Rezension: Honey & Spice von Bolu Babalola

Statt sich ins Getümmel zu werfen, kommentiert Kiki Banjo es lieber in ihrer Radioshow. Dort warnt sie andere Frauen vor Männern, die nichts Gutes im Sinn haben. Doch dann trifft sie selbst auf so einen – und ihre Mauern beginnen zu bröckeln.

Der Beitrag ist aufgrund von Links und Kaufempfehlungen als Werbung gekennzeichnet. Bei dem Buch handelt es sich um ein E-Book-Rezensionsexemplar, das ich vom Verlag via netgalley für eine ehrliche Rezension erhalten habe.

So war mein Start in die Geschichte: Ich muss gestehen, das E-Book hat schon eine ganze Weile auf meinem Reader geschlummert. Durch meine Arbeitssituation, die Kündigung und meinen Umzug nach Österreich ist die Geschichte irgendwie in Vergessenheit geraten. Als ich endlich wieder Zeit und Ruhe zum Lesen hatte, hab ich sie hervorgekramt – und ich bereue es sehr, dass ich so lange gewartet habe.

Das ist der Inhalt: In Honey & Spice geht es um die Schwarze Studentin Kiki Banjo. Sie hostet die Uni-Radiosendung Brown Sugar, in der sie andere Schwarze Frauen vor sogenannten Wastemen warnt – Typen, die nichts Gutes im Sinn haben, wenn es um Frauen geht. Und dann taucht ausgerechnet jemand an der Uni auf, vor dem sie ihre Community warnen möchte: Malakai Korede – charmant, attraktiv, smart, heiß. Plötzlich geraten Kikis Prinzipien ins Wanken, und sie muss herausfinden, was es heißt, sich selbst treu zu bleiben, wenn das Herz plötzlich mitreden will.

[Er] ist so dämlich – er ist felsenfest überzeugt, die Whitewell Knights könnten gar keine Rassisten sein, weil sie nett zu ihm sind. Und für sie ist es großartige PR – sie haben ihn die ganze Zeit über benutzt. Wusstest du, dass sein Vater auch ein Whitewell Knight war? Sie suchen sich immer jemanden wie [ihn], damit niemand den Verdacht hegt, sie könnten eine Art Klan sein. Es ist ein bewährtes Modell.

Bolu Babalola, Honey Spice (Kindle-Positionen 5029-5031)

So habe ich mich beim Lesen gefühlt: Als weiße Frau konnte ich vor allem viel darüber lernen, wie es für Kiki und andere Schwarze Student:innen ist, auf einem Campus zu studieren, der mehrheitlich weiß geprägt ist. Honey & Spice thematisiert Rassismus auf sehr greifbare Weise – anhand von alltäglichen Situationen, Bemerkungen und unterschwelligen Vorurteilen, die Kiki erlebt. Kiki übernimmt hier quasi die Rolle als Stimme für Schwarze Frauen am College.

Kiki bewegt sich ständig zwischen zwei Welten: ihrer Radio-Persönlichkeit und ihrer Uni-Persönlichkeit. Immer wieder steht sie vor der Frage, wer sie eigentlich wirklich ist, welche Werte sie vertritt – und ob ihre Überzeugungen überhaupt noch zu dem passen, was sie inzwischen erlebt, fühlt und will.

Zum Fake-Dating-Trope: (Jene, die nichts Konkretes zur Figurenentwicklung wissen möchten, sollten die nächsten Absätze bis zum Fazit überspringen.)

Kiki warnt ihre Community vor den Wastemen – aber dann kommt Malakai Korede ins Spiel. Und Kikis Weltbild gerät ordentlich ins Wanken, denn irgendwie wirkt er charmant, smart und heiß zugleich. Kiki muss lernen, dass man Menschen nicht (immer) vorschnell beurteilen kann, sondern dass hinter der Fassade oft viel mehr steckt – sogar bei einem vermeintlichen Wasteman.

Nebenbei soll Kiki ihre Radioshow pushen und mehr Reichweite gewinnen – und das ausgerechnet mit Malakais Hilfe. Er arbeitet an einem Filmprojekt, bei dem wiederum Kiki ihn unterstützen soll. Und wie vermarktet man sowas am besten? Na klar: Man gibt vor, ein Paar zu sein. Also steigen die beiden in ein Fake-Dating-Szenario ein – natürlich rein zweckmäßig.

Doch schon bald merken sie, dass sie viel mehr verbindet, als sie zunächst geglaubt haben. Und plötzlich steht Kiki vor der Frage, ob das, was sie ihrer Community immer gepredigt hat, überhaupt noch zu dem passt, was sie selbst fühlt. Ihre Unabhängigkeit kollidiert mit der Angst, sich wirklich zu öffnen und verletzlich zu zeigen.

Zu oft schon hatte ich mich von Männern dazu zwingen lassen, bloß eine Schmalspurversion der Kiki zu sein, die ich war und sein konnte.

Bolu Babalola, Honey Spice (Kindle-Positionen 5637-5638)

Fazit: Honey & Spice ist mehr als nur eine romantische Campus-Lovestory – es ist eine kraftvolle, feministische, witzige und kluge Hommage an weibliche Selbstbestimmung und das Finden der eigenen Stimme. Die Autorin erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen, Empowerment, Repräsentation und Verletzlichkeit. Für mich (als nicht betroffene Person) wirkte die Geschichte authentisch, berührend und ehrlich – ich konnte viel mitnehmen und Kikis Lebensrealität ein Stück weit besser verstehen. Honey & Spice ist ein Buch, das ich sehr genossen habe und wirklich jedem nur ans Herz legen kann.

Bewertung: 5 von 5.

Honey & Spice beim Eisele Verlag | Honey & Spice auf Amazon
Autor:in: Bolu Babalola, Übersetzer:in: Ursula C. Sturm

Inhalt zum Aufklappen

Kiki Banjo kommentiert das Geschehen am Whitewell-College lieber in ihrer Radioshow Brown Sugar, als selbst daran teilzunehmen. Sie verbringt ihre Zeit stattdessen mit dem Aufbau ihrer Karriere als Multimedia-Journalistin und ihrer besten und einzigen Freundin Aminah.

Dem Dating hat sie abgeschworen – aus guten Gründen. Bis der neue Student Malakai Korede ans College kommt und Kikis sorgsam aufgebaute Mauern ins Wanken geraten …

Der erste Roman von Bestseller-Autorin Bolu Babalola ist mehr als die Geschichte einer College-Liebe: Er ist eine Ode an die Freundschaft, an den Zusammenhalt der Schwarzen Community und kommentiert in scharfzüngigen Dialogen aktuelle gesellschaftspolitische Themen – erzählt von einer jungen Schwarzen Protagonistin, die Beziehungen hinterfragt und neu definiert.

Quelle: Amazon

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2 Antworten zu „Rezension: Honey & Spice von Bolu Babalola“

  1. Karin

    Hallo liebe Nicci,

    schön wieder einmal etwas von Dir lesen zu dürfen.

    Bei „Wastemen/Wasteman musste ich mich erst einmal schlau machen, denn da gibt es durchaus verschiedene Auslegungen…..die alle, aber nichts gutes aussagen..!!

    Bin vielleicht auch schon etwas von der Lesezielgruppe entfernt …….aber zumindest weiß ich jetzt was ein „Wastemen“ ist!!!

    Mir fehlt, bei solchen Geschichten immer etwas Personen mit Lebenserfahrung und ohne festgefahrene Einstellungen……denn auch junge Leute, entwickeln sich noch…….und ja alles, finde ich zumindest, ist im Leben ein Auf-und Ab…..Zugaben-und Abgeben…..

    Und sich als eine Art Super-Frau in allen Belangen zu outen, na ja, finde ich etwas abgehoben/unrealistisch….

    Aber gut, vielleicht braucht es sowas halt in solchen Geschichten…

    Ich weiß, Du bist kein Fan von Ostern…..trotzdem schöne Zeit….LG…Karin..

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    1. sie outet sich nicht als super-frau, sondern als eine stimme für die schwarze community, die über die wastemen (wie ich im text schrieb: männer, die bezogen auf frauen, nichts gutes im sinn haben) aufklärt und andere frauen warnt. und wie ich ebenfalls schrieb, muss sie im verlauf feststellen, dass ihre eigenen werte gar nicht mehr so richtig zu ihrer realität passen :) also das gegenteil einer super-frau. sie ist authentisch und ehrlich.

      und in den geschichten geht es um ebendiese zielgruppe, um probleme und ängste, die die gruppe hat. da braucht es niemanden, der auf 40 jahre lebenserfahrung zurückblickt und sagt: keine panik. in dem moment ist es nun mal die realität und die wird gut beschrieben. zudem gibt es nicht in jeder geschichte jemanden, der lebenserfahrung hat – nicht jede person hat so jemanden. :) nicht immer davon ausgehen, dass das jeder hat/kann.

      danke, dir auch eine schöne zeit :)

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nicci

Seit Oktober 2022 lebe ich in Kärnten (Österreich) und schreibe hier über alles, was mich beschäftigt und mir Spaß bereitet – etwa Bücher, verschiedene Videospiele, Filme und Serien. Ich liebe Horror, feministische Bücher, kleine Roboter und Kaffee.

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