehlten mir in dem Buch die kindlichen Anteile, viele der Charaktere wirkten ernst und erwachsen. Später wurde der Umgang untereinander leichter und humorvoller, sodass ich auch wirklich das Gefühl hatte, dass es sich um Kinder handelte, die zwischen 14 und 16 waren. Hollis war eine authentische und angenehme Protagonistin mit Ecken und Kanten, die nicht auf den Mund gefallen war. Auch ihren Halbbruder Milo fand ich sympathisch. JJ war abgesehen von seinen zwielichtigen Freizeitaktivitäten, denen er punktuell nach kam, ein loyaler und sympathischer Freund, der zwar ein eigenes Päckchen zu tragen hatte, das sich jedoch für den Moment nicht abladen ließ, aber trotzdem seinen Freunden immer zur Seite stand, auch punktete er durch Ehrlichkeit.

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Richtig toll fand ich die witzigen und jugendlichen Dialoge der Kids, ebenso die SMS und Mails, die mich zum Lachen bringen konnten und eine Leichtigkeit in die Geschichte transportierten, die bei der Thematik in einem Jugendbuch notwendig war. Der Humor war großartig, ebenso die kleinen Albernheiten. Auch gab es witzige Schlenker zur bekannten Buch- und Filmreihe Der Hobbit, was ich sehr angenehm fand.

Das zentrale Thema Familie wurde super integriert und umgesetzt, auf eine sehr besondere Art und Weise. Es handelte sich um einen witzigen Haufen voller skurriler Charaktere, alle mit ihren speziellen Eigenheiten, alle total liebenswert. Den Fall, dass ich noch alle wichtigen Personen nach dem Lesen auf dem Schirm habe und ihnen spezifische Eigenschaften zuordnen kann gibt es relativ selten. Somit: Hut ab! Auch der besondere Aspekt der Samenspende wurde gelungen in die Geschichte integriert und jugendlich sowie verständlich thematisiert.

Das Ende wirkte für mich jedoch nicht ganz rund, es blieben ein paar wichtige Fragen offen. Gewünscht hätte ich mir noch eine mini kleine Auflösung der eigentlichen Problematik, die sich durch die gesamte Geschichte zog und irgendwie nun ein wenig in der Luft schwebte.

No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam stellt für mich ein lesenswertes Jugendbuch mit einer besonderen Thematik dar, die mir in der Form bisher noch nicht begegnet ist und gelungen umgesetzt wurde. Es wirkt locker und humorvoll, verliert die nötige Ernsthaftigkeit jedoch nicht aus den Augen. Besonders gut gefielen mir die Charaktere, zumal einige davon total skurril, aber liebenswert wirkten und der humorvolle und wertschätzende Umgang der Kids untereinander. Für mich eine Geschichte der Kategorie Buchtipp.

„Keiner von denen versteht uns, Mann“, sagte Milo zu JJ. „So sind Eltern halt.“
[Natasha Friend, No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam, S. 251]

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Weitere Meinungen

Der dichte Schreibstil, das unverbrauchte Thema und die Figuren ließen mich binnen sehr kurzer Zeit durch diese Geschichte gleiten. Ein wundervolles Buch mit ganz viel Herz über Familie, egal wo man sie findet! – Nightingale’s Blog

„Die darin behandelten Themen sind neu, wichtig und erfrischend in einer spannenden, berührenden Erzählung verarbeitet.“ – blackteabooks

 

 

Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar*.

9 Kommentare zu „Rezension: Natasha Friend – No. 9677 oder wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam

  1. Huch, Nicci…da sehe ich ja, dass du mich zitiert hast. Das freut mich aber!
    Deine Rezi ist wirklich schön geworden. Es freut mich, dass dich die Geschichte auch überzeugen konnte. An dem Ende rieb ich mich nicht. Es fühlte sich zwar nicht ganz komplett an, da hast du Recht, aber schlussendlich bietet die Autorin den Figuren bzw. dem Leser die Gelegenheit zur Entwicklung bzw. Spinnerei. Das gefiel mir irgendwie.

    Grüße dich lieb,
    Sandy

    Gefällt 1 Person

    1. Hehe, gerne! 🙂
      Und danke. Das stimmt, es lässt auf jeden Fall Interpretationsspielraum, jedoch war es für mich irgendwie nicht ganz rund und ich hätte gerne noch mehr Zeit mit der Bande verbracht. Dennoch konnte mich das Buch mit seiner besonderen Thematik abholen.

      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

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