Rezension: Christoph Scheuring – Absolute Gewinner

Eine unterhaltsame Geschichte mit interessanten Nebenfiguren, bei der das Tempo zwischendurch durch krimihafte Anteile angehoben wurde…

Absolute Gewinner

Christoph Scheuring | Absolute Gewinner | empfohlen ab 12 Jahren | Verlag: Magellan | Leseprobe | 18.01.2018 | 288 Seiten | HC: 15€ | Amazon**

Als Loser-Truppe und mit einem Hausmeister als Coach ein bundesweites Basketballturnier gewinnen? Das kann nicht funktionieren – dachte Luca jedenfalls, bis sich sein ungleiches Underdog-Team gar nicht mal so schlecht anstellt. Doch kaum beginnt er, ein bisschen an seine Mannschaft zu glauben, ist der Trainer plötzlich verschwunden. [Quelle]


Auf der Frankfurter Buchmesse wurde mir dieses Buch vorgestellt. Die Thematik, die auf dynamische Gruppenprozesse schließen ließ hat mich neugierig gemacht, sodass ich mich für den Release vormerken lassen habe.

Zunächst möchte ich die optische Gestaltung von Absolute Gewinner loben, denn das besondere ist, dass sich das Cover anfühlt wie ein Basketball, was das Leseerlebnis noch authentischer macht. Auch gefielen mir die kleinen Illustrationen mit passenden kurzen Zitaten an den Kapitelanfängen richtig gut.

Absolute Gewinner2

Der Protagonist Luca war mir leider wenig sympathisch. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass er, obwohl (oder weil?) er eher in einer Außenseiterposition war, wenig Empathie und Feingefühl besaß, manchmal wirkte er ziemlich skurril und vor allem intolerant. Der Schreibstil war jugendlich und locker, dadurch dass die Geschichte in der Ich-Perspektive verfasst wurde kam es so rüber, als würde Luca einem Kumpel von den Geschehnissen berichten, was ich zweckgemäß fand, zumindest was die Erzählweise anging. Im Buch gab es allerdings zahlreiche Vorurteile, die vor allem optische Eigenschaften von Menschen betrafen, beispielsweise blieben kleine Männer nie locker und Dunkelhäutige hätten ein typisches riesiges Afro-Lachen, was ich in dem Kontext irgendwie unangenehm fand, besonders wenn man bedenkt, dass Luca selber sehr unter einer körperlichen, störenden Eigenschaft leidet.

Wer nicht locker blieb, war der General. Wie das so ist bei kleinen Männern.
(Absolute Gewinner, S. 222)

Zu Beginn wurde der Aspekt, dass Luca eine sehr hohe, krächzige Stimme besaß, immer wieder thematisiert, sodass ich das Gefühl hatte, dass es wichtig für den Verlauf sein würde. Doch später habe ich das nicht mehr auf dem Schirm gehabt, auch wurde es nicht mehr erwähnt, was ich unpassend fand, denn letztendlich stellte genau das anfangs einen sehr wichtigen Punkt in Lucas Leben dar, mit dem er nicht gut zurecht zu kommen schien. Ich hätte mir dahingehend gewünscht, dass dies nochmal aufgegriffen wird und nicht während der rasanten Ereignisse völlig aus den Augen verloren wird.

Ich persönlich habe zuvor kein Buch gelesen, das sich mit der Sportart Basketball beschäftigt, somit fand ich die Thematik sehr erfrischend, auch wenn es zahlreiche spezifische Begriffe gab, die mir größtenteils fremd waren, sich aber meistens aus dem Zusammenhang ergeben haben. Insgesamt gefiel mir die inhaltliche Umsetzung ganz gut, das Tempo wurde durch krimihafte Aspekte angehoben. Nicht nur, dass der Trainer der bunten, jugendlichen Truppe von heute auf morgen verschwand, plötzlich hatten zwielichtige Gestalten ihren Auftritt und die Kids mussten sogar einen Ausflug nach St. Pauli unternehmen, um etwas über die Hintergründe ihres Trainers zu erfahren. Es gab ein paar Wendungen, die insbesondere Jana – eines der Mannschaftsmitglieder – betrafen und mich überraschen konnten.

Neben jugendlichen Angelegenheiten wie Verliebtsein, Vereinssport und Konflikte mit den Eltern wurden außerdem Gesichtspunkte wie unklare familiäre Hintergründe und dessen Erforschung, Macht, Selbstvertrauen, korrupte Wettbüros und besondere Fähigkeiten im Computerbereich angesprochen. Daraus ergaben sich zahlreiche krimihafte, gefährliche, aber auch humorvolle und skurrile Situationen, in denen mir die Rolle des Coaches am besten gefiel. Auch hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass der Handlungsverlauf so ernst und tiefgründig sein würde. Besonders von Heinrichs Talenten konnte die Gruppe profitieren, wodurch er zu einer wichtigen Basis wurde – und für mich zum Helden.

Die Auflösung fand ich angemessen, auch wenn noch ein paar Fragen meinerseits offen geblieben sind. Letztendlich handelte es sich für mich um eine spannende, jugendliche Geschichte für Zwischendurch, die mich gut unterhalten hat und die man aufgrund des lockeren Schreibstils und der übersichtlichen Seitenzahl recht flott lesen kann. Mit dem Protagonisten bin ich leider nicht wirklich warm geworden, die Nebencharaktere, vor allem Heinrich und Jana, aber auch den Coach, empfand ich persönlich als viel interessanter und ihre Geschichten gehaltvoller als Lucas.

Absolute Gewinner gefiel mir im Ansatz zwar gut, jedoch fehlte mir etwas. Bezüglich der erhofften Gruppendynamik zwischen den Jugendlichen wurden ein paar wichtige Aspekte angesprochen, die leider nicht alle ausgebaut worden sind. Dennoch eine unterhaltsame Geschichte mit interessanten Nebenfiguren, bei der das Tempo zwischendurch durch krimihafte Anteile angehoben wurde.

Kategorie: Zwischendurchlektüre


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Klappentext

Als Loser-Truppe und mit einem Hausmeister als Coach ein bundesweites Basketballturnier gewinnen? Das kann nicht funktionieren – dachte Luca jedenfalls, bis sich sein ungleiches Underdog-Team gar nicht mal so schlecht anstellt. Doch kaum beginnt er, ein bisschen an seine Mannschaft zu glauben, ist der Trainer plötzlich verschwunden. Mitten im Turnier. Und das, obwohl es ihm so wichtig gewesen ist. Jetzt müssen sich Luca und seine Teammitglieder nicht nur auf dem Platz beweisen, sondern auch das Rätsel um den Hausmeister lösen. Dabei ahnen sie nicht, mit was für zwielichtigen Typen sie es zu tun bekommen. [Quelle]


Buch beim Magellan Verlag | Leseprobe | Amazon**

 

 

 Danke an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar*.

18 Antworten auf „Rezension: Christoph Scheuring – Absolute Gewinner

  1. annafuchsia

    Liebe Nicci ❤

    Wie ich finde, eine tolle und ausdrucksstarke Rezension, die auch die negativen Punkte konstruktiv darstellt. Ich würde nach dem Kommentar des Autoren leider auch nicht mehr dazu greifen, klingt die Reaktion doch sehr trotzig für mich, aber trotzdem eine tolle Leistung.
    So mancher hätte da weitaus weniger nette Worte für gefunden. Gerade wenn die krächzende Stimme am Anfang so betont wird und dann auf ein Mal im Echo verhallt, ohne gehört zu werden. Gerade wenn dies ein großes Problem für den Protagonisten ist, sollte ein Rückgriff irgendwie da sein…. bin da ganz deiner Meinung.

    Liebste Grüße,
    Anna

  2. Christoph Scheuring

    Sollte man eigentlich niemals machen, auf eine Rezension zu antworten, ich tu es trotzdem. Es ist nämlich so, dass ich mich selten eine Rezension so ratlos gemacht hat wie diese. Genauer gesagt war es nicht die ganze Rezension, sondern ein Absatz darin. Es ist folgender:

    >> Zu Beginn wurde der Aspekt, dass Luca eine sehr hohe, krächzige Stimme besaß, immer wieder thematisiert, sodass ich das Gefühl hatte, dass es wichtig für den Verlauf sein würde. Doch später habe ich das nicht mehr auf dem Schirm gehabt, auch wurde es nicht mehr erwähnt, was ich unpassend fand, denn letztendlich stellte genau das anfangs einen sehr wichtigen Punkt in Lucas Leben dar, mit dem er nicht gut zurecht zu kommen schien. Ich hätte mir dahingehend gewünscht, dass dies nochmal aufgegriffen wird und nicht während der rasanten Ereignisse völlig aus den Augen verloren wird.<<

    Das Problem, das ich mit diesem Absatz habe, ist: Eigentlich handelt das ganz Buch von nichts anderem. Es geht darum, dass man als junger Mensch – auch im übertragenen Sinn – keine Stimme hat und dass es keinen anderen Weg gibt, gehört zu werden, als sich zu sich selbst zu bekennen. Das ganze Buch ist eine Parabel zu diesem Thema. Deshalb heißt das Schlusskapitel dann auch ganz explizit "Meine Rede". Viel plakativer kann man es eigentlich gar nicht machen, fürchte ich.

    1. Nicci Trallafitti

      Lieber Christoph,
      schade, dass das einzige, was du aus meiner Rezension mitgenommen hast ist, der negative Aspekt ist, den ich meiner Meinung nach dennoch wertschätzend dargestellt habe.
      Weder ändert Ratlosigkeit noch eine Begründung für einzelne Aspekte irgendwas an meiner persönlichen Einschätzung, denn letztendlich handelt es sich um den Eindruck den ich beim Lesen bzw. danach hatte.
      Es mag sein, dass das aus deiner Sicht alles angemessen dargestellt wurde, mir hat scheinbar etwas gefehlt.

      Wie du an den Kommentaren sehen kannst, konnte ich die Leser trotzdem neugierig machen.

      Liebe Grüße und alles Gute,
      Nicci

      1. Christoph Scheuring

        Vielleicht habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt: Natürlich darfst du ein Buch kritisieren, zerpflücken, teeren und federn, ganz wie du magst. Du darfst auch Dinge vermissen, Aspekte einfordern und Haltungen anprangern. Die Frage ist nur: Ist es auch okay, Dinge zu schreiben, die einfach nicht stimmen? Wie zum Beispiel deine Behauptung, dass Lucas „sehr hohe, krächzige Stimme … völlig aus den Augen verloren wird.“ Ich denke: Solange du als Privatmensch solche Dinge schreibst, darfst du auch das. Aber was ist, wenn du deinen Blog auf allen erdenklichen Plattformen teilst, dich also in einen öffentlichen Raum begibst? Sollte man es dort mit Begriffen wie „Wahrheit“ oder „Sorgfalt“ nicht vielleicht ein klein bisschen genauer nehmen?

    2. Jill von Letterheart

      Hallo Christoph,

      trotz Niccis Kritikpunkte hätte ich wohl zum Buch gegriffen, weil ich den beitrag dennoch sehr interessant fand.
      Durch deine Raktion/ dein Auftreten muss ich aber gestehen, dass mir die Lust nun vergangen ist.
      Das mag dir vielleicht nichts ausmachen, könnte aber durchaus auch irgendwann mehreren so ergehen, was bestimmt nicht in deinem Interesse liegt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass einem Kritik nicht immer zusagt, allerdings ändert es nichts an einem persönlichem Empfinden. Und auf diesem Blog wird nun einmal jeder nur Niccis Meinung finden, eben weil es ihr Blog ist.
      Ich hoffe, dass du bald einen Weg finden wirst, besser damit umgehen zu können.

      Grüße
      Jill

      1. Miss Foxy reads

        Da gebe ich Jill recht. Ich hatte das Buch tatsächlich schon auf der Wunschliste, mitunter auch durch Niccis Rezension, die ich vor wenigen Tagen schon mal gelesen habe. Da ist es jetzt definitiv nicht mehr drauf, denn wenn ich etwas nicht leiden kann und wenn es etwas gibt, von dem ich mich distanzieren möchte, dann sind es Autoren, die nicht professionell agieren.

        Mit negativer Kritik muss man umgehen können, zumal Niccis Rezension einzig einen negativen Aspekt beinhaltete und ja, der beruht auf ihrer persönlichen Meinung. Die vertritt sie auch in ihrem persönlichen Bereich. Für mich ist aber der Blog mehr noch als der persönliche Bereich ein Ort, an dem auch negative Aspekte angesprochen werden sollten. Und ich sehe es als unsinnig an, hier von richtigen oder falschen Fakten zu reden. Ein persönliches Empfinden ist kein Fakt, den man in richtig oder falsch einordnen kann. Der Autor löst sich mit dem Erscheinen des Buches insoweit von seinem Werk, dass seine Intention nur noch durch das Geschriebene transportiert werden muss. Wenn die also durchaus da war, aber von Lesern nicht erkannt wird, dann sollte man auch damit umgehen, dass man kritisiert wird. Irgendwo wird da ja dann wohl eine Schwäche vorhanden sein.

        In dem Sinne hoffe ich, dass Sie in Zukunft etwas professioneller agieren und kommentieren. Mehr Leser möchten Sie sicher nicht verlieren.

  3. Carlosia

    Huhu,
    danke für deine Rezi ♥

    Jetzt weiß ich endlich wieder wie der Verlag hieß … hatte ich irgenwie komplett vergessen :D
    Nun wird auf jeden Fall dort mal gestöbert!

    Liebe Grüße
    Carla

  4. Vanessa Callsen

    Huhu Nicci,
    Das Buch klingt gut ich hatte es sonabsolut nicht auf dem Schirm. Jetzt muss ich dich glatt mal ein bisschen recherchieren.😃

    Hab einen schönen Tag Nessi von Nessis Bücher ❤

  5. Pingback: Monatstrallafitti Februar – eine ausgewogene Mischung – Trallafittibooks

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