Hörbuchrezension: Julia Engelmann – Wir können alles sein, Baby

Infos
Titel: Wir können alles sein, Baby
Autor: Julia Engelmann
Spieldauer: 56 Minuten
Preis: 7,99€; Ebook: 5,99€;  TB: 7,00€
Verlag: Der Hörverlag

„Mit »One Day« gelang Julia Engelmann ein sensationeller Poetry-Slam-Erfolg, der als Internetphänomen Millionen begeisterte und als Buch wie Hörbuch zum Bestseller wurde. Ihr ganz eigener Sound und ihre ganz eigene Sprache sind es, die die Herzen so berühren. Jetzt stellt sie erneut eine stimmungsvolle Playlist poetischer Texte über Träume und Liebe zusammen, über Wünsche und Freisein, aber auch über Loslassen und Traurigkeit. Julia Engelmann erzählt einfühlsam und bewegend davon, dass wir das Leben nicht verschlafen sollen, sondern was verändern, die Welt auf den Kopf stellen, ja, einfach mal Handstand machen – alles, was es braucht, ist ein bisschen Mut. Denn »wir können alles sein, Baby«!“

Nachdem ich Eines Tages, Baby auf der Zugfahrt nach Frankfurt quasi eingeatmet habe, habe ich Wir können alles sein, Baby unmittelbar danach im Bloggerportal als Hörbuch angefragt.

Meine Meinung

Das erste Hörbuch von Julia Engelmann überzeugte mich durch tolle, ehrliche Texte über Normen, Selbstfindung, Arbeit, Freundschaft und Co. Daraufhin war ich natürlich sehr neugierig auf die zweite Hörbuchausgabe ihrer Poetry Slam-Texte. Und auch diese konnte mich mitreißen, überzeugen und langfristig zum Nachdenken bringen.

„Gerade lebe ich zwei Leben. Eins ist echt, eins Fantasie.“  [Erster Satz]

Schon der Einstieg versprach die literarische Außeinandersetzung mit dem Leben und dessen Anforderungen sowie eventuelle Wünsche und Ideale. Auch geht es diesmal um die Liebe, Hoffnung, und gleichzeitig Enttäuschung. Um die eigene Stärke und das Selbstbewusstsein, ebenso um Verzweiflung.

„Sag mir, dass du Kopf stehst, um für mich die Welt zu tragen.“

„Denn außer meiner Sprache protzt und schillert hier sonst gar nichts.“

Teilweise übertrugen sich Emotionen durch Julias wortgewaltige Sprache auf mich, sodass ich mit ihr wütend, traurig und enttäuscht war, aber auch wieder Hoffnung schöpfte. Ich gewann gemeinsam mit ihr Klarheit und Willensstärke. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, auch, wenn ich nicht über die genauen Hintergründe der angedeuteten Inhalte bescheid wusste.

„Schluss mit dem Elend, der Haufen kommt weg. […] ist das Ende vom Ende auch immer ein Start. Ab jetzt geht’s bergauf. Weiter geht’s nicht bergab.“

Besonders gelungen fand ich, dass manche Passagen refrainartig wiederholt wurden, und zum Teil einen Rahmen bildeten, indem Julia sie am Anfang sowie am Ende erwähnte. Schmunzeln, aber auch grübeln musste ich vor allem während des 7. Titels Neue Bestandsaufahme, in der Julia darüber berichtete, was sie nicht kann, darüber was sie kann, und darüber was sie kann, aber nicht will. Einerseits wurde deutlich, dass es einiges gibt, was sie nicht kann. Trotzdem wirkte dies auf mich persönlich nicht ausschließlich negativ (keinen Ball fangen können), sondern auch positiv und ressourcenstark (nicht verbergen können, was man denkt; nicht verstehen können, warum jemand gemein ist oder angibt; Lügen nicht ertragen können). Julia reflektierte sich selbst, mit Blick auf die Vergangenheit und Auswirkungen auf die Zukunft. Dies wirkte melancholisch und träumerisch, teilweise auch sehnsüchtig. Sie war schonungslos ehrlich, wodurch eine angenehme Atmosphäre entstand, die dafür sorgte, dass ich das Gefühl hatte, mit einer Freundin zusammenzusitzen, die über sich und das Leben philosophierte. Gedanklich habe ich ziemlich oft geantwortet und zugestimmt.

 „Mir reicht kein kleines Müsli, davon werde ich nicht satt.
Manchmal wäre ich gerne schöner, aber das hat keinen Zweck.
Ich bin kein Modelmädchen, ich bin anders, unperfekt.“
Der Titel Familie hat mich mit den mir zwar fremden, aber trotzdem schönen Insidern und den hervorragend rübergebrachten Emotionen sehr beeindruckt und gerührt. Ich denke, fast jeder kann nachvollziehen, was das System Familie bedeutet oder bedeuten könnte und fühlt sich dadurch „heimisch“ beim Hören des Titels. Auch löste es ein Gefühl der Geborgenheit aus sowie die Intention, engen Familienmitgliedern eine nette Nachricht zu schicken, um ihnen ebenfalls zu sagen:
 „Hab ich euch heute schon gesagt wie gerne ich euch mag?
Ihr seid der Freundeskreis, den ich am allerlängsten hab.
Ihr seid mein Zuhause, ihr seid meine große Liebe […].“
Ich könnte ewig so weitermachen und beschreiben, was die einzelnen Titel in mir ausgelöst haben. Jedoch möchte ich natürlich nicht zuviel vorweg nehmen.
Lasst ihre Texte lieber selber auf euch wirken! Es lohnt sich…
Auch Wir können alles sein, Baby hat mich gänzlich überzeugt. Es war ein Genuss und eine Freude, Julia beim Vorlesen ihrer Texte zu lauschen und mit ihr auf die Reise zu gehen. Eine Reise durch Bereiche des Lebens mit vielen, verschiedenen Facetten und Aspekten. Emotional, wortgewaltig, schonungslos ehrlich.

Auch hier eine klare Hörempfehlung meinerseits!

Vielen Dank an Randomhouse für das Hörbuch-Rezensionsexemplar.

Hier geht’s zum Hörbuch.
Hier geht‘ zu Julias Facebookseite.

Zum Autor

Julia Engelmann wurde 1992 geboren und wuchs in Bremen auf. Seit einigen Jahren nimmt sie regelmäßig an Poetry Slams teil. Ein Video ihres Vortrags »One Day« beim Bielefelder Hörsaal-Slam wurde zum Überraschungshit im Netz und bisher millionenfach geklickt, geliked und geteilt. Neben dem Slammen gilt ihre Leidenschaft der Musik und der Schauspielerei. So spielte sie von 2010 bis 2012 in der Fernsehserie »Alles was zählt« mit. Zudem begleitete sie Anfang 2014 Tim Bendzko auf seiner Deutschland-Tournee.
https://www.randomhouse.de/Sprecher/Julia-Engelmann/p558227.rhd

Leseprobe von Wir können alles sein, Baby. (PDF Datei)

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