Kurzrezension: Skottie Young – I hate Fairyland Band 1

Ein verrückter Aggrotrip durchs bunte Fairyland

Werbung | Skottie Young | I hate Fairyland Band 1 | übersetzt von: Gandalf Bartholomäus | Verlag: Tokyopop |  12.01.2017 | 128 Seiten | 14€ | Kaufen?

Skottie Young ist der bekannte Künstler hinter preisgekrönten Comics wie Marvels Der Zauberer von Oz sowie Szenarist und Zeichner des Fanlieblings Rocket Racoon. Mit I hate Fairyland startet der New-York-Times-Bestsellerautor nun seine erste eigene Serie …

Im Alter von zehn Jahren wünscht sich die kleine Gertrude in ein Wunderland voll Freude und Lachen – und landet zu ihrer großen Überraschung genau dort. Ihre Suche nach dem Schlüssel, mit dem sie wieder in die Heimat zurückkehren kann, zieht sich über ganze 27 Jahre hin. Äußerlich noch immer ein süßes Kind, ist sie innerlich zu einer verbitterten, zynischen und überaus bösartigen Hexe geworden, der kein Schimpfwort zu schmutzig und kein Gemetzel zu blutig ist … [Quelle]


kurz gesagt (1)

Dieses Comic wurde mir von meinem Comicdealer Olaf mit den Worten Gert ist sarkastisch, garstig und flucht ständig – ich dachte das passt zu dir empfohlen. Ja, danke. Noch Fragen?

Schon nach wenigen Seiten wusste ich: Olaf hat nicht zu viel versprochen. Gert ist eine Frau Ende 30, in einem Körper einer zehnjährigen. Auf dem Coverbild ist sie wahrlich gut getroffen, denn genau das beschreibt ihr Dasein perfekt. Durch einen blöden Zufall ist sie in dieses verrückte Märchenland geraten und sucht nun seit Jahren nach einem Schlüssel, um zurück nach Hause zu können – und so langsam verliert sie die Geduld. Alleine durch ihr kindliches Erscheinungsbild wirken ihre Äußerungen und Handlungen, die meistens irgendetwas mit Blut, Gewalt und Beschimpfungen zu tun haben, noch skurriler. Dabei wird sie von ihrem fliegenden Gefährten Larry begleitet, der meistens auch nicht so ganz wusste, wie ihm geschah. Die Dialoge taten ihr übriges und oftmals musste ich lauthals lachen.

…und sich dann aus dem Staub machen, noch bevor ich warm geworden bin und ihr den Mars aufreiße… wie ein Mars aufreißender Boss, der ich nun mal bin. Du verstehst, was ich sage, Larry?
– Selten.
– Was auch immer. Hast du noch das Dingens von dem Typen, das einen an den Ort mit den Dingern bringt?
– Das Tor der Eitelkeiten?
– Genau das.
(I hate Fairyland, Skottie Young)

Interessant fand ich die Sprache von Gert. Sie wirkt total derb und impulsiv, sodass man annehmen könnte, dass sie selten groß nachdenkt, bevor sie spricht. Sie flucht immerzu wie ein Kesselflicker und ist durchaus trinkfest. Gleichzeitig werden Kraftausdrücke durch Wörter aus dem Bereich der Süßigkeiten und deren Verzehr verwendet. Gut, dass immerhin ganz klein auf der Rückseite steht: Comedy 16+, denn die bunten, fröhlichen Zeichnungen könnten auf den ersten Blick trügen. Es ist ganz und gar nicht kindlich, auch wenn es sich hier um einen farbenfrohen, verrückten Wutausbruch quer durch ein gezuckertes Wunderland voller märchenhafter, skurriler Figuren & Gegenstände handelt. An jeder Ecke sorgt Gert für Unruhe und zahlreiche Tote, die Verletzungen werden zwar comichaft, aber doch explizit und grausam dargestellt.

