Rezension: Matt Haig – Echo Boy

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Audrey lebt in einer Welt, die von moderner Technik bestimmt wird und in der künstliche Menschen, die sogenannten »Echos« , darauf programmiert sind, jeden Befehl ihres Besitzers auszuführen. Eines Tages passiert das Unfassbare: Ein scheinbar defekter Echo tötet Audreys Eltern. Mit knapper Not kann sie entkommen und findet Unterschlupf bei ihrem Onkel. Dort trifft sie auf Daniel.

Daniel ist ein Echo – und er fühlt sich zu Audrey hingezogen, etwas, das eigentlich nicht sein kann. Doch er will sie beschützen. Denn Audrey schwebt noch immer in Lebensgefahr… (Quelle)

Über Matt Haig habe ich schon einiges gehört, sein Buch Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben steht schon seit Neuerscheinung auf meiner endlos langen Wunschliste. Als dtv mir Echo Boy dann in einer E-Mail empfohlen hat war ich natürlich sehr neugierig. 

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Bei Echo Boy handelt es sich um den ersten Jugendroman von Matt Haig. Die Thematik ist dystopisch, aber auch sciencefictionreich. Das Cover mit dem abgebildeten Mond gefiel mir auf Anhieb ziemlich gut.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgte über eine Situationsbeschreibung der Protagonistin Audrey, in der sie einen Vergleich stellt zwischen dem Jetzt und der Zeit vor dem Tod ihrer Eltern. Es wurde in einer Vergangenheitsform der Ich-Perspektive erzählt, abwechselnd aus der Sicht von Audrey und Daniel, wobei die Erzählanteile sich über viele Seiten erstrecken und somit nicht ständig wechseln, was ich persönlich in dem Fall sehr angenehm fand. Auch der besondere, metaphorische Schreibstil gefiel mir gut.

„Ich fragte mich, warum die Welt so aus den Fugen geraten war, wo es sich bei der Liebe doch um etwas derart Ansteckendes handelte.“ [Echo Boy, S. 238]

Die Geschichte spielt in der Zukunft, in einer Welt die mich zugleich fasziniert wie schockiert hat. Wie immer möchte ich nicht zu viel vorweg nehmen, aber ich kann sagen, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, selbst mal von menschlich aussehenden Robotern im Haushalt unterstützt zu werden (wobei das natürlich sicherlich Vorteile hätte), über sogenannte Pods zu vergangenen Situationen reisen zu können, um sie mir erneut vor Augen zu führen und über Bahnen in der Luft mit Autos zu düsen, die mehrere tausend km/h fahren.

Eigenartig war, dass viele Emotionen gut rüber kamen, hauptsächlich aber auf der Ebene der Nebencharaktere. Was die Protagonisten betrifft hatte ich jedoch leider das Gefühl, irgendwann im Verlauf etwas grundlegendes verpasst zu haben. Das Buch ist mit seinen 400 Seiten nicht kurz, trotzdem fehlte mir was. Interessant fand ich insbesondere, wie die Fäden im Verlauf zusammenliefen, einzelne Charaktere und deren Geschichten zusammen hingen und vermeintliche Ansichten und Handlungen moralisch für mich begründet oder auch verworfen wurden.

„Es kam mir nicht einmal seltsam vor, denn um etwas seltsam zu finden, muss man Normalität erfahren haben.“ [Echo Boy, S. 147]

Audrey mochte ich, auch wenn sie für mich zeitweise nicht (be)greifbar war. Daniel löste hingegen vieles in mir aus, insbesondere aber Sympathie, Verständnis und Hoffnung. Die Entwicklungen der beiden im Einzelnen fand ich sehr gelungen. Was das Zusammenspiel betrifft hätte ich mir einen detaillierteren Ausbau gewünscht, um es insgesamt authentischer wirken zu lassen. Meine Lieblinge in der Geschichte waren Leo und Rosella. Ich mochte Leos Ansichten und seinen Mut, und ich mochte Rosellas Einsatz für die Menschen in ihrem Umfeld, auch wenn dies vor allem zu Beginn von Egoismus geprägt war. Ihre Rolle fand ich interessant, die Integration in die Geschichte sehr gelungen. Manche Charaktere hingegen blieben jedoch etwas blass.

Das Ende war sehr offen und ganz dystopielike weder gut noch schlecht. Es sorgte definitiv dafür, dass es mir im Gedächtnis bleiben wird und lässt Raum für eigene Interpretationen.

Echo Boy hat mich mit seiner dystopischen Sciencefiction-Thematik beeindruckt, über die ich gerne mehr lesen würde. Viele Charaktere waren gelungen gezeichnet und sorgten dafür, dass ich mich gut auf die Handlung einlassen konnte. Die Beschreibungen der wechselnden Settings fand ich richtig gut. Einige, meiner Meinung sehr wichtige Emotionen blieben leider auf der Strecke und damit die für mich nötige darauf bezogene Authentizität. Für mich somit eine spannende Zwischendurchlektüre!

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Weitere Rezensionen

Nicoles Bibliothek || Lillis Buchseite

 

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12 Kommentare zu „Rezension: Matt Haig – Echo Boy

  1. Hi Nicci,
    eine tolle Rezension! Das Buch hat mich schon vor der Erscheinung sehr neugierig gemacht, aber irgendwie bin ich noch nicht dazu gekommen, es zu lesen. Schade, dass es dich nicht komplett überzeugen konnte. „Ich und die Menschen“ soll ja auch sehr gut sein, das steht auch schon seit einer Weile bei mir im Regal.
    Liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hatte das Buch jetzt schon mehrmals in der Hand, da ich Matt Haig total toll finde, aber Matt und ein Jugendbuch? Hm, ich war nicht so überzeugt. Deine Rezension hat mich nun aber neugierig gemacht und ich werde mir das Buch kaufen. 😀

    Liebste Grüße
    Ellen

    Gefällt 1 Person

  3. Hach, Matt Haig ist großartig! Ich würde ganz besonders „The Humans“ („Ich und die Menschen“) empfehlen – eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Echo Boy habe ich bisher im Buchladen immer wieder ins Regal gestellt, eben weil es ein Jugendbuch ist. Aber vielleicht schau ich jetzt doch mal rein 🙂

    Gefällt 1 Person

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