Im Rahmen der Glück & Wunder Challenge präsentiere ich euch heute meinen ersten Beitrag. In dieser Woche geht es um das Thema Wunder und um die Frage „Was ist ein Wunder für dich?„
Zunächst zur Begriffserklärung. Als Wunder erklärt man sich gerne Ereignisse, deren Zustandekommen für Erstaunen und Verwunderung sorgen. Es bezeichnet somit etwas Ungewöhnliches, Erstaunliches. Doch was bezeichne ich als Wunder?
Einerseits besitzt der Begriff Wunder viele positive Bedeutungen für mich. Es ist ein Wunder, dass ich nach meiner rebellischen Jugend, in der ich es für eine gute Idee hielt, schon früh auf eigenen Beinen zu stehen, obwohl ich nicht mal ansatzweise einen Plan vom Leben hatte, mein Abitur geschafft habe – und das gar nicht mal so schlecht. Es ist ein Wunder, dass ich ganz zufällig mit dem Bloggen angefangen habe, obwohl ich vorher nie darüber nachgedacht habe. Ich habe es einfach getan. Und es ist ein Wunder, wie viele großartige Menschen ich dadurch kennenlernen durfte. Menschen, die Tag für Tag mein Leben bereichern, mich motivieren, inspirieren. Mich zum Lachen bringen, zum Nachdenken und ehrlich zu mir sind. Es ist irgendwie auch ein Wunder, dass ich diese Wohnung gefunden habe, ganz zufällig, und schon zwei Monate, nachdem ich die damalige Bewohnerin angeschrieben habe, eingezogen bin. Es ist ein Wunder, das mein 22 Jahre alter Corsa noch immer hält und sogar kürzlich erst ohne Mängel durch den TÜV kam. Es ist ein Wunder, dass ich noch nie geblitzt wurde (Okay, Lüge. Ein Mal, aber da kam nichts), bei meiner Fahrweise. Und dass ich noch nie einen Unfall hatte (klopf auf Holz).
So viele Wunder, die mich glücklich machen und auch ein bisschen an das Schicksal glauben lassen, denn beides hängt für mich zusammen. Wunder geben Hoffnung. Ich hoffe noch auf ein Wunder – ich glaube, das hat bereits jeder von uns schon einmal gesagt. Oft wird „Oh, was für ein Wunder“ als Reaktion auf überraschende Verhaltensweisen, Handlungen und Äußerungen der Menschen in unserem Umfeld getätigt, etwa, wenn der Partner endlich mal daran denkt, den Müll runter zu bringen. Oder wenn die beste Freundin tatsächlich mal pünktlich ist. Der Nachbar einen grüßt, obwohl er das eigentlich nie tut. Der Arbeitskollege mal nicht vergessen hat, die Mails zu checken.
Doch das Wunder an sich kann auch negative Bedeutungen haben. Es gibt so einiges, was ich persönlich merkwürdig, sonderbar, verwunderlich finde. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft verurteilt. „Ach, Sie sprechen aber gut Deutsch, das ist ja verwunderlich“ – ist es das? Selbst wenn die Person in Deutschland geboren wurde? Nur weil er/sie eine dunklere Hautfarbe hat? Menschen werden aufgrund ihrer Sexualität gemieden, gemobbt, oder sogar gejagt. Selbst die Tatsache, dass Homosexualität, oder welche Form von Sexualität auch immer, als anders, ungewöhnlich, untypisch dargestellt wird, finde ich als verwunderlich. Was macht Menschen, die heterosexuell sind zu etwas Gewöhnlichem? Oder anders: was macht homosexuelle Menschen ungewöhnlich? Und wer sagt überhaupt, was gewöhnlich, was merkwürdig, was normal, was typisch, was komisch ist?
Zwar habe ich nie erfahren müssen, was es bedeutet, aufgrund seiner Herkunft oder Sexualität, seiner Religion oder seines sozialen Status verurteilt zu werden. Aber ich glaube jeder von uns kennt Aussagen wie „so hätte ich dich nicht eingeschätzt“ oder auch „das ist aber ungewöhnlich, findest du nicht?„, hat sie vielleicht schon mal am eigenen Leib gespürt oder von Freunden & Familienmitgliedern aus Erzählungen mitbekommen. Ich bin fast 30 und mittlerweile sicher, dass ich keine Kinder haben möchte. Verwunderlich? Nein. Ich finde es verwunderlich, dass das immer noch als ungewöhnlich, als merkwürdig gilt. Dass man Frauen, die keine Kinder bekommen möchten nachsagt, doch „kein richtiges“ Leben zu haben. Für mich ist es ein Wunder, dass Lebensqualität, Ziele und Wünsche an den gesellschaftlichen Normen festgemacht werden und alles, was ein wenig davon abweicht, als unnormal gilt. Und es ist ein Wunder, dass Menschen sich noch immer so davon einschränken lassen. Ein großes Wunder ist für mich, dass es Menschen gibt, die ernsthaft annehmen, dass es völlig in Ordnung sei, über andere Körper entscheiden zu dürfen. Dass es in Ordnung ist, Menschen in ihrer Lebensqualität und -freiheit einschränken zu dürfen.*
Ich wünsche mir, dass Menschen offener werden. Neugieriger. Sich für andere glaubhaft interessieren und nicht nur nachfragen, um eine Erklärung für eigene starre Ansichten zu erhalten, mir der sie letztendlich eh nichts anfangen können, weil sie gar nicht in ihr Weltbild passt. Ich wünsche mir Toleranz und Akzeptanz, auch wenn einzelne Aspekte auf den ersten Blick noch so „ungewöhnlich“ wirken. Bei genauerem Hinschauen sieht man meistens, dass dieser Mensch hinter seinen Tattoos, hinter seiner „ungewöhnlichen“ Hautfarbe, seiner kinderlosen Lebensweise, seiner Religion, seinen bunten Haaren vielleicht doch gar nicht so anders ist. Leben und leben lassen – das wäre ein wahrliches Wunder der Gesellschaft.

*[an dieser Stelle empfehle ich euch Sarahs Beitrag zum Thema Freiheit]













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