Rezension: Sonnenhang von Kathrin Weßling

Sonnenhang erzählt von der Suche nach dem Sinn des Lebens, zerplatzten Träumen, der Rolle der Frau in der Gesellschaft (inklusive Female Rage) und liebenswerten Begegnungen, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Der Beitrag ist aufgrund von Links und Kaufempfehlungen als Werbung gekennzeichnet. Das Buch ist ein eBook-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via NetGalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

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Autor*in: Kathrin Weßling, Übersetzer*in: –
Seitenzahl: 214, Preis: 19,99 € (E-Book)

Ich folge Kathrin Weßling schon eine ganze Weile auf Instagram und liebe ihren Schreibstil sehr, selbst dann, wenn sie „nur“ Storys postet. Ihre Texte haben etwas Nahbares, Ehrliches und gleichzeitig Reflektiertes. Ich bin, um ehrlich zu sein, ein kleines Fangirl von ihr lol. Umso größer war meine Vorfreude auf Sonnenhang, und ich wurde absolut nicht enttäuscht.

In Sonnenhang geht es um zerbrochene Lebensträume, ums Älterwerden und um Freundschaften, die an völlig unerwarteten Orten entstehen.

Im Mittelpunkt steht Katharina, Ende 30, die ihre Tage zwischen Trash-TV und Arbeit verbringt und plötzlich erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und des Alltags nimmt sie eine ehrenamtliche Stelle in der Seniorenresidenz Sonnenhang an.

Ich konnte mit Katharina in vielen Situationen total relaten. Ihre Gedanken, Zweifel und Reaktionen wirkten authentisch und echt. In manchen Situationen dachte ich wirklich: Alles klar, sie schreibt über mich lol. Hier etwa:

Katharina könnte sich gesünder ernähren, die vegetarische Fertiglasagne steht definitiv zu oft in ihrem Backofen, außerdem vernachlässigt sie ihre Skincare-Routine, das ist echt traurig, wie wenig sie sich um ihre Haut kümmert, na ja, die Quittung gibt’s dann, wenn’s zu spät ist.

Kathrin Weßling, Sonnenhang (Kindle-Positionen 703-705)

Auch die Gespräche mit ihrer Freundin, in denen sie über nervige Arbeitskollegen oder andere Menschen rantet, waren für mich extrem relatable.

Ein passendes Zitat, bei dem ich echt lachen musste:

Katharina verdreht die Augen und lacht, während Alina Sören nachäfft: «Oh yeah, das ist so nice, Leute, so nice, habt ihr das schon gesehen, Leute, so nice, und dann zeigt er ein TikTok-Video von vor drei Monaten, das jemand bei Instagram hochgeladen hat und das wirklich jeder schon kennt, und denkt, er ist der Krasseste, hahaha, so nice, Katha, guck mal die Likes!»

Sie lachen und für einen Moment ist Katharina glücklich, weil es so guttut, wenn ein anderer Mensch erlebt, was einen selbst oft so nervt, geteiltes Leid ist immer noch das gleiche Leid, aber wenigstens kann man ein paar gemeine Witze machen, das ist ja auch schon was.

Kathrin Weßling, Sonnenhang (Kindle-Positionen 288-293)

Generell ist die Geschichte unglaublich ehrlich und authentisch. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich viele Menschen, besonders Frauen in ihren 30ern, hier wiederfinden und gesehen fühlen. Sonnenhang liest sich angenehm und ruhig, fast so, als wäre man selbst mittendrin, umgeben von liebenswerten, eigenwilligen Charakteren.

Obendrauf gibt es zwischendurch eine gute Portion Female Rage, and I love it. Kathrin integriert die gesellschaftlichen Anforderungen an Frauen, indem sie ihre Protagonistin über Rollenbilder und das Patriarchat ranten lässt, und am liebsten hätte ich mich einfach dazugesetzt und mich mit ihr zusammen geärgert. Darüber kann man sich gar nicht oft genug aufregen und vor allem kann man darüber nicht oft genug laut und wütend sein. Count me in.

Was für mich besonders heraussticht, ist Kathrin Weßlings Schreibstil. Er ist nahbar, authentisch, locker und regt gleichzeitig zum Nachdenken und Weiterdenken an. Ich habe richtig Lust, weitere Bücher von ihr zu lesen. Übrigens ist ihr „Literatur-Quickie“ namens Kaffee und Kuchen in Kindle Unlimited enthalten. Das E-Book mit 32 Seiten werde ich demnächst auf jeden Fall lesen.

Fazit: Sonnenhang ist ein kluger Roman über das Leben, wie es oft wirklich ist, mit Umwegen und unerwarteten Begegnungen. Ehrlich, berührend und für mich mit (fast) 37 in vielen Situationen sehr relatable, auch wenn ich weder von einem erfüllten noch von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen bin. „Geteiltes Leid ist immer noch das gleiche Leid“ – aber immerhin kann man sich zusammen aufregen und vielleicht auch darüber lachen.

Bewertung: 4 von 5.
Inhalt zum Aufklappen

Während ihre Freundinnen Kinder bekommen und Instagram eine einzige Happy-Wife-Happy-Life-Show zu sein scheint, sitzt Katharina in ihrer Wohnung und betäubt sich mit Arbeit und Trash-TV. Mit Ende dreißig hat sie sich arrangiert mit diesem recht ereignislosen Leben, in dem noch alles möglich ist. Das zumindest glaubt sie, bis sie erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Plötzlich fühlen sich die Nächte in Kneipen und die Tage am Schreibtisch nur noch sinnlos an. Dann nimmt sie eine ehrenamtliche Stelle in der Seniorenresidenz Sonnenhang an. Die Wochenenden bestehen nun aus Eierlikörschmuggel, Kniffeln und skurrilen, liebenswürdigen Begegnungen. Als die nächste große Entscheidung ansteht, muss Katharina sich fragen, was sie eigentlich will. Und ob sie nicht ganz unbemerkt schon längst gefunden hat, wonach sie so verzweifelt sucht.

Quelle: rowohlt


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nicci

Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

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