Rezension: Marci Lyn Curtis – Alles, was ich sehe

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Titel: Alles, was ich sehe
Autor: Marci Lyn Curtis
Seiten: 428
Preis: HC 18,99€;  Ebook 10,99€
ISBN: 978-3-551-56022-3
Verlag: Königskinder (Carlsen)

Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann.“

Ich entdeckte Alles, was ich sehe bei den Blogger-Willkommensgeschenken auf der Carlsen Seite und fragte es direkt an. Der Inhalt klang spannend, irgendwie mysteriös. Und das hübsche Cover machte mich neugierig.

Meine Meinung

Bereits zu Beginn stellte ich fest, dass mich eine spannende Geschichte von Maggie, der äußerst sarkastischen Protagonistin, erwartete..
Der Einstieg gelang mir gut, ich erfuhr etwas über Maggie und ihren Alltag, jedoch noch nichts genaues über die Hintergründe. Dies zog sich durch die weiteren Kapitel, die erst nach und nach alles aufklärten wodurch es umso spannender war.
Der angenehme Schreibstil, der anregte, zwischen den Zeilen zu lesen, tat sein Übriges. Die vielen, relativ kurzen Kapitel endeten fast immer mit einem kleinen Cliffhanger. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Weil sich nichts tat, dachte mein Gehirn, es wäre Nacht.
Mit anderen Worten, mein Leben war so scheißlangweilig,
dass mein Gehirn dachte, es wäre Zeit zum Schlafengehen.

Maggie wirkte nicht nur sarkastisch, sondern in manchen Situationen auch verzweifelt und melancholisch. Zunächst hatte ich Mitleid mit ihr, fragte mich, wie es wohl ist blind zu sein. Und dann kam Ben.
Ben war mir mit seiner frechen, liebenswürdigen Art auf Anhieb total sympathisch. Im Gegensatz zu mir hatte er kein Mitleid mit Maggie, was nicht zuletzt daran lag, dass sie ihn ja sehen konnte. Durch zahlreiche lebensfrohe Kommentare machte er ihr Mut und gab ihr einen Teil ihrer Hoffnung zurück. Er nannte sie Thera, nach einer Figur in einem Computerspiel, der sie ähnelte.

„Du liest also keine Bücher über Drachen?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Zauberer?“
Ich verdrehte die Augen.
„Mystiker? Astronauten?“
Ich knurrte.
„Mann, Thera. Das ist doch kein Leben“, sagte er. Er lächelte dabei.

Sein Bruder Mason war mir anfangs suspekt, jedoch wurden seine Beweggründe später deutlich. Er distanzierte sich zum eigenen Schutz von Maggie.
Später fand ich ihn toll. Verständnisvoll, hilfsbereit und Ben gegenüber sehr loyal.
Die Eltern der Protagonistin spielten ebenfalls eine große Rolle und hatten stets einen immensen Einfluss auf sie und ihre Entwicklung.
Man erfuhr immer mehr darüber, wie es früher war und warum es heute ist, wie es ist.
Besonders ergriffen war ich von den dargestellten Mutter-Tochter-Situationen. Ich wollte die Mutter in vielen Situationen gerne schütteln. Und Maggie dazu ermutigen, ehrlich zu sein. Auch den Vater hätte ich gerne dazu ermutigt, alte Traditionen und Rituale wieder aufleben zu lassen, unabhängig von aktuellen Hindernissen.
Ein sehr interessanter und wichtiger Nebencharakter war Clarissa. Eine stets treue und aufbauende Freundin von Maggie, ob sie wollte, oder nicht.

Ein wichtiger Aspekt in der Geschichte war Fußball, der immer wieder einen Bezug zur (familiären) Vergangenheit stellte und in manchen beschriebenen Situationen im Jetzt einen fahlen Beigeschmack hatte.
Auch Musik spielte eine große Rolle und zog sich durch die gesamte Geschichte. Sie hatte in vielen Richtungen einen großen Einfluss und schaffte eine Verbindung zwischen mancher Charaktere, die es vermutlich zunächst selbst nicht angenommen hätten.

Maggie machte im Verlauf eine starke Entwicklung durch, wurde autonom und selbstbewusst. Sie begegnete Menschen endlich auf „Augenhöhe“ und fand nach und nach ins Leben – und vor allem zu sich selbst zurück, wobei sie Unterstützung von wirklich großartigen Menschen erhielt, von denen sie es zunächst nicht angenommen hätte. Ich übrigens auch nicht.

Ich hatte das seltsame Gefühl, mit einem Fuß fest in einer neuen Welt zu stehen,
während der andere noch in der Vergangenheit verwurzelt war.
Eine Grätsche zwischen zwei Welten, denen ich beiden nicht ganz angehörte.

Fazit

Eine wirklich schöne, emotionale Geschichte von einer sarkastischen Protagonistin die aus ihrer Verzweiflung nach und nach zurück ins Leben, aber in erster Linie zu sich selbst findet. Dabei unterstützen sie großartige Charaktere, allen voran Ben, ein wirklich sympathischer, lebensfroher Junge.
Alles, was ich sehe gehört für mich persönlich in die Kategorie:14657800_1115786608491020_1571496987_n

Vielen Dank an Carlsen und Königskinder für das Rezensionsexemplar!

Hier geht’s zum Buch.

Zum Autor

Marci Lyn Curtis wuchs in Nordkalifornien auf, wo sie Biologie studierte. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und einem Dackel in Maryland. „Alles, was ich sehe“ ist ihr erster Roman.
https://www.carlsen.de/urheber/marci-lyn-curtis/70969

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