Rezension: Nicht deins von A. L. Kahnau (Teen-Mystery)

Eine spannende und kurzweilige Teen-Mystery-Geschichte über Stalking, mit einer Wendung, die mich kalt erwischt hat.

Werbung: Das Buch ist ein E-Book-Rezensionsexemplar, das ich von der Autorin für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

Nicht deins bei Amazon
Autor*in: A. L. Kahnau, Übersetzer*in: –
Seitenzahl: 256, Preis: (aktuell) 3,99 € (E-Book) + Kindle Unlimited

Da ich früher schon gerne Bücher von A. L. Kahnau gelesen habe, habe ich mich direkt auf ihren Aufruf gemeldet, als sie Buchblogger*innen für Nicht deins gesucht hat. Besonders neugierig war ich deshalb, weil es sich hier um ihre erste Teen-Mystery-Geschichte handelt.

Im Fokus steht Thea, die ständig umziehen muss, weil ihre Mutter von einem Stalker verfolgt wird. Schon in ihren jungen Teenie-Jahren hat sie etliche Ortswechsel hinter sich, während andere Mädchen in ihrem Alter Freund*innenschaften knüpfen, Beziehungen eingehen, ihrer Schullaufbahn nachkommen (in der Regel auf einer Schule und nicht auf verschiedenen) und Nebenjobs haben. Nach dem letzten Umzug sagt Thea sich allerdings, dass sie dieses Mal bleiben will, komme, was wolle. Und wie es dann so ist, befindet sie sich plötzlich mittendrin im ganzen Stalking-Thema.

Die Mutter wird dabei als sehr grenzüberschreitend und teilweise manipulativ dargestellt. Sie lässt ihrer Tochter kaum Raum, um mal zur Ruhe zu kommen. Bei Streitigkeiten geht es fast nur um die Bedürfnisse der Mutter. Da fällt dann ein Satz wie „Darf ich mich zu dir legen“ statt der Frage, was Thea eigentlich gerade braucht, und das gefühlt eine Minute nach einem schlimmen Streit, der von der Mutter aus sogar körperlich wurde.

Generell scheint die Mutter Theas Freiheit enorm einzuschränken. Kein Handy, nicht alleine in die Stadt, nicht zu Freundinnen. Thea fühlt sich verständlicherweise ungerecht behandelt, was zu unangenehmen Diskussionen mit Schulfreund*innen führt. Überhaupt wirken die Rollen oft vertauscht. Thea versucht ständig, es ihrer Mutter bequem zu machen, sucht Klamotten mit ihr aus oder nimmt sie mit zu Freundinnen, weil die Mutter selbst keine Kontakte hat. Sie bewegt sich teilweise wie auf Eierschalen und prüft immer genau, ob und wann sie ihre Mutter um Erlaubnis fragen kann. Dass Thea sich für dieses Verhalten schämt und andere Mütter als Vergleich heranzieht, war für mich greifbar.

Plötzlich fühle ich mich schlecht. Ich wollte Mama nicht zum Weinen bringen. Und irgendwie hat sie ja recht. Sie tut immer alles für mich. Es gab bisher kaum einen Wunsch, den sie mir nicht erfüllt hat. Und ich weiß, dass sie nichts dafür kann, dass sie ständig solche Angst um mich hat.

A.L. Kahnau, Nicht-deins (Kindle-Positionen 615-617)

Das Buch zeigt, was für einen Einfluss Stalking auf das gesamte Leben und das Umfeld der Opfer hat. Vor allem der Charakter der Mutter ist davon gezeichnet. Sie wertet andere Mütter ab, nur weil diese ihren Kindern Freiheiten zugestehen, was sie selbst durch ihre Angst nicht leisten kann.

Ein paar technische Aspekte haben mich allerdings etwas rausgebracht. Vermutlich lag es an der Formatierung und/oder an meiner Rezensionsausgabe, aber teilweise gab es im E-Book zeitliche Sprünge direkt eine Linie unter dem aktuellen Absatz. Da war man gerade noch zu Hause und im nächsten Moment plötzlich in der Schule. Auch fand ich unlogisch, dass Thea plötzlich Internetzugang hat. Ich konnte mir nicht erklären, wie sie an das WLAN-Passwort gekommen ist, da die Mutter bei dieser Vorgeschichte sicher kein offenes Netz oder ein simples Passwort nutzt.

Ich will nicht, dass meine Mama traurig ist. Ich will, dass sie glücklich ist. Aber ich will auch, dass ich glücklich bin. Und beides gleichzeitig scheint nicht zu funktionieren.

A.L. Kahnau, Nicht-deins (Kindle-Positionen 1115-1116)

Trotzdem hat mich die Geschichte nach einem bestimmten Ereignis eiskalt erwischt. Es gab eine überraschende Wendung, mit der ich so nicht gerechnet habe, auch wenn ich mir ein paar andere Details schon vorher denken konnte. Da war ich erstmal baff. Und ich muss sagen, dass mir die Wendung richtig gut gefallen hat. Generell empfand ich besonders das letzte Drittel der Geschichte als richtig stark, unterhaltsam und mitreißend. Ab da konnte ich das Buch absolut nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: Nicht deins ist eine kurzweilige, fesselnde Geschichte über eine Jugendliche, die ihr Leben lang unter dem Stalking ihrer Familie bzw. konkret ihrer Mutter leidet. Der Schreibstil hätte für mich zwar noch etwas mehr Tiefe vertragen können und wirkte recht simpel, aber dadurch ließ sich die Geschichte auch sehr flott weglesen. Der Plot-Twist hat mich kalt erwischt. Gerne mehr in Richtung (Teen-)Mystery!

Bewertung: 4 von 5.
Inhalt zum Aufklappen

Thea ist es leid, ständig neu anzufangen. Neue Stadt. Neue Schule. Neue Gesichter.
Seit Jahren sind sie und ihre Mutter auf der Flucht vor einem Mann, der ihrer Mutter nachstellt und ihnen jede Sicherheit nimmt. Vertrauen ist gefährlich. Stillstand unmöglich.
Als sie endlich Freunde findet, schwört Thea sich: Diesmal bleibt sie. Egal was passiert.
Also verschweigt sie ihrer Mutter, dass sie ihn wieder sieht. Den Mann, der nicht hier sein dürfte. Den Mann, der sie beobachtet.
Zunächst sind es nur flüchtige Begegnungen. Doch je länger Thea schweigt, desto deutlicher wird: Der Stalker ist näher als je zuvor. Und er scheint sich für sie zu interessieren.
Ein düsteres Teen Mystery über Geheimnisse, Kontrolle und die Frage, wie weit man geht, um sein Ziel zu erreichen.

Quelle: Amazon


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Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

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