Gesünder ernähren, mehr Sport treiben, weniger kaufen, mehr lesen, endlich mal wieder den Keller aufräumen, die Garage entrümpeln, Freunde*innen öfter treffen, weniger Zeit im Internet verbummeln, abnehmen, fitter werden, auf Zucker verzichten. Jeder kennt diese typischen Vorsätze, viele nehmen sie sich vor, kaum jemand hält sie lange durch. Mein Vorsatz? Keine Vorsätze haben. Bis auf einen ganz bestimmten..
Sicherlich hat sich jeder von uns schon mal etwas ganz bestimmtes vorgenommen, vor allem zum Jahreswechsel. Zeit für ein neues Jahr, Zeit für Veränderungen. Bei mir waren es oftmals Dinge wie mehr Sport zu machen und mich gesünder zu ernähren. Danach wollte ich mehr lesen, vor allem auf Englisch. Mehr Klassiker lesen. Mindestens 100 Bücher im Jahr. Jedes Buch direkt zu rezensieren. Was daraus geworden ist? Genau das Gegenteil. Ich habe viel Zeit im Fitnessstudio verbracht, versucht mich gesund zu ernähren. Irgendwann war ich es leid und ich wollte einfach das machen, essen, sein, worauf ich Lust habe. Man ist die letzten Monate des Jahres damit beschäftigt, zu überlegen, was man sich für das nächste Jahr vornimmt. Das geht dann manchmal ein paar Wochen gut, vielleicht sogar ein paar Monate. Doch dann scheitert man vielleicht. Und schon ist das Jahr fast rum und man ist im Gedankenstrudel gefangen. „Aber nächstes Jahr. Nächstes Jahr nehme ich endlich ab/lese ich mehr/treibe ich mehr Sport.“ Und letztendlich ist man 90% der Zeit damit beschäftigt darüber nachzudenken, was man verändern will, nicht aber damit, was einem davon irgendwie versehentlich gut getan hat – meist total unbewusst. Von den Dingen, die man stattdessen gemacht und erlebt hat.

Ich habe mir Leselisten erstellt, mir bestimmte Bücher vorgenommen sowie bestimmte Genres – und das anhand von Reading Challenges a la lies mindestens 1 englisches Buch, lies ein Buch, welches in Amerika spielt, ein Buch mit einer weiblichen Protagonistin, ein Buch mit einem grünen Cover usw. 100 Bücher habe ich in diesem Jahr nicht ansatzweise gelesen. Und Rezensionen gab es hier in der „gewöhnlichen“ Form schon lange nicht mehr, aus Gründen. Meiner Ansicht nach werden Rezensionen kaum noch gelesen, ich teile meine Meinungen zu bestimmten Büchern lieber auf Instagram, oder in Beiträgen auf dem Blog, in welchen ich Kurzrezensionen zusammenfasse oder ähnliches.
Vorsätze sorgen bei mir meistens dafür, dass ich genau diese Dinge erst recht nicht mache. Je mehr ich mich darauf fokussieren will, desto weniger Lust habe ich generell darauf. Und irgendwann blende ich das Thema komplett aus. Ich bin es leid. Funfact: ich hatte auf die Bücher, die in meiner Leseliste standen, hinterher immer am wenigsten Lust und habe nur Bücher gelesen, die nicht drauf standen – und davon richtig viele. Vor ein paar Monaten habe ich noch drauf los gelesen, auch gerne auf Englisch. Seit dem ich mir das fest vorgenommen habe habe ich wie viele englische Bücher gelesen? Genau, kein einziges. Vielleicht sollten meine Vorsätze also eher lauten: lies keine Bücher mit grünem Cover. Oder generell mit einem Cover. Lies einfach gar keine Bücher mehr. Lies vor allem nichts auf englisch. Lies keine Comics. Schreibe keine Rezensionen. Poste keine Kurzmeinungen. Geh nicht über Los. Aber Spaß bei Seite.
Zu Beginn habe ich erwähnt, dass ich einen einzigen ganz bestimmten Vorsatz habe. Ich möchte glücklich sein. Und somit alles mögliche tun, kaufen, essen, lesen, hören, gucken was dafür sorgt dass es mir gut geht, mir gut tut, unabhängig davon, wie viele Kalorien es hat, wie viel es kostet (insofern es im Budget liegt) und vor allem unabhängig davon, was ich eigentlich lieber tun könnte, um produktiv zu sein. Kennt ihr das? Ihr verbringt einen entspannten Tag auf der Couch, kommt endlich zur Ruhe, guckt vielleicht ein paar (viele) Folgen einer tollen Serie und denkt euch: Mist, wieder nichts geschafft. Dabei habt ihr aber durchaus etwas geschafft, denn ihr habt euch etwas gutes getan. Und was soll daran bitte schlecht oder falsch sein? In den letzten Wochen lese ich sehr oft davon, dass Menschen an ihr Limit kommen, sich nicht mehr aufraffen können, dauerhaft platt sind, kurz vor dem Burnout stehen – oder schon mittendrin. Auch ich habe Zeiten erlebt, die mich total gestresst haben. Und blöderweise denkt man in genau solchen Momenten an seine Vorsätze zurück, welche mich persönlich dann zusätzlich runterziehen. Natürlich gibt es immer Sachen, die man erledigen muss – sei es der Haushalt, Mails beantworten, Pakete verschicken, einkaufen gehen, etc. Dafür mache ich mir an manchen Tagen in der Woche To Do Listen die ich abarbeite. Zum Glück bin ich ehrgeizig und schaffe dann auch viel. Aber langfristige Vorsätze sind nicht meins.
„Ich kriege aktuell nichts gebacken. Und gelesen habe ich auch schon lange nicht mehr, dabei habe ich mir das fest vorgenommen“. Nichts von alledem steht auf dem Grabstein, egal ob ihr „zu viel“ gewogen habt (wer entscheidet überhaupt was zu viel ist), zu wenig gelesen habt, zu wenig gearbeitet habt, zu viel Schokolade gegessen habt. Ich streiche das „zu viel“ (bzw. zu wenig) aus meinem Wortschatz, denn letztendlich gibt es in den meisten Fällen kein zu viel. Wenn man auf die Frage „war das zu viel/zu wenig?“ keine passende, angemessene, logische Antwort gibt, liegt es häufig daran, dass es keine gibt. Für mich gibt es kein ich habe zu viel gezockt, zu wenig gelesen, zu viel gelesen, zu viel genascht, zu viel ungesunden Kram gegessen, zu viel geschlafen. Wenn es mir gut getan hat war es genau das richtige – zumindest in dem Moment. Und selbst wenn ich 5 Monate lang kein Buch lese, aber dafür coole Games gezockt oder tolle Serien & Filme geguckt habe – so what? Du hast Bock 8 Stunden am Stück zu spielen? Dich einen ganzen Tag in einem bestimmten Buch zu verlieren? Oder immer wieder in dem gleichen? Du willst dir eine Serienstaffel an einem Tag reinziehen? Du magst Kuchen zum Frühstück? Go for it.

Mein Vorsatz ist, glücklich zu sein. Und das Drumherum ergibt sich dadurch ganz von allein. Kommt gut ins neue Jahr und lasst es euch verdammt noch mal gut gehen. Esst zu viel Schokolade, lest zu viele oder zu wenige Bücher, guckt zu viel Netflix, kauft zu viel Merch, besitzt zu viele Nerdklamotten, zockt zu viel, schlaft zu viel. So, wie es EUCH gut tut.














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