Die siebzehnjährige Kestrel ist die Tochter des ranghöchsten Generals und hat genau zwei Möglichkeiten: heiraten, oder der Armee beitreten. Doch fürs Kämpfen hat sie nicht viel übrig, auch erscheint ihr Heiraten nicht als geeignete Option. Durch einen blöden Zufall gewinnt sie bei einer grausamen Versteigerung, was ihre Situation grundlegend ändert. //Werbung
Seitdem ich dieses Buch auf einer Buchmesse gesehen habe, auf der es angekündigt wurde, war ich unglaublich neugierig drauf. Als es dann irgendwann bei mir eingetroffen ist, habe ich mich zeitnah mit Jill ans Lesen begeben. Dabei wurde ich positiv überrascht und letztendlich völlig begeistert.
Zu Beginn wirkte der Stil distanziert, lieblos und wenig detailliert auf mich, sodass ich mir das Setting nicht wirklich vorstellen konnte. Auch wurde so manche Situation eher knapp beschrieben. Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, konnte mich die Geschichte aber in den Bann ziehen – und nur schwer loslassen. Es gab 3 bestimmte Aspekte, die mich auch im Nachhinein völlig fasziniert haben:
Kestrel
Trotz der Tatsache, dass die Protagonistin Kestrel ihren Vater respektiert, lehnt sie seine Wünsche vehement ab. Die beiden Möglichkeiten, die er ihr vorgibt, scheinen beide nicht sehr attraktiv für sie zu sein und eigentlich möchte sie ihren eigenen Weg gehen. Mit ihren 17 Jahren ist sie recht reif, dennoch gilt es, eine eigene Persönlichkeit auszubilden und erstmal herauszufinden, was man überhaupt möchte, wo die eigene Rolle in der Gesellschaft ist, woran man glaubt, wofür man brennt. In dieser Geschichte wird im Verlauf deutlich, dass es nicht immer unbedingt richtig ist, das weiterzuführen, woran das eigene Volk glaubt und wie es sich so entwickelt hat. Dass es vielleicht sinnvoll ist, Dinge zu hinterfragen und seine eigene Meinung zu bilden. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und dass Loyalität nicht immer die Basis und vor allem keine Begründung oder gar Entschuldigung für Entscheidungen sein kann.
Kestrel trifft auf einige Hürden, die sie bewältigen muss. Ihr widerfahren schreckliche Dinge und sie muss erkennen, dass die Vergangenheit ihres Volkes einen immensen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung ihrer Situation hat. Ich mochte Kestrel, weil sie mutig und neugierig ist, aber auch Schwächen hat und an ihren Aufgaben wächst. Sie ist wahnsinnig klug, hat eine Stärke im Bereich Kriegsführung, auch wenn sie keine Kämpfern ist, und kann diese für sich nutzen. Sie macht eine immense Entwicklung durch und besonders ihr Handeln am Ende hat mich aus den Socken gehauen – auf eine mehr als positive Art und Weise.

Plot Twists
Auch, wenn ich manches ein wenig vorhersehbar fand, gab es einige Wendungen, die mich total überrascht und teilweise schockiert haben. So sehr, dass ich beim Lesen kurz innehalten und alles Revue passieren lassen musste. Es gab Kämpfe, die mich mitfiebern lassen haben. Folterungen und Gewalttaten, die für eine Gänsehaut – und teilweise für ein Ekelgefühl – sorgten. Äußerungen, die mich selber sprachlos machten. Charaktere, die weder gut noch böse waren. Mir war nie so richtig klar, wem man trauen kann, gefühlt jeder einzelne hatte etwas zu verbergen, was meistens mit eigenen Bedürfnissen und denen des eigenen Volkes zusammenhing. Und dann kam dieses Ende. DIESES Ende. Und ich konnte es gar nicht fassen. Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie es weitergeht. Übrigens enthält die Geschichte auch ein paar Aspekte für Fans von Liebesgeschichten, ohne dabei kitschig oder zu romantisch zu wirken.
Er kannte das Gesetz dieser Dinge: Menschen an hell erleuchteten Orten können nicht ins Dunkel sehen.
(Spiel der Macht, S. 58)
Moralische Fragen
Es gab selten ein Buch, das mich so ins Wanken gebracht hat, was moralische Fragen betrifft. Kernpunkt der Handlung ist das Versteigern, Ersteigern und Halten von Sklaven. Dies ist in dieser Welt völlig normal, trifft aber nicht bei Jedermann auf Begeisterung. Für die meisten gehört es zur Tagesordnung, Sklaven zu halten und diese im eigenen Haushalt zu beschäftigen. So auch für Kestrel. Doch plötzlich bekommt einer dieser Sklaven ein Gesicht, einen Namen. Und es fällt ihr zunehmend schwer, diesen als Leibeigenen zu betrachten.
Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser/die Leserin, was es überhaupt mit den Sklaven auf sich hat, wie es dazu kam, dass sie dazu wurden und wer sie genau sind. Diese Tatsache sorgt auf jeden Fall dafür, dass man darüber nachdenkt, ob das „in Ordnung“ ist. Doch nicht nur das. Zum Ende des ersten Bandes gibt es einen Twist, eine bestimmte Gruppe von Menschen lehnt sich gegen das System auf und fordert Land und Rechte ein. Mir stellte sich immer wieder die Frage: ist das nicht legitim? Oder sogar begründet? Ich will auf keinen Fall spoilern oder zu viel verraten, aber diese besondere Geschichte regt zum Nachdenken an. Es war ein stetes Auf und Ab, eine Achterbahnfahrt aus Gerechtigkeitsempfinden, Mitleid, Abneigung und Hoffnung, ein anhaltender Zwiespalt, in dem man sich als Leser befindet.
Das Ganze wird anhand von zwei Charakteren dargestellt, die auf den ersten Blick total ungleich wirken und aus völlig anderen Perspektiven auf das Leben blicken, aber letztendlich gar nicht mal so verschieden sind. Beide Personen sind ihrem Volk gegenüber loyal, merken aber, dass dies gar nicht so einfach ist, wenn Gefühle im Spiel sind, die dafür sorgen, dass man eigenes Handeln und das des eigenen Volkes hinterfragt.
Fazit
Spiel der Macht konnte mich trotz kleiner Startschwierigkeiten begeistern. Authentische Charaktere, ein interessantes Setting, zahlreiche Plot-Twists und ein Ende, das mich aus den Socken gehauen hat, boten ein spannendes Leseerlebnis. Besonders gelungen fand ich die Integration moralischer Aspekte durch die Darstellung von Sklaverei als Gesellschaftsform.
Kategorie: Liebling

Weitere Meinungen
5 Gründe zum Buch zu greifen bei Letterheart
„Als ich mit „Spiel der Macht“ angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass es mich so umhauen würde. Es hat verschiedene Gefühle in mir ausgelöst und am Ende war ich absolut gefesselt.“ – Piglet and her books
Infos zum Buch
Inhalt: Als Tochter des ranghöchsten Generals von Valoria hat die siebzehnjährige Kestrel nur zwei Möglichkeiten: der Armee beizutreten oder jung zu heiraten. Aber Kestrel hat fürs Kämpfen wenig übrig; für sie ist die Musik das kostbarste Gut. Einem plötzlichen Impuls folgend ersteigert sie den Sklaven Arin, der sie auf unerklärliche Weise fasziniert. Schon bald muss sie sich eingestehen, dass sie mehr für ihn empfindet, als sie sollte. Doch er hat ein Geheimnis – und der Preis, den sie schließlich für ihn zahlt, wird ihr Herz sein …
Romantisch, mitreißend und brillant erzählt – »Spiel der Macht« ist der erste Band der Fantasy-Serie »Die Schatten von Valoria«.
Band 2, »Spiel der Ehre«, erscheint im Juni 2019. Band 3, »Spiel der Liebe«, folgt voraussichtlich im Winter 2019. – Quelle
Werbung | Marie Rutkoski | Spiel der Macht | übersetzt von: Barbara Imgrund | 368 Seiten | 19,99€ | 28.09.2018 | Carlsen Verlag | Leseprobe | Hörprobe | Rezensionsexemplar* | zum Buch
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar*. Der Beitrag enthält Werbung durch Links, ohne Auftrag.













Hinterlasse einen Kommentar