Rezension: Make IT Real von Ally Crowe

Tagsüber arbeitet Fallon in einem männerdominierten IT-Unternehmen, nachts schreibt sie unter einem Pseudonym spicy Romances. Plötzlich muss sie jedoch auch im „Real Life“ als ihre erfundene Persönlichkeit auftreten – und das gerät schnell außer Kontrolle.

Der Beitrag ist aufgrund von Links und Kaufempfehlungen als Werbung gekennzeichnet. Bei dem Buch handelt es sich um ein E-Book-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via netgalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

So war mein Start in die Geschichte: Ich habe das E-Book zufällig auf NetGalley entdeckt und war nach dem Klappentext sofort neugierig. Eine Frau, die in einem Softwareunternehmen arbeitet, heimlich spicy Bücher schreibt und ein (vermutlich) heißer Rivale? Count me in.

So habe ich mich beim Lesen gefühlt: Und tatsächlich war ich schon nach den ersten Seiten total angetan von Fallon und ihrer Geschichte. Wie zu erwarten, erlebt sie als Frau in einem männerdominierten IT-Unternehmen nahezu täglich Sexismus. Die geschilderten Situationen und Äußerungen machten mich richtig wütend und sorgten quasi dafür, dass ich mich innerlich mit Fallon verbündete.

Ich finde es super wichtig, dass solche Themen in Romanen Raum finden – und vor allem nicht nur benannt, sondern auch eingeordnet werden. Es ist eine Sache, sexistische Takes von irgendwelchen Dudes einfließen zu lassen – viel wichtiger finde ich es allerdings, auch innerhalb der Geschichte darauf zu reagieren, um sie nicht einfach so stehenzulassen.

Anschließend hatte er mir geraten, doch mehr zu lächeln, weil das als Samuels Sekretärin zu meinem Job gehören würde. Jesper hatte ebenfalls nicht gelächelt, sondern die ganze Zeit über eher den Eindruck erweckt, ihm würde ein Zeh abfrieren, aber bei ihm war es natürlich professionell. Immerhin war er ein Mann, und niemand würde jemals auf die Idee kommen, so etwas zu ihm zu sagen.

Ally Crowe, Make IT Real (Kindle-Positionen 96-98), Kindle-Version

Gleichzeitig musste ich aber auch oft schmunzeln, weil Fallon nicht nur schlagfertig ist, sondern auf manches auch mit einem gewissen Humor reagiert, den ich sehr gut nachempfinden konnte. Manchmal ist Sarkasmus einfach eine ausgezeichnete Bewältigungsstrategie – das kennen wir vermutlich alle.

Übrigens gefällt mir auch die Cover-Gestaltung und die kleinen Illustrationen am Kapitelbeginn mit IT-Bezug richtig gut. Auf den ersten Blick wirkt es durch die Herzen und die Farben wie ein „klassischer“ Liebesroman und auf den zweiten Blick erkennt man dann die Codes.

Das hat mich gestört: Bei etwa 80 % im E-Book gab es eine Wendung, die ich nicht so ganz greifen konnte. Es fühlte sich für mich gehetzt und übereilt an. Noch mehr störte mich dann aber der Umgang mit der Situation – quasi „das Danach“. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das auf jeden Fall nicht. Ich glaube, ich habe zwei Kapitel mit Stirnrunzeln und punktuellem Augenrollen gelesen, weil ich es kaum glauben und schon gar nicht nachvollziehen konnte.

Irgendwann gab es dann zum Glück nochmal einen Twist, aber verzeihen konnte ich Fallon hier nicht. Tatsächlich wirkte es auf mich, als hätte man sie für eine Zeit lang gegen eine andere Person ausgetauscht. Schwer zu beschreiben, ohne zu spoilern – lest es am besten selbst, haha.

Und die Lovestory? Die Beziehung, die sich zwischen Fallon und „dem Rivalen“ entwickelt, fand ich insgesamt passend und authentisch – bis auf die Aussetzer, die ich eben beschrieben habe. Im letzten Drittel gibt es zudem spicy Szenen, die mich grundsätzlich nicht stören, hier aber irgendwie gehetzt und deplatziert wirkten.

Was mir allerdings RICHTIG gut gefallen hat, ist die Entwicklung, die beide durchmachen – jeder für sich und doch gerade wegen des anderen. Beide reflektieren sich und ihre Entscheidungen, WEIL sie miteinander agieren. Und das mochte ich sehr, sehr gerne. Auch Fallons Freundinnen spielten hier eine wichtige Rolle.

