In This Isn’t Happiness geht es um Liebe, Lust und Zweifel in Langzeitbeziehungen. Ganz oben steht das erlahmte Liebesleben des Paares, und Amy ergreift harte Maßnahmen. Aber irgendwie vergisst sie dabei die wichtigste?
Der Beitrag ist aufgrund von Links und Kaufempfehlungen als Werbung gekennzeichnet. Das Buch ist ein eBook-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via NetGalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.
This isn’t happiness bei pola (Bastei Lübbe) | This isn’t happiness bei Amazon
Autor*in: Mary Newnham, Übersetzer*in: Johanna Czerny
Seitenzahl: 369, Preis: 14,99 € (E-Book)
Im Mittelpunkt stehen Amy und Josh, die seit zehn Jahren ein Paar sind. Sie haben sich gut eingerichtet, alles läuft stabil, aber die eigentlich geplante Hochzeit wird seit Jahren immer wieder verschoben. Plötzlich sind sie quasi gezwungen, endlich einen Termin festzulegen.
In diesem ganzen Hochzeitschaos stellt Amy fest, dass ihr Liebesleben ziemlich eingeschlafen ist. Sie beginnt, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um wieder mehr Nähe und Leidenschaft in die Beziehung zu bringen. Was sie dabei allerdings konsequent vergisst, und das hat mich wirklich unfassbar genervt, ist die wohl wichtigste Maßnahme überhaupt: Kommunikation. Amy spricht gefühlt mit allen Menschen über ihr Sexleben, nur nicht mit ihrem Partner.
Generell war das Sexleben irgendwie der Mittelpunkt von allem. Von der Geschichte, von Amys Gedanken, ihren Vorstellungen einer intakten Beziehung, Gesprächen mit Freundinnen, Anforderung an eine Hochzeit, einer erfolgreichen Hochzeitsnacht. Und das hat mich ziemlich gestört.
Erstens gibt es bei der Hochzeitsplanung so viel zu tun. Deswegen nehmen sich Leute auch mindestens ein Jahr Zeit, um alles zu erledigen. Wichtiger ist allerdings, dass ich mir nicht sicher bin, ob es angebracht ist, mitten in unserer »Trockenphase« zu heiraten. Ich habe gehofft, dass sich unsere »Situation« klären würde und lange vergessen wäre, bis wir vor den Altar treten. Was passiert, wenn wir in unserer Hochzeitsnacht keinen Sex haben? Ich bin mir sicher, ich habe irgendwo mal gelesen, dass das Unglück bringt.
Mary Newnham, This isn’t happiness (Kindle-Positionen 276-280)
Natürlich ist es schön, ein erfülltes Sexleben zu haben – aber auch hier stellt sich mir die Frage: Was ist denn ein erfülltes Sexleben? Das sehen Menschen generell vermutlich ganz unterschiedlich, und dazu kommen noch Aspekte wie die eigene Sexualität, Erfahrungen, Behinderungen etc. Die Geschichte löst jedoch schnell das Gefühl aus, dass es ohne Sex überhaupt nicht geht (oder gehen KANN) und dass kein/wenig Sex gleichzusetzen ist mit einer „schlechten“ Beziehung.
Kleine Random-Side-Info: Ich lese bald Kein Bock Club von Maria Popov und freue mich enorm drauf! Dort geht es unter anderem um die Frage, wieso sexuelle Unlust oft als Problem gesehen wird, um gesellschaftliche Erwartungen bezüglich des Sexlebens und um Asexualität.
Was mich neben der mangelnden Kommunikation und dem Fokus auf Sex in Beziehungen enorm gestört hat, war, dass das Buch sehr viele Baustellen öffnet und dabei nichts so richtig zu Ende führt. Es geht um Sexismus am Arbeitsplatz und im Alltag, um ein eingeschlafenes Sexleben, mangelnde Kommunikation in Beziehungen, Freundinnenschaften und Zusammenhalt, Selbstverwirklichung als Frau und gesellschaftliche Rollenbilder rund um Hochzeit und Ehe. Dazu kommen Nebenstränge wie eine Freundin mit Kind und einem Partner, der sich nicht kümmert, weil er es „nicht kann“, oder Joshs Pornokonsum, über den er selbst aber nie sprechen möchte. Inhaltlich ist alles irgendwie mehr oder weniger relevant, aber auch sehr unübersichtlich. Ich habe tatsächlich sehr oft gedacht: Hä, wo kommt der Gedanke/das Thema jetzt her?
Ein weiteres Problem für mich war, dass ich bis zum Ende nicht immer wusste, wer manche Figuren eigentlich sind. Es gibt viele Personen, die kurz wichtig wirken, einen spannenden Auftritt haben, und dann wieder verschwinden, ohne wirklich Eindruck zu hinterlassen. Vieles fühlte sich dadurch recht beliebig an.
Was das Buch dafür ziemlich gut zeigt, ist, wie Beziehungen verlaufen können, wenn man sich sehr jung kennenlernt. Und vor allem, wenn die gemeinsame Basis vor allem aus Schulzeit, Freundeskreis und Gewohnheit besteht, und man sich dann über die Jahre in unterschiedliche Richtungen entwickelt, ohne je über wirklich Wichtiges zu sprechen. Rollenbilder, Sexleben, Wünsche, Bedürfnisse, Zukunftspläne oder Kinderwunsch bleiben oft unausgesprochen, „hat ja noch Zeit“. Und wenn diese anfänglichen Gemeinsamkeiten wegfallen, bleibt am Ende oft nicht mehr viel außer Routine und Gewohnheit.
Die zentrale Botschaft des Buches ist vermutlich, dass eine Beziehung nicht automatisch gut oder glücklich ist, nur weil man die Idee davon schön findet oder schon ewig zusammen ist. Diese Aussage geht im thematischen Chaos allerdings ein wenig unter. Erst im letzten Teil rücken die wirklich wichtigen Fragen stärker in den Fokus, und dann ist das Buch auch schon vorbei.
Random, aber erwähnenswert: Ich mochte sehr, dass die Kapitelnamen komplett kleingeschrieben sind, haha. Ich bin generell ein Fan von Kleinschreibung, einfach weil ich sie ästhetisch finde.
Fazit: This Isn’t Happiness kann durchaus unterhaltsam sein, wenn man die Geschichte nicht zu ernst nimmt. Für mich war es eine nette Lektüre für zwischendurch, die interessante Themen anschneidet, aber insgesamt zu viel will, kaum etwas zu Ende denkt und dadurch leider an Tiefe verliert.
Inhalt zum Aufklappen
Amy und Josh sind seit zehn Jahren ein Paar, man hat sich gut eingerichtet, alles läuft prima. So prima, dass die eigentlich geplante Hochzeit immer wieder verschoben wird, und das schon seit Jahren. Als Josh‘ Eltern der Geduldsfaden reißt und sie kurzerhand einen Trautermin festlegen, kann Amy eine unangenehme Wahrheit nicht länger verdrängen: Ihr Liebesleben ist komplett erlahmt. Es knistert nicht mehr, Josh kuschelt lieber mit seinem Seitenschläferkissen als mit ihr, und sie selbst findet Astronomie-Podcasts mittlerweile überraschend sinnlich. Wie konnte das passieren? In ihrem Bestreben, der Beziehung neuen Schwung zu verleihen, greift sie zu immer extremeren Maßnahmen …
Quelle: pola













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