Wie war das, von wegen nie wieder trinken, nachdem du einen Tag lang normal warst?
– Wie war das, von wegen halt dein Maul und lass uns uns abschießen?
– Klingt gut.
(I hate Fairyland, Skottie Young)

Die Zeichnungen gefielen mir wahnsinnig gut, besonders Mimik und Gestik wurden gelungen dargestellt, das Ende amüsierte mich köstlich und macht definitiv Lust darauf, diese Comicreihe weiter zu verfolgen. Cool fand ich die Covergallerie am Ende des Hardcovereinbandes, aber vor allem „Die kleine Geschichte“ über den Autor und seinen Werdegang – super spannend und lesenswert. Meiner Meinung nach machen genau solche Details das Leseeerlebnis erst recht unvergesslich – während ich die meisten Namen der Comiczeichner & -autoren direkt wieder vergesse (shame on you, Gehirn), bleibt mir der Name Skottie Young mit Sicherheit im Gedächtnis. Ein Vögelchen zwitscherte mir beim Gratis Comic Tag übrigens, dass er ein Coverbild für ein Deadpool Comic gezeichnet hat (vermutlich auch darüber hinaus, vielleicht sogar das gesamte Comic, aber da hat mein Hirn schon abgeschaltet und sorgte nur noch für Herzchenaugen). Her damit!

Fazit

I hate Fairyland 1 ist nichts für zartbesaitete Gemüter, doch alle anderen könnte es mit witzigen Dialogen, tollen Zeichnungen, schwarzem Humor und skurrilen Situationen begeistern. Ein bunter, verrückter Wutausbruch quer durchs verlakritzte Märchenland. Keinesfalls tiefgründig, aber wahnsinnig amüsant.

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Weitere Meinungen

„I hate Fairyland“ ist ein bitterböserlustiger Band. Man wird viel zu lachen haben, trotz oder gerade wegen der vollkommen übertrieben dargestellten Story – Splashcomics

Egal für welche Edition man sich letzen Endes entscheidet: „I Hate Fairyland“ bietet großartig präsentierten Brachial-Humor mit zahllosen Seitenhieben auf Kinder- und Familienkompatible Fantasyklassiker und wirkt dabei gleichermaßen unverbraucht wie ausgereift. – Dein Antiheld

Für mich ein klarer Überraschungshit und ein Fest für jeden schwarzhumoristischen Comic-Leser. – Bizzaro World

Hier wird wirklich schonungslos alles auf die Schippe genommen und es gibt einen Tabubruch nach dem anderen – Heldin in Strumpfhose

Ein unglaublich skurriles, witziges und buntes Abenteuer voller schwarzem Humor, das ich jedem empfehlen kann, der kein Problem mit gewaltreicher Comedy hat und Alice im Wunderland mal auf eine ganz andere Art und Weise erleben möchte. – Awkward Dangos

Reiheninformation

I hate Fairyland 1
I hate Fairyland 2
I hate Fairyland 3 (11.10.18)
I hate Fairyland 4 (?)

Band 1 Kaufen?

4 Antworten auf „Kurzrezension: Skottie Young – I hate Fairyland Band 1

  1. Pingback: Monatstrallafitti Mai – Trallafittibooks

  2. Pingback: Leselaunen | Wochentrallafitti: Im Lesestruggle – Trallafittibooks

  3. booknapping.de

    Hey Nicci,
    da ist er ja, dein Text zu „I hate fairyland“. Für mich ist der Titel ja Programm, da ich den Comic einfach furchtbar finde. Ich fluche gerne, bin nicht angepasst und habe Humor. Aber das ist mir alles zu … ich weiß gar nicht, wie ich es sage soll, doof? Zu flach, zu gewollt, zu … angestrengt? Ich habe es nicht länger als 3-4 Seiten ausgehalten. Da schaue ich doch lieber Itchy & Scratchy :-D

    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Nicci Trallafitti

      Liebe Sandra,
      bei mir ist das so, dass ich so alberne Sendungen nicht sehen kann. Weder Itchy, noch Family Guy, noch sonst irgendwas. Die Simpsons finde ich grenzwertig. Aber in dem Comic fand ich das echt amüsant :-D

      Liebe Grüße!

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