»Du findest es also nicht unfair, dass Leila weniger verdient als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie dieselbe Arbeit macht? Oder dass sie für eine Beförderung nicht einmal in Betracht gezogen wird, weil ihr das niemand zutraut? Oder dass sie sich ständig Kommentare zu ihrem oder dem Aussehen anderer Frauen anhören muss? Dass keiner der Typen, mit denen sie zu tun hat, seine Kollegen zurechtweist, wenn er unangebrachte Sprüche loslässt? Dass sie nach ihrer Familienplanung gefragt wird, während diese Frage keinem ihrer Kollegen gestellt wird? Oder …«

Ally Crowe, Make IT Real (Kindle-Positionen 1325-1329), Kindle-Version

Fazit: Es gibt vieles, was mir richtig gut an Make IT Real gefallen hat, und nur wenig, das mich gestört hat. Insgesamt hat mir die Geschichte um Fallon, ihr Autorinnen-Pseudonym und ihren Rivalen richtig Spaß gemacht. Ich wurde zu ihrer Verbündeten, wenn sie sich mal wieder mit männlichen Vollkatastrophen herumschlagen musste, und habe sie gerne begleitet, während sie sich reflektiert – und zum Glück weiterentwickelt – hat. Den Spice-Faktor habe ich hier nicht immer gefühlt, was aber nicht weiter schlimm ist.

Bewertung: 4 von 5.

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Autor:in: Ally Crowe, Übersetzer:in: –

Inhalt zum Aufklappen

Bei Tag schreibt Fallon Codes für ein Softwareunternehmen, bei Nacht spicy Romances. Damit sie es unter ihren männlichen Kollegen nicht noch schwerer hat als ohnehin, hält sie ihre Karriere als Autorin geheim und veröffentlicht unter dem Pseudonym Rosalie Golden. Umso zögerlicher reagiert sie auf den Vorschlag ihres Verlages, eine Lesung zu geben. Und tatsächlich: Ausgerechnet ihr Rivale Jesper steht vor ihr. Kurzerhand gibt Fallon sich als ihre erfundene Zwillingsschwester Rosalie aus. An der Jesper direkt ein unerwartetes Interesse hat. Als dieser daraufhin am Arbeitsplatz hilfsbereit ist wie nie zuvor, schmiedet Fallon einen Plan: Sie trifft sich als Rosalie mit Jesper, bis sie die längst überfällige Beförderung erhält. Oder er sich in ihr Herz hackt.

Quelle: Verlagsgruppe Oetinger

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2 Antworten zu „Rezension: Make IT Real von Ally Crowe“

  1. Karin

    Hallo Nicci,

     männerdominierten IT-Unternehmen…..Pseudonym spicy Romances……..hm…..hm….

    männerdominierten IT-Unternehmen…klingt irgendwie so negativ und könnte bei der ein oder anderen Leserin das Gefühl von….Sch….Männerwelt hervorrufen….

    Finde ich, aber in der heutigen Zeit auch etwas daneben….denn es gibt immer wieder Bereiche, wo Männer das Sagen/Bestimmen haben….siehe Koch/Köchinnen……da nimmt es jeder hin……das es so ist..oder?

    Wir leben doch in einer Zeit, wo jeder alles machen kann oder? Und das Geschlecht keine Rolle spielt….hm.

    Wieso macht hier die Autorin ihre Heldin so klein?

    Zumal beides Fallon doch Spaß macht..IT..und das Schreiben Pseudonym spicy Romances.

    Wobei ich es immer schade finde, wenn Autoren Pseudonyme benutzen….da sollte man einfach zu seinem Geschriebenen stehen…..und nicht versuchen 2 verschiedene Persönlichkeiten ins Leben zu bringen….vielleicht Angst for Misserfolgen……Gewinnsteigerungen….oder weiß was ich….

    LG……Karin…

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    1. nein, das nimmt zum glück nicht jeder so hin :)
      und dass jeder alles machen kann ist eine sehr privilegierte aussage – zwar KANN man erstmal vieles lernen oder studieren als frau, aber dennoch verdient man nicht immer gleich viel oder hat die gleichen chancen auch in den unternehmen angenommen zu werden.

      und wenn du das buch liest weißt du, wieso sie ein pseudonym benutzt und dass die autorin fallon nicht klein macht :)

      lg

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nicci

Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

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