Rezension | Olivia Vieweg – Endzeit

Eine unglaublich spannende, dystopische Graphic Novel.

Werbung | Olivia Vieweg | Endzeit | Verlag: Carlsen | 20.03.2018 | 288 Seiten | 22€ | Rezensionsexemplar* | Kaufen?

Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt. Die Städte Weimar und Jena haben es geschafft, einen Schutzzaun zu errichten und den Kreaturen zu trotzen. Die einzige Verbindung ist ein automatisierter, für Personen verbotener Zug.

Aber genau in dem begegnen wir Vivi und Eva, zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen, die hoffen, nach Jena zu gelangen. Doch es kommt zu einem Zwischenfall, und die beiden müssen den Rest des Wegs zu Fuß gehen. Zu Fuß durch eine Welt, in der der Tod gelernt hat zu rennen …

Olivia Viewegs preisgekrönte Geschichte wird bereits verfilmt. [Quelle]


Beim Stöbern im Comicladen bin ich auf dieses interessante Comic aufmerksam geworden, denn es lockte mich mit einem ungewöhnlichen Format. Beim Verlag ist es als Hardcover eingetragen, jedoch ist der Einband zwar stabil, aber hauptsächlich weich und flexibel. Mit 288 Seiten gehört es schon zu den dickeren Comicbüchern. Fun Fact: Das Taschenbuch, das 2011 erschienen ist, ist bei Amazon gebraucht für ca. 180€ erhältlich.

Endzeit (2)

Richtig cool fand ich, dass die Graphic Novel, als die dieses Comic auf der Hinterseite des Einbands gekennzeichnet ist, in Weimar spielt. Auch, wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, sorgt dies eher für ein verbundenes Gefühl, als Geschichten, deren Handlungsort in Amerika, Asien etc. ist.

Den Zeichenstil würde ich als detailverliebt, bunt und „krakelig“ beschreiben, vor allem Szenen, in denen es actiongeladen herging, besaßen viele Bewegungsstriche, Ausrufe und übermalende Farben. Mir gefiel das richtig gut, auch die Mimik der Charaktere kam gut rüber und die Details sorgten zum längeren Schmökern auf einzelnen Seiten ein. Gleichzeitig ging es besonders im zweiten Teil des Comics richtig zur Sache, sodass ich gar nicht merkte, wie flott ich durch die Seiten flog. Manche Szenen empfand ich als ziemlich gruselig, einige Momente wiederum als humorvoll, skurril – eine wahrlich gelungene, angenehme Mischung. Mir persönlich gefielen die künstlerischen, wundervollen Bilder, die ganze Seiten füllten und wahnsinnig intensiv wirkten, mit am besten.

Anhand der Farben konnte ich gut erkennen, ob es Nacht oder Tag ist und ob die Charaktere draußen oder drinnen sind. Auch Rückblicke waren farblich gut zu unterscheiden. Besonders gut gefielen mir die Darstellungen der Zombies. Die Sprechblasen waren recht groß, was ich sehr positiv fand. Auch die schönen und detailreichen Zeichnungen der Umgebung luden zum näheren Betrachten und Staunen ein.

Du kannst so einfach schlafen..
– Schlafen ist das Erste, was man in dieser Welt lernen sollte.
(Endzeit, Olivia Vieweg, S. 133)

Thematisch handelte es sich um die Geschichte von Vivi, die durch einen gefährlichen Zufall auf Eva trifft – zwei Mädels die super verschieden waren, aber im Verlauf füreinander einstehen mussten, obwohl sie sich kaum kannten. Die Postapokalypsen-Atmosphäre zog sich durch den gesamten Verlauf und löste ein ganz besonderes Gefühl in mir aus, ebenfalls die Frage nach dem Was wäre wenn? Es war super spannend, die beiden auf ihrem Weg zu begleiten – ohne die Rettung von irgendwelchen starken Kerlen, auf eigene Faust, todesmutig über den Schatten springend. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich um eine derartig tiefgründige, emotionale Story handeln würde. Aspekte wie Schuld, Vergebung, Neuanfang, Mut, Freundschaft und Loyalität standen im Mittelpunkt.

… ich glaube, die Erde ist ’ne kluge alte Frau …
… und die Menschen haben ihr zu lange keine Miete gezahlt.
Und das da draußen …
… das ist jetzt die Räumungsklage.
(Endzeit, Olivia Vieweg, S. 135)

Besonders Vivi hat ein großes Päckchen mit sich zu tragen, denn sie war dabei, als Zombies ihre Stadt überrannten, was immense Auswirkungen hatte. Seit dem leben die Menschen, die überlebt haben, in großer Angst. Am Handlungsort Weimar gibt es einen Zaun, der die Zombies fernhält, die einzige Verbindung nach draußen ist ein automatisierter Zug, der jedoch für Menschen verboten ist. Eva fand ich super cool, sie zeigte sich sehr mutig, aber auch loyal, obwohl sie mit Menschen bisher eher negative Erfahrungen gemacht hatte und oftmals aufgrund ihrer Fähigkeiten ausgenutzt wurde. Interessant fand ich die reflektierenden Gespräche, die die beiden Mädels führten, aber primär Eva in ihren Monologen, die sich oftmals um die Zustände auf der Welt und die Konsequenzen menschlichen Handelns drehten. Dies sorgte automatisch dafür, dass ich über die unsere Welt nachdachte und unser Verhalten diesbezüglich hinterfragte.

 

Fazit

Endzeit hat mich inhaltlich sowie zeichnerisch total beeindruckt und überraschte durch eine Tiefgründigkeit, die ich nicht erwartet hatte. Die Integration der vielseitigen Themen und die Darstellung der postapokalyptischen Welt fand ich super gelungen. Klare Leseempfehlung meinerseits, auch für Comiceinsteiger.

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Weitere Meinungen

Endzeit ist eine faszinierende Graphic Novel, […] die besonders durch die atmosphärische Stimmung hervorsticht. – Sternenbrise

„Endzeit“ ist ein guter Zombie-Comic auf hohem Niveau, der doch so gar kein Zombie-Comic ist. – Splashcomics

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Klappentext

Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt. Die Städte Weimar und Jena haben es geschafft, einen Schutzzaun zu errichten und den Kreaturen zu trotzen. Die einzige Verbindung ist ein automatisierter, für Personen verbotener Zug.

Aber genau in dem begegnen wir Vivi und Eva, zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen, die hoffen, nach Jena zu gelangen. Doch es kommt zu einem Zwischenfall, und die beiden müssen den Rest des Wegs zu Fuß gehen. Zu Fuß durch eine Welt, in der der Tod gelernt hat zu rennen …

Olivia Viewegs preisgekrönte Geschichte wird bereits verfilmt. [Quelle]


zum comic

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar*.

13 Antworten auf „Rezension | Olivia Vieweg – Endzeit

  1. Pingback: Monatstrallafitti Mai – Trallafittibooks

  2. Mikka Liest

    Hallo,

    In den letzten Jahren habe ich fast gar keine Comics oder Graphic Novels mehr gelesen, aber eigentlich wollte ich das ab und an mal wieder tun. :-) Das hier sieht großartig aus, das muss mal auf die Leseliste.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

  3. Pingback: Leselaunen | Wochentrallafitti: Im Lesestruggle – Trallafittibooks

  4. Jill von Letterheart

    Liebe Nicci, auf den Comic bin ich schon durch Becca und Sarah aufmerksam geworden und freue mich jetzt sehr, dass dich das Buch so begeistern konnte. Allein die Aufmachung finde ich schon unglaublich ansprechend und freue mich schon sehr auf die Geschichte!

    Liebste Grüße ❤ Jill

    1. Nicci Trallafitti

      Liebe Jill,
      ja, das Comic ist wirklich etwas besonderes, vor allem aufgrund der Kulisse, die gar nicht mal so weit weg ist :)
      Die Aufmachung und den Zeichenstil mochte ich auch sehr.
      Viel Spaß beim Lesen <3

  5. pineapplesbooknook

    Hey Nicci,

    eine tolle Rezi! „Endzeit“ wird heute gleich noch gekauft, obwohl ich mir im Mai ja ein kleines Kaufverbot auferlegt habe XD Aber Zombies und ein Setting in Deutschland – das hat man selten! Und es wird auch Zeit, dass ich mal wieder mehr Comics und Mangas lese….

    LG Kathi

  6. ricysreadingcorner

    Okay, ich denke, ich sollte auch endlich mal wieder mit dem Comic-Lesen anfangen! Das hört sich ja super spannend an! :) …wandert direkt mal auf meine Wunschliste. Danke für die schöne Rezension!

    Liebe Grüße
    Ricy

  7. Pingback: Leselaunen | Wochenrückblick: Viel Spaß auf dem Mond – Trallafittibooks

  8. NadelNerd

    Hallo,
    ich lesen deinen Beitrag grade mit meiner Olivia Vieweg Tasse in der Hand. Leider habe ich Endzeit aber noch nicht gelesen, es steht noch auf meiner Wunschliste.
    Willkommen in der Comics für Einsteiger Runde!
    Liebe Grüße
    Ariane

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