Maren Vivien Haase – Sounds of Silence | Rezension

Hallo Menschen, ich habe tatsächlich nach langer, langer Zeit endlich mal wieder einen Roman gelesen. Spoiler vorweg: ich wollte das Buch zeitweise in die Ecke knallen & schreien, dann wiederum habe ich gelacht, gegrübelt, mit mir selber diskutiert und bin zu einem Ergebnis gekommen. Und ich freue mich, euch nach so vielen Monaten (oder eher Jahren) wieder eine Rezension außerhalb von Manga & Comics zu präsentieren. Let’s Go.


sehr beschäftigt […] dass ich meinem Freund, der bereits schlief, nachts wütende WhatsApp-Nachrichten schrieb

In Sounds of Silence geht es um Tatum, die in eine kleine Stadt gezogen ist, um dem Trubel der Großstadt und einem traumatischen Erlebnis zu entfliehen. In Golden Oaks hilft sie ihren Eltern in deren Bed & Breakfast. Unser zweiter Protagonist ist Dash, für welchen es gar nicht laut genug sein kann, entweder um ihn herum oder direkt in seinen Ohren in Form von Musik über seine Kopfhörer.

Wir haben hier eine emotionale, mitreißende New Adult Geschichte mit zwei Charakteren, die verschiedener nicht sein könnten, aber dennoch einiges gemeinsam haben. Sounds of Silence hat mich an den Tagen, an denen ich es gelesen habe, auf jeden Fall sehr beschäftigt. So sehr, dass ich meinem Freund, der bereits schlief, nachts wütende WhatsApp-Nachrichten schrieb, weil ich mich so über gewisse Handlungen und Äußerungen geärgert habe. Aber: meine letzte Nachricht war dann: bin durch, ich fand es doch noch richtig gut.

ich wäre wahnsinnig gerne zu Gast dort und würde mich […] vor dem Kamin & den Bücherregalen mit einer Decke einkuscheln

Positiv hervorzuheben ist definitiv die Atmosphäre und die Stimmung in dem Buch. Wir haben Herbst, der Ort, in welchem die Geschichte spielt, wirkt wahnsinnig cozy, und das B&B erst recht – ich wäre wahnsinnig gerne zu Gast dort und würde mich zu Tatum auf einen gemütlichen Sessel vor dem Kamin & den Bücherregalen mit einer Decke kuscheln. Dazu gibt es dann hoffentlich leckeres Gebäck ihrer besten Freundin Frankie. Apropos Frankie, sie war mein Liebling, nicht nur weil sie rote wellige Haare und grüne Augen hat, sondern weil sie einfach wahnsinnig ehrlich, schlagfertig, loyal wertschätzend & hilfsbereit ist. Jede*r sollte eine Frankie an der Seite haben.

Mit unserer Protagonistin konnte ich mich tatsächlich auch häufig identifizieren, auch wenn sie über 10 Jahre jünger ist – was ich meistens gar nicht so auf dem Schirm hatte, für mich war sie manchmal einfach Ende 20. Vieles, was sie äußerte, hätte auch von mir kommen können – ja, auch die schlechten Sexwitze, ich liebs. Ebenso ihre sarkastische, zynische Art. Ähnlich wie ich stand sie auch vor wichtigen Änderungen und neuen Herausforderungen und ich fand es sehr spannend, sie dabei begleiten zu können. Generell fand ich es sehr cool, die Charaktere wachsen zu sehen. Beide, Tatum und Dash, sind sehr reflektiert und durchaus in der Lage respektvoll und wertschätzend zu kommunizieren. Ich mochte den Umgang den sie miteinander hatten, zumindest meistens. Und ich mochte es, wie sich beide nebenbeinander, aber auch miteinander entwickeln konnten. Aber. Kommen wir zu den Kritikpunkten, die ich bezogen auf den Plot habe. Ich versuche den Teil so spoilerfrei wie möglich zu halten, ansonsten springt am besten direkt zum Fazit.

– der folgende Absatz könnte kleine Spoiler enthalten –

Beide Hauptcharaktere haben mit Traumata zu kämpfen. Beide haben ihren eigenen Umgang mit ebendiesen. Beide haben mit kaum jemandem darüber gesprochen. Aber beide drängen den jeweils anderen a) darüber sprechen zu MÜSSEN und b) Gefühle zuzulassen, vielleicht auch mal zu weinen. Insbesondere bei Tatum habe ich es als sehr unangenehm empfunden, wie oft sie Dash darauf hingewiesen, gar dazu gedrängt hat, doch auch mal zu weinen? Kind of weird, sorry. Grenzen wurden für mich sehr häufig überschritten was das betrifft, beide bohrten sehr nach – vor allem kannten sie sich da, wenn ich mich nicht irre, gerade mal ein paar Wochen/Monate? Was ich zusätzlich manchmal weird fand, war es, dass oft so lebensbejahende Sprüche geäußert wurden, die eher wie classic Kalendersprüche auf mich wirkten á la „man muss auch mal Schmerz empfinden, sonst weiß man die guten Zeiten nicht zu schätzen“ – schwierig. Ohne Schmerz, Traumata etc. wär auch ganz nice. Und vor allem nur, weil jemand mehr schlimme, traumatisierende Situationen erlebt hat, bedeutet das nicht, dass der*diejenige das Positive mehr zu schätzen weiß. Oder zu schätzen wissen muss. Und eine absolute Redflag für mich ist es, wenn Personen andere, was ihre Bedürfnisse betrifft, bevormunden. Insbesondere im Sinne „ich bin nicht gut genug für dich/du hast etwas besseres verdient“ – das wirkt für mich immer wie eine faule Ausrede, lass mich doch bitte selber entscheiden, ob etwas gut (genug) für mich ist, oder nicht.

Schlussendlich hat die Autorin den Plot dennoch gut gestaltet, die Twists haben mich auf jeden Fall überrascht und mitgerissen, ich hab wirklich kurz innegehalten und das Buch zur Seite gelegt. Auch die Danksagung fand ich sehr schlüssig und wichtig – dort thematisiert sie etwas sehr wichtiges: bei der Bewältigung von Traumata gibt es kein Richtig & Falsch.

Fazit: Mir hat Sounds of Silence letztendlich doch noch richtig gut gefallen, auch wenn ich zwischendurch wirklich sauer auf einzelne Charaktere war, was aber sicherlich auch genauso gewollt und demnach gut umgesetzt war. Für mich handelt es sich insgesamt um eine unterhaltsame, emotionale, cozy Geschichte, die ich weiterempfehlen würde – natürlich mit dem Hinweis auf die Triggerwarnung, auf die zu Beginn (mit Seitenzahl) hingewiesen wird. Die farbige Karte der Stadt und die Playlist waren für mich zusätzliche süße Goodies.

Bewertung: 4 von 5.

Sounds of Silence bei Thalia | Autorin auf Instagram
19.10.2022 | Blanvalet Verlag | 432 Seiten

Inhalt: Tatum Sullivan fühlt sich nur sicher, wenn es still ist. Seit einem verhängnisvollen Tag in New York hat sie mit Lärm und den dadurch hervorgerufenen Panikattacken schwer zu kämpfen. Um der lauten Großstadt zu entfliehen, zog sie vor einigen Jahren mit ihrer Familie ins beschauliche Golden Oaks, Connecticut. Doch nicht einmal dort, umgeben von Seen und endlosen Wäldern, kommt Tatum zur Ruhe. Dash Adams liebt es laut. Je dröhnender die Musik in seinen Ohren, desto besser, und genau deshalb hat er sich auch eine Karriere als DJ aufgebaut. Denn wenn es still ist, ist er allein mit seinen Gedanken – Gedanken, die Trauer und Schuldgefühle auslösen. Als Dash einen Freund in Golden Oaks besucht und dort auf die schlagfertige Tatum trifft, funkt es sofort. Doch können leise und laut zusammen bestehen? [Quelle]


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