Rezension: Erich Hackl – Am Seil

Wie es dazu kam, dass der stille, wortkarge Kunsthandwerker Reinhold Duschka in der Zeit des Naziterrors in Wien zwei Menschenleben rettete. Wie es ihm gelang, die Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt zu verstecken. Wie sie zu dritt, an ein unsichtbares Seil gebunden, mit Glück und dank gegenseitigem Vertrauen überlebten.Quelle


Meine Meinung

Auf der Leipziger Buchmesse wurde uns dieser Titel vorgestellt. Alleine die kurze Beschreibung des Inhalts sorgte dafür, dass ich neugierig wurde. Dieser Teil der (deutschen) Geschichte besitzt für mich immer seinen Reiz, denn ich finde es sehr wichtig, sich damit auseinander zu setzen und nicht zu vergessen, was während des zweiten Weltkrieges passiert ist.

Reinhold ist der Held meiner Geschichte.
Nur seinetwegen erzähle ich sie.
– Lucia Heilman

Auf 128 Seiten wird die ergreifende Geschichte des Kunsthandwerkers Reinhold Duschka erzählt, der in der Zeit des Naziterrors in Wien zwei Menschen rettete, indem er sie in seiner Werkstatt versteckt hielt. Er hat sich somit in große Gefahr gebracht, wirkte unglaublich mutig und selbstlos. Regina, deren Vater mit Duschka befreundet war, und ihre zu Beginn zehnjährige Tochter Lucia hielten sich vier Jahre lang in seiner Werkstatt in der Mollardgasse 85 a in Wien auf, arbeiteten für und mit ihm und bestritten einen Alltag, der stets von Emotionen wie Angst, kleinen Hoffnungsschimmern und Verzweiflung geplagt wurde, in einer beengten, eintönigen Atmosphäre. Reinhold Duschka versteckte die beiden nicht nur, er sorgte darüberhinaus dafür, dass Lucia Schulmaterialien erhielt, damit sie von ihrer Mutter, Doktor der Chemie, unterrichtet werden konnte. Mit den Produkten, die die beiden Frauen in der Werkstatt herstellten, verdiente Duschka ein wenig Geld, welches er wiederum in Nahrung für Regina und Lucia investierte.

Er war der beste Freund ihres Vaters, zu einer Zeit, in der Männer noch beste Freunde und Frauen beste Freundinnen hatten, vor einer halben Ewigkeit also.
– Am Seil, erster Satz, S. 7

Erzählt wird diese Geschichte auf der Grundlage Lucias Erinnerungen, und ruft eine dramatische, schwierige Zeit ins Gedächtnis. Gleichzeitig wird dadurch wieder deutlich, dass Intoleranz und Ausgrenzung auch heutzutage ein präsentes Thema in unserer Gesellschaft ist. Das Buch besitzt keine Kapitel, trotzdem gestaltete dies das Lesen nicht ermüdend oder anstrengend, im Gegenteil. Ich habe die Geschichte in einem Rutsch gelesen, konnte mich ihr nicht entziehen. Zwar wiegt die Thematik schwer, die Erzählung besaß jedoch aufgrund des angenehmen Schreibstils eine gewisse Leichtigkeit.

Im Untertitel auf dem Buch steht Eine Heldengeschichte – und genau das ist sie. Eine dramatische, emotionale, ergreifende Geschichte über einen Helden, der sich für zwei Menschen in Todesgefahr begeben hat, um ihnen letztendlich das Leben zu retten. Eine Geschichte über Menschlichkeit An der Wand seiner Werkstatt wurde im April 2013 eine Gedenktafel für ihn angebracht, die hier gezeigt wird. Im März 1990 erhielt er eine Auszeichnung.

Fazit

Am Seil ist eine ergreifende Geschichte über einen stillen Helden, der in der Naziterror-Zeit zwei Menschen in seiner Werkstatt versteckt hielt und dadurch rettete. Die Erzählung gewährt einen authentischen Einblick in eine Zeit, die nicht vergessen werden darf.

Kategorie: Liebling

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Inhalt„Wie es dazu kam, dass der stille, wortkarge Kunsthandwerker Reinhold Duschka in der Zeit des Naziterrors in Wien zwei Menschenleben rettete. Wie es ihm gelang, die Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt zu verstecken. Wie sie zu dritt, an ein unsichtbares Seil gebunden, mit Glück und dank gegenseitigem Vertrauen überlebten. Was nachher geschah. Und warum uns diese Geschichte so nahegeht.“ – Quelle

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Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.*

7 Antworten auf „Rezension: Erich Hackl – Am Seil

  1. Pingback: 10 Dinge, die ich im Juli gegoogelt habe – Trallafittibooks

  2. valarauco

    Liebe Nicci,

    das Buch klingt wahnsinnig toll und auch so wichtig! Da wünsche ich mir jedes mal es hätte mehr solcher Geschichten gegeben.
    Das Buch ist definitiv auf meine Wunschliste gewandert! Deine Rezension ist wirklich sehr gelungen.

    Liebe Grüße,
    Marion

  3. sarahricchizzi

    Liebe Buchnachbarin,
    deine Rezension habe ich gerade nur überflogen. Der Inhalt klingt so wahnsinnig gut. Es ist direkt auf meine Wunschliste gewandert. Gerade Geschichten mit einem geschichtlichen Hintergrund erachte ich als unbedingt lesenswert, insbesondere aus so schwierigen Zeiten wie des zweiten Weltkriegs.

    Superliebe <3

    1. Nicci Trallafitti

      Da stimme ich dir zu. Ich finde es gut, dass solche Geschichten erzählt werden. Diese schreckliche Zeit darf nicht vergessen werden. Erschreckend, dass man viele Parallelen findet zur heutigen Zeit beim Lesen.

      <3

  4. glimrende

    Hallo Nicci,
    oh, das hört sich nach einem spannenden Buch an. Quasi die „Erwachsenenversion“ von „Anne Frank“. Passt auch ganz gut zu dem Buch, dass ich gerade lese: „Das Verschwinden des Josef Mengele“. Ist von einem französischen Autor, wurde ganz neu ins Deutsche übersetzt. Er beschreibt die Flucht von Mengele nach Argentinien und generell die Problematik, wie dort viele Nazis untergetaucht sind. Sehr erschreckend.

    Viele Grüße,

    Steffi